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In den 90iger Jahren war der Kaarster See die Perle in NRW. Die Sichtweiten Unterwasser waren hervorragend, der Uferbereich war dicht mit Wasserpflanzen gesaumt und kleine und grose Fische waren zahlreich vorhanden.
Ab dem Jahre 2000 wurde es langsam aber stetig schlechter mit der Qualitat des Kaarster Sees. Teilweise waren die Sichtverhaltnisse so schlecht, dass man ab 10 m Tiefe nichts mehr sehen konnte. Zunachst storte dies nur die Taucher. Einige Zeit spater merkten auch die anderenNutzer (Segler, Surfer und Angler), dass etwas am See nicht in Ordnung war. Mit den warmen Temperaturen ab Juli / August schwammen verstarkt Algen an die Oberflache und der See begann zu riechen.
Die Angler haben die Aufgabe den See zu bewirtschaften, zu pflegen und zu hegen. 2006 wurde eine Gewasseruntersuchung durch den Rheinischen Fischerverband, von den Anglern in Auftrag gegeben, mit dem Ergebnis: Der Kaarster See befindet sich in einem eutrophen (uberdungtem) Stadium. Dieses ist die Vorstufe bevor ein See umkippt. Kleinere Fische und Raubfische sind kaum noch im See vorhanden, dafur aber zu viele grose Karpfen.
Grunde gibt es viele, doch immer ist der Mensch zentraler Verursacher. Die wichtigsten Grunde:
- Anfuttern der Wasservogel im ostlichen Teil (Brucke und Wiese).
- Tagelanges Vorfuttern der Fische durch Angler.
- Falscher Besatz von Fischen
- Nahrstoffe aus der Landwirtschaft.
Aus Unwissenheit futtern viele Personen die Wasservogel mit Brot, dieses Verhalten muss schnellsten unterbunden werden. Brot ist fur die Enten keine artgerechte Nahrung. Die Enten konnen das Salz im Brot nicht vertragen. Auch der See wird durch die groseren Kotmengen und durch das Vergammeln der Brotreste am Boden sehr stark belastet. Merke: "Entenbrot ist Ententod“. Die Verbotschilder am See werden leider ignoriert. Die Kreiswerke haben sich bereit erklärt, mittels Hinweisschilder die Öffentlichkeit aufzuklären.
Die Angler haben oftmals tagelang an einer Stelle die Fische angefüttert, ohne zu angeln, um dann am Wochenende dort den „großen“ Fang zu machen. Mittlerweile setzt sich bei einigen Anglern das Bewusstsein durch, das dieses Verhalten dem See nachhaltig schadet und nicht den gewünschten Erfolg hat.
Es befinden sich zu viele große Karpfen im See. Die großen Karpfen fressen den kleinen Fischen die Nahrung weg und die Raubfische hungern, weil diese nur kleine Fische fressen aber nicht die riesigen Karpfen. Die großen Karpfen wurden bislang nicht dem See entnommen, sondern wurden – entgegen dem Verbot im Bundesfischereigesetz – wieder zurückgesetzt.
Die Nährstoffe aus der Landwirtschaft können wir leider nicht fernhalten. Glücklicherweise wurden die Flächen südlich des Kaarster Sees, in den vergangenen Jahren landwirtschaftlich nicht mehr so intensiv genutzt. Allerdings wird es noch Jahre dauern bis die Nährstoffe nicht mehr über das Grundwasser in den Kaarster See gelangen.
Es gibt noch weitere Punkte die sich nicht vorteilhaft auf den Zustand des Sees auswirken: Die Reinigung von Booten und Surfbretter mit „Seifen“ jeder Art. Diese Reinigungsmittel enthalten Tenside, diese verstärken wiederum die Überdüngung des Sees. Auch wenn diese Reinigungsmittel „biologisch abbaubar“ sind, so wird immer Sauerstoff für den Abbauprozess benötigt. Der See hat aber kaum Wasserpflanzen und somit wenig Sauerstoff.
Beim Baden und betreten des Uferbereich werden Sedimente aufgewirbelt. Diese Sedimente enthalten chemische Verbindungen die im Boden eingelagert sind und nun wieder in den Kreislauf gelangen und die Eutrophierung verstärken.
Wenn Taucher, aufgrund schlechter Ausbildung, zu dicht über den Grund tauchen und mit Ihren Flossen das Sediment aufwirbeln, führt dieses zu derselben Schädigung. Deshalb haben wir bereits zweimal in diesem Jahr, einen Sonderkurs für umweltgerechtes Tauchen und „Tarierenin Perfektion“ mit unseren Mitgliedern durchgeführt. Wenn sich Sedimente auf die spärlich vorkommenden Wasserpflanzen legen, ist der Prozess der Photosynthese gestört. Das bedeutet die Pflanze kann dann nicht mittels Lichtdas im Wasser enthaltene Kohlendioxid zu Sauerstoff verarbeiten. Durch den Wellenschlag der Motorboote wird die Uferkante ausgespült. Der Sand wird in die Seemitte verlagert. Eine Uferbefestigung durch Pflanzen würde dieses Problem beseitigen. Einige Abschnitte nutzen die Surfer intensiv für ihren Sport. An den anderen Stellen sollen die Uferbereiche befestigt werden. Christian Uhlig (KSC) hat bereits seine Unterstützung zugesagt.
Einige Dinge lassen sich einfach umsetzen, andere stören erheblich die Ausübung des Sportes. Wie so häufig müssen Kompromisse gefunden werden. Oft können Wege gefunden werden, die von allen Beteiligten akzeptiert werden können. Um dieses zu ermöglichenhat sich die „Aktionsgruppe Umwelt“ gebildet.
Die chemischen Analysen des Hygieneinstituts, bescheinigen eine gute Wasserqualität für den Badebetrieb (kleiner Kaarster See). Die Bakterienbelastung im See ist normal. Nur wenn die Bioökologie intakt bleibt, wird sich der Zustand nicht ändern.
Die „Aktionsgruppe Umwelt“ ist bestrebt das biologische Gleichgewicht im Kaarster See wiederherzustellen. Regelmäßig werden Wasserproben aus 3, 6, 9, 12 und 15 m Tiefe genommen, analysiert und gespeichert. Die Gruppe besteht derzeit aus Tauchern und einem Angler. Die Gruppe wird von den Seglern und Surfern unterstützt.
Weihnachtsbäume/Fischlaich > Leider befinden sich im Kaarster See kaum noch Unterwasserpflanzen und Unterschlupfmöglichkeiten für Fische. Wenn der Laich direkt auf dem Boden liegt, kann er sich nicht richtig entwickeln und ist leichte Beute für Krebse. Deshalb wurden im letzten Jahr zahlreiche Weihnachtsbäume im See versenkt (natürlich ohne Lametta). Diese dienenden Fischen als Laichhilfe (siehe Fotos).
Künstliche Riffe > Muscheln sind in einem See sehr wichtig, da die Muscheln das Wasser filtrieren. Es sind im Kaarster See zwar viele Dreikantmuscheln vorhanden, die meisten liegen auf dem Boden und werden im Herbst mit Laub bedeckt. Muscheln siedeln sich gerne an Betonteilen oder Steinen an. Teichmuscheln sind kaum noch im See vorhanden, diese heimischeArt wäre noch viel besser für die Ökologie des Sees. Von den Tauchern wurden bisher 5 künstliche Riffe im Kaarster See installiert. Als Material wurden die braunen Röhren, die zwischen dem Segler- und dem Tauchereinstieg lagen, verwendet. Die Riffe liegen in mind. 4 Metern Wassertiefe und wurden bereits von den Muscheln und sogar von Schnecken angenommen. Sogar einige Wasserpflanzen wachsen mittlerweile direkt an den Riffen.
Uferbepflanzung > Der „Rohrkolben“ ist in der Lage, dem See, große Mengen an Nährstoffen zu entnehmen. Das Ufer am Kaarster See ist allerdings nicht besonders gut für die Bepflanzung geeignet, da es am Kaarster See nur wenige Flachwasserzonen gibt. Das Ufer fällt verhältnismäßig steil ab und durch Wellenschlag wir das Ufer immer weiter ausgespült, dadurch sackt der Sand dann immer tiefer in den See. Geplant ist in diesem Jahr viele Bereiche mit Rohrkolben und Schilf zu bepflanzen. Dadurch wird die Erosion aufgehalten und dem See werden die Nährstoffe entzogen.
Seereinigung > In diesem Jahr werden wir, wie auch schon im letzten Jahr, eine Seereinigung am Kaarster See durchführen. Leider hinterlassen viele Besucher ihren Müll im und am See. Wir sammeln den Müll im Wasser, sowie im Uferbereich, dabei verhalten wir uns umweltgerecht und belassen ungiftige Dinge an Ort und Stelle, wenn Tiere den Müll schon als Wohnstätte verwenden. Im letzten Jahr konnten wir unzählige Flaschen, Mehrwegkästen und anderenMüll aus dem See einsammeln.
Algen an der Oberfläche > Vermutlich werden im zweiten Teil des Sommers die Algen wieder an der Oberfläche schwimmen. Diese Algen sind ein deutlicher Beweis für die Überdüngung des Sees mit Nährstoffen. Wie auch schon im letzen Jahr, werden wir die Algen einsammeln und somit die Nährstoffe dem Kreislauf des Sees entnehmen. Dabei sind wir auf die Unterstützung der Segler angewiesen, da wir selbst ja nicht über Boote verfügen.
Alle Aktionen werden im Vorfeld mit den Kreiswerken Grevenbroich besprochen und nur mit deren Einverständnis durchgeführt. Wir haben alle ein finales Interesse am Kaarster See unserenjeweiligen Sport auszuüben. Alle Vereine sollten an einem Strang ziehen, um zumindest die derzeit noch bestehende Qualität, am Kaarster See zu erhalten. Schließlich möchten wir unseren Kindern nicht nur tolle Geschichtenvom Kaarster See erzählen, unsere Kinder möchten diese Dinge gerne selbst erlebenkönnen. Schön wäre es, wenn sich noch weitere Personen an der „Aktionsgruppe Umwelt“ beteiligen würden.
Sportliche Grüße
Volker Pieper | www.TSC-Kaarst.de
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