Neues vom Führerschein(un)wesen
Wer die Freiheit auf dem Wasser genießen möchte, der muss sich diese Freiheit er einmal verdienen. Denn nur mit dem richtigen Führerschein kann man sich diese Freiheit "erkaufen". Und wir Deutschen sind bekannt dafür, dass wir alles in Gesetze, Verordnungen und Reglementierungen packen. Und das möglichst kompliziert.

Wie erfrischend klingen daher die Worte von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee anlässlich der diesjährigen boot: "Wir wollen das Führerscheinausbildungs- und Prüfungssystem an moderne didaktische Anforderrungen anpassen und das gesamte System für Sportbootführerscheine entbürokratisieren." Und diese Reformen und Umstellungen sollen bereits bis Ende 2010 in Kraft treten.

Die beiden Wassersportverbände DSV und DMYV, die in Deutschland die Prüfhoheit besitzen, sind davon nicht begeistert. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass erst im April 2007 der Fragenkatalog zum SBF Binnen klammheimlich um rund 100 Fragen erweitert wurde. Da möchte das Verkehrsministerium nicht mitspielen. Seine Forderung lautet, den Theorieteil des SBF Binnen und SBF See auf Multiple Choice-Fragen zum Ankreuzen umzustellen. Weiter sollen der Praxisteil für beide Scheine gestärkt und der Umfang der praktischen Prüfungen erweitert werden.

Ein bisschen Statistik
Durchfallquote beim SBF-Binnen:
15% in der Theorie
2,4 % in der Praxis
Wer macht den SBF-Binnen?
27% Frauen
73% Männer
Und wer macht den SBF-See?
20% Frauen
80% Männer
Das Ziel dabei ist, den Einstieg für interessierte Laien möglichst einfach zu halten und in den Prüfungen keine unnötige Theorie abzufragen. Dafür soll viel mehr Wert auf praktische Seemannschaft gelegt werden. Im Gespräch ist dabei die Einführung von Pflichtfahrstunden, in denen wichtige Manöver wie An- und Ablegen aber auch Sicherheitsmanöver geübt werden sollen.

Bis Ende 2009 sollen bereits die Prüfungen zum Sprechfunkzeugnis UBI und SRC auf Multiple Choice-Fragen umgestellt werden: pro Frage gibt es dann vier Antwortmöglichkeiten, von denen aber nur eine richtig ist.

SKS mit neuer Praxisprüfung
Im Rahmen der Führerscheinreform wird auch über die Änderung der praktischen Prüfung für den SKS nachgedacht. Bisher musste der Bewerber zwei Pflichtmanöver erfolgreich vorführen, nämlich das Boje-über-Bord Manöver unter Segel und unter Motor. Daneben musste der Prüfling von fünf gestellten Aufgaben drei zur Zufriedenheit der Prüfer absolvieren.

Nun sollen die Pflichtmanöver erweitert werden und zwar soll jeder Bewerber ein An- oder Ablegemanöver fahren sowie eine Wende, Halse oder Q-Wende. Diese Manöver fallen dann aus den bisherigen Zusatzaufgaben heraus. Ebenso werden die Prüfungsteile Umgang mit Tauwerk und das Fahren nach Kompass bzw. Landmarken herausgenommen, da diese Fähigkeiten bereits beim SBF Binnen und SBF See abgeprüft werden. Neu hinzu kommt die Navigation mit elektronischen Geräten, wie beispielsweise dem GPS.

Wie man sieht, möchte der DSV dadurch den Praxisteil stärker in den Vordergrund stellen. Deutlich wird dies auch durch die zeitliche Dauer der Prüfung: jeder Bewerber soll demnächst bis zu 45 Minuten geprüft werden dürfen. Bei fünf Prüflingen an Bord kann eine Prüfung dann locker mal vier Stunden dauern. Ob wir da nicht wieder von einem Extrem ins andere fallen...?



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