Faszination Seychellen
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Wenn mich heute jemand fragt "was war denn so besonders an dem Seychellen-Törn?" dann müsste ich im Gegenzug fragen: "wie viel Zeit hast du denn?"

Es war im Mai 2008 als sich 48 begeisterte KSC- Segler auf den Weg machten um mit 6 Katamaranen in tropischen Gewässern in See zu stechen. Der Mega-Törn war von langer Hand sorgfältig vorbereitet, jede Crew hatte ihre eigene Route geplant und was das allertollste daran war? ICH WAR MIT VON DER PARTIE!

Tollkühn hatte ich mich auf die Warteliste setzen lassen - und Glück gehabt.
Die Seychellen; das klingt schon wie eine einzige Verheißung! Nach süßem Leben und Nichtstun. Nach Palmen, türkisfarbenem Wasser und Puderzuckerstränden. Nach dem Rhythmus von Reggae, Calypso und Soca.

Die Anreise in das ferne Land erfolgte via Dubai. Die Flugbegleiterinnen waren wahrlich keine "Trolley-Dollies" sondern zauberhafte Wesen aus 1000 und 1 Nacht mit geheimnisvollen Mandelaugen und zartem Schleier ums Gesicht. Ich glaube, den meisten Männern ist der Flug bis Mahé irgendwie nicht so endlos lange vorgekommen wie mir….

PRASLIN, das war dann unsere Basis; Start und Ziel. Welche Abenteuer hielten die beiden Wochen für uns bereit? Wie war die Crew so drauf, mit der ich die nächste Zeit zusammen verleben würde? Schließlich hatte ich ein Blind Date mit 7 Unbekannten gebucht! Da gab's zunächst den Skipper, Michael Zimmermann, mit allen Eigenschaften, die ein echter Skipper braucht: kompetent, humorvoll, trinkfest! Und, welch Glückes Geschick: alle wichtigen Posten an Bord waren perfekt besetzt! So weilten auf unserem Kat quasi: ein Sternekoch namens Frank, zwei versierte Barkeeper (Petra und Manfred) und ein DJ (meinereiner). Eine unentbehrliche Hilfe bei jedem Ankermanöver (Jörg) und eine liebevolle "Mutti für alle" (Nicole). Eine rundherum stimmige Crew. Die Lostrommel des KSC hatte sogar einen echten Polizisten (Winnie) zu Tage gefördert. Der würde uns im Ernstfall bestimmt bei Piratenüberfällen verteidigen - oder so….

Leinen los!
Mit unserem luxeriösen Katamaran, einem schwimmenden Salon auf Kufen; mit Kühlschrank, 2 Nasszellen und 4 Doppelkabinen segelten wir zunächst nach "Anse Lazio". Eine traumhafte, goldene Bucht, über der bei unserer Ankunft in der Abenddämmerung eine faszinierende Aura lag. Ein Strand wie man ihn aus Hochglanzmagazinen kennt. So stelle ich mir das Paradies vor! Bei uns Stressgeplagten an Bord entspannte sich die Bauchdecke…. Okay, die Longdrinks bei Sonnenuntergang taten ein Übriges dazu. Wie war das auch gleich, Manfred:
Cola KANN, Whiskey MUSS !? Irgendwie waren wir alle ganz schön aufgedreht und ausgelassen. Hey, sehe ich da ein paar Nackedeis, die mit einem "Jipiiii" ins Wasser springen?? Hab' mich sicher verguckt, denn es ist ja soooo was von dunkel hier!!

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Dieses Anse Lazio macht süchtig. Wir haben später noch eine Fülle von Bilderbuchstränden entdeckt, aber wir wurden zu Wiederholungstätern sind noch zweimal hierhin zurückgekehrt.

Ich glaube, nur an wenigen Plätzen dieser Erde kann man die Unterwasserwelt so entspannt genießen wir hier auf den Seychellen. Sonnenstrahlen werfen helle Muster auf den sandigen Meeresboden, Smaragdfarben leuchtet das Wasser. schnorchelnder weise haben wir uns unter die bunt leuchtenden Fischschwärme gemischt und uns gefühlt wie in einem gut temperierten Aquarium. Das klingt doch nach Lebensfreude pur - oder?

Aber auch die Landratten kamen auf ihre Kosten. So führte uns ein Tagesausflug zum Mangrovengebiet auf Curieuse Island.
Dort laufen Riesenviecher von Landschildkröten herum, so was von beeindruckend! Der Kopf sieht aus wie bei ET, reicht mir bis fast an die Schulter und sie haben so an die 200 Jahre auf dem gepanzerten Buckel. Sie sind so zahm, dass man sie streicheln kann und so stark, dass Michael versuchsweise auf einer herumgeritten ist.

Bei einem weiteren spektakulären Trip wurden wir bei hohem Wellengang in Aride an Land gespült; einer tropischen Insel mit einem unvorstellbaren Vogelreichtum. Die Überfahrt wird mir wohl zeitlebens in Erinnerung bleiben: mit Rettungswesten und wasserdichten Seesäcken ausgerüstet, hockten wir tief am Boden des Schlauchbootes. Und dann ging es los! Mit Vollgas und einem quietschendem Aufschrei schossen wir - wie mit einem Space-Shuttle - über die Fluten meterweit bis auf den Strand! Welch eine Beschleunigung, was für ein Adrenalinstoß - oh what a thrill!

Unser Bordleben veränderte sich; ganz von selbst vollzog sich ein Anpassungsprozess mit der Natur. Wir fühlten uns genau so ÜPPIG, SATT und TRÄGE; auf angenehme Weise. Wilde Bord-Parties blieben aus. Wieviel überwältigender ist es da, wenn man/Frau in stockfinsterer Nacht - also gegen 20 Uhr - vorn im Netz liegt und DIESEN Sternenhimmel bewundert!

Alles spricht sich rum...
DER kulinarischer Höhepunkt dieses Seychellen-Törns war ein Red Snapper, der unseren Gaumen allesamt in Verzückung versetzte. Eine original kreolische Mama mit riesigen Kulleraugen und einem strahlenden Lachen im Gesicht hatte ihn gekonnt zubereitet und voller Stolz serviert. Unsere "Jungs" hatten dieses urwüchsige Lokal entdeckt und uns damit einen grandiosen Crew-Abend beschert.

Erwähnenswert finde ich an dieser Stelle auch die besondere Form der Nachrichtenübermittlung. Diese war - ohne Radio und Handy - erstaunlich effektiv und aktuell. So erfuhren wir beizeiten, dass ein armer Tropf die Unterhosen und T-Shirts seiner Kumpels tragen musste, weil sein Gepäck verloren ging. Dass bei dem einen oder anderen Kat der Kühlschrank defekt war, eine Schiffsschraube verloren ging oder gar ein Motor ausfiel. Wie dies möglich war? Wir hatten Besuchsschwimmer an Bord in Gestalt von Bernadette und Paul Jansing. Oder wir trafen im "einsamen" Hafen von La Digue auf das Boot von Uli Westermann & Co.

Und jetzt schwärme ich euch noch was vor vom tollen tropischen Regenwald "Vallée de Mai". Reich an Licht, Gerüchen, die ganze grüne Farbpalette, Palmen so hoch wie der Kölner Dom (oder zumindest fast so hoch…). Eine besondere Rarität ist hier die Meereskokosnuss (Coco de Mer). Irgendwie ist die zum schmunzeln, denn - ganz ehrlich - sie sieht komplett aus wie ein prachtvoll gerundeter Frauenpoppes.

Das beste am Schluss: LA DIGUE, der berühmte Baccardi-Strand mit Krummpalmen, die bis ins Meer ragen. Als ich diesen märchenhaften Strand mit den einzigartigen Granitfelsen wahrnahm und auf das türkise Meer blickte, ist es mir durchgegangen. Ich gestehe, es gab kein Halten mehr; ich musste mir die Klamotten vom Leib reißen, am Meeressaum entlang rennen und jauchzend herumtanzen. Hat möglicherweise etwas bescheuert ausgesehen - aber nur möglicherweise….:-)

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Ein Sonnenuntergang, eine besonders farbenprächtige Ausgabe davon, versetzte uns regelrecht in einen Rausch. Das war das perfekte Abschiedsgeschenk, das die ganze Crew bei einem Cocktail zu genießen wusste. Seht euch das Foto an. Ich versichere euch, es ist alles echt!

Die Fotos vom Törn schaue ich mir immer wieder gerne an. Da werden so schöne Erinnerungen wach. Ich denk gerne zurück an ein harmonisches Bordleben, ich erlebe praktisch wieder "ein blaues Wunder" und ob ich will oder nicht, es erfasst mich wieder der besondere Zauber der Seychellen.

Marlene Mehl

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