|
|
|
|
| Segelyacht: |
Sun Odyssey 33 |
| Skipper: |
Ernst Waaser |
| Crewmitglieder: |
Karin und Helmut Wegner |
| |
Wolfgang Dylla (zeitweise) |
| |
Frank Dylla (zeitweise) |
| |
Michael Kloos (zeitweise) |
| |
Im Frühjahr 2002 stand ich an der Kirche von St. Andrews in Schottland und dachte, das wäre ein schönes Ziel für einen Segeltörn. In der folgenden Zeit ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Ein Telefonat mit Helmut ergab, dass dieser vom 15. Juni bis 07. Juli 2002 Urlaub hatte. Von dem Vorschlag, einen Törn zu unternehmen, war er sofort begeistert. Nun galt es, die übrige Crew zusammenzubringen. Wolfgang sagte ebenso zu wie Frank und Michael. Bei letzteren spielte die Zeit eine Rolle, so dass sich folgende Terminierung ergab:
|
| 21. Juni 2002 |
Treffen von Karin, Helmut und Ernst in Medemblik |
| 22. Juni 2002 |
Boot durchchecken und klarmachen (von Vereinsmitgliedern geliehen wurden: Schlauchboot, Außenborder, das zweite Funkgerät, der zweite Anker, Markierungsboje, auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank für die Unterstützung). Im Laufe des Abends treffen Wolfgang und Frank ein. |
| 23. Juni 2002 |
Törnbesprechung und Festlegung der Ecktermine. |
| |
Danach wollten wir am 23. Juni 2002 bis Den Helder und am 24. Juni 2002 von Den Helder in der sog. Tiger-Line (kommt aus dem Golfsport und bedeutet in direkter Linie) nach Dandee.
Dem Zeitplan entsprechend mussten wir Frank spätestens am 29. Juni 2002 um 09:00 Uhr zum Flughafen in Edinburgh bringen, wo wir Michael am 30. Juni 2002 um 22:00 Uhr erwarteten. Zurück mussten wir in jedem Fall am 06. Juli 2002 sein.
|
|
Am 23. Juni 2002 legten wir gegen 15:00 Uhr in Medemblik Richtung Den Oever und weiter nach Den Helder ab. Den Zeitpunkt wählten wir aufgrund der Gezeiten und erreichten bei mäßigem Wind gegen 22:00 Uhr Den Helder. Das Anlegemanöver musste noch geübt werden, vielleicht lag es auch an den kritischen Blicken der Hafenmeisterin, dass es nicht so gut gelang.
Nach einer ruhigen Nacht legten wir pünktlich um 07:30 Uhr ab. Kurs war die Südspitze Texel. In der engen Durchfahrt überholten uns insgesamt 11 Fischkutter, die uns erstmals durchrüttelten, 1 Fender ging über Bord, den wir nach mehreren Versuchen tatsächlich bargen. Nach der Durchfahrt konnten wir hoch am Wind 310 Grad anliegen. Der Wind, West 2-3, legte langsam zu und damit auch die Wellen. Nach einigen Stunden Fahrt meldete sich der erste Seekranke und kurze Zeit später der zweite.
Karin, deren Kochkünste wir bereits in Medemblik und Den Helder kennen gelernt hatten (wie sich herausstellte, ist sie ausgebildete Schiffsköchin und hat als Maat im Dienste der Deutsche Seereederei (DDR) die Weltmeere befahren), versorgte die Kranken und die übrige Mannschaft.
In den nächsten Stunden wurden meine Sorgenfalten immer tiefer, denn mit der Rumpfmannschaft war die Gewalttour nicht zu bewältigen. Auf meine Frage, ob wir nicht abdrehen sollten, kam keine Antwort. Ich entschied mich, weiterzusegeln. Zum Glück kehrten nach einigen Stunden die Lebensgeister der Kranken wieder zurück.
Den Kurs 310 Grad konnten wir längere Zeit halten, doch allmählich drehte der Wind in Richtung Nord, so dass wir immer mehr von unserem Idealkurs abkamen. Die großen Verkehrstrennungsgebiete querten wir ohne Probleme. Irritierend waren nachts die hell beleuchteten Bohrtürme. Nach 3 Tagen und 3 Nächten standen wir am 25. Juni 2002 um 22:30 Uhr querab von Edinburgh auf Position 20 ' West, 56 º 10 ' Nord, d. h. ca. 100 sm vom Land entfernt.
Seit 2 Tagen machte uns der Wellengang zu schaffen, im Groß hatten wir das dritte Reff eingebunden, die Genua zur Hälfte weg-gerefft. Um unser Ziel zu erreichen, mussten wir auf Kreuzkurs gehen. Neben dem Wellengang kam noch die Strömung, so dass wir nicht nur keine Höhe machten, sondern am 27. Juni 2002 um 05:20 Uhr auf Position 1 º West, 55 º 50 ' Nord standen.
|
|
Schnell wurde klar, dass wir im Rahmen unseres Zeitfensters weder Edinburgh noch Dandee erreichen konnten. So entschieden wir uns, mit Strom und Wind nach Newcastle zu laufen. Hier kamen wir am 4. Tag nach Den Helder abends an. Den River Tyne stromauf erreichten wir einen netten kleinen Hafen, die St. Peters Marina. Die Logge zeigte 289,10 sm. Von den Hafenliegern wurden wir sofort freundlich empfangen und in die Besonderheiten eingewiesen. Das Angebot, uns am nächsten Tag zum Einkaufen in die Stadt zu fahren, nahmen wir freudig an.
Die erste ruhige Nacht nach drei durchwachten bekam allen prächtig. Insgesamt vier Nächte im Hafen sollten uns nach den Strapazen gegönnt sein. In den nächsten Tagen lernten wir die Stadt und Umgebung von Newcastle und Edinburgh kennen. Frank erreichte pünktlich seinen Flieger und Michael kam pünktlich aus Düsseldorf in Edinburgh an. Zur gleichen Zeit traf Tanja, soeben aus München kommend, ein, so dass wir alle noch zwei Stunden im Flughafen-Pup verbringen und von unseren Erlebnissen berichten konnten.
Spät in der Nacht trafen wir wieder in Newcastle ein, der Tacho wies insgesamt 600 Meilen in drei Tagen aus.
|
|
Nach den Erfahrungen der Hinfahrt beschlossen wir auf der Rückreise einen Zwischenstopp einzulegen. Das Etappenziel war Grimsby, das wir nach 1 1/2 Tagen bei mäßigem Nord erreichten. Wir kamen am 02. Juli 2002 mittags in Grimsby an und legten am anderen Mittag wieder ab, mit nahezu achterlichem Wind, Kurs 110 º nach Ijmuiden. Im Verlauf der Fahrt änderten wir den Kurs und legten Den Helder an. Das geigen bei Welle und achterlichem Wind machte kein Vergnügen, doch da mussten wir durch.
Unterwegs musste einmal die Batterie gewechselt werden. Bei dieser Gelegenheit wickelte sich eine Schlafanzugjacke um die leerlaufende Welle, ein anderes Mal erschien ein Crewmitglied aus der Koje mit einer Platzwunde über dem Auge. Das waren aber schon die unangenehmen Ereignisse. Ansonsten verhielten sich Schiff und Mannschaft mustergültig.
Die vor uns liegenden 170 sm bewältigten wir in zwei Tagen und zwei Nächten. Am letzten Tag vor Texel, es war Freitag, 05. Juli 2002 gegen 02:00 Uhr nachts, wurde es plötzlich hektisch. Michael meinte einen Frachter auf Kollisionskurs zu erkennen. Die übrige Mannschaft tippte auf eine Bohrplattform. Doch plötzlich waren alle Zweifel ausgeräumt, ein Frachter kam auf uns zu. Wir hatten Chance Null, unseren Kurs zu ändern, behielten Kurs und leuchteten die Segel an. Von der Brücke des Frachters wurde ein Scheinwerfer auf uns gerichtet, d. h. wir waren gerettet. Mit einem Hupkonzert fuhr der Frachter an unserem Heck vorbei.
Die Einfahrt nach Den Helder war für uns - aus welchen Gründen auch immer - nicht leicht zu finden. Lichter ringsum, so dass wir beinahe den Fährhafen von Texel angelaufen wären. Voller Zufriedenheit über unsere Leistung legten wir um 03:00 Uhr nunmehr gekonnt in Den Helder an.
|
|
Unterwegs hatte uns Karin aus ihrer Seemannszeit erzählt. U. a. ist der Donnerstag der Seemannssonntag. An diesem Tag gibt es Kuchen an Bord. Mit dieser Information haben wir Michael angemacht, der sich auch spontan bereiterklärte, während der Fahrt einen Kuchen zu backen. Hierfür eingekauft wurde in Grimsby, und Donnerstag auf hoher See haben Karin und Michael einen herrlichen Kuchen gebacken. Diesen Kuchen haben wir nach dem Anlegen in der Nacht noch gegessen. Er schmeckte hervorragend!
Freitag früh legten wir in Den Helder ab und segelten nach Medemblik, wo wir den Törn ausklingen ließen. Freitag Abend kam auch noch Wolfgang an, den wir an dem Sonntag zuvor in Newcastle zur Fähre gebracht hatten, so dass wir alle zusammen noch einen schönen Abend verbringen konnten.
Samstag Morgen, wie es unser Ziel war, trennten wir uns in der Hoffnung, dass es nicht der letzte Törn gewesen sein möge.
Sicher hat jeder seine Erfahrung gemacht, insbesondere wenn es gilt, mehrere Tage und Nächte ohne Landfall zu segeln. Für einen Urlaubstörn ist zumindest ein Zwischenstopp bei einer solchen Reise anzuraten!
Ernst Waaser
|
|