SKS-Törn rund Rügen 2009
Klick mich

Schlaflos über die Bodden von Rügen

Als wir am Samstag, den 5.September 2009 nach 9 stündiger Autofahrt Rügen erreichen, zeigt sich die Ostsee-Insel nicht von ihrer besten (Wetter-) Seite. Der Himmel ist tiefschwarz und strömender Regen auf der neuen Strelasundbrücke lässt nicht so recht Freude auf die folgende Segelwoche mit anschließender SKS-Prüfung aufkommen. Ein kleiner heller Streifen am Himmel lässt uns hoffen und je näher wir unserer Charterbase in Breege im Norden Rügens kommen, desto besser und sonniger wird das Wetter.

Unsere Crew trifft sich zum ersten mal vor unserem Schiff, der "Milonga". Mit an Bord sind Rolf, unser Skipper, Doro und Helga, unsere guten (und fleißigen) Feen und wir drei "Auszubildende" Paul, Michael und Rainer.

Ein erstes in Augenschein nehmen des Schiffes und dann zum Großeinkauf der Vorräte für die Reise waren die Haupt-Tätigkeiten für den ersten Tag. Das Abendessen nehmen wir im zugigen "Hafengrill" ein, der wegen des starken Windes schon mal die Seitenwände abgebaut hat, damit das ganze Zelt nicht fortfliegt.

Rolf ist zur üblichen Skipperbesprechung von Bord und wir schrecken plötzlich hoch, als ein ohrenbetäubender Lärm aus Richtung Kartentisch kommt: Ein Schiff in Not in unserer Nähe - Feuer an Bord. Die Wettermeldungen für den nächsten Tag sprechen von Böen bis 9 bft, ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Nach einem Absacker geht's in die von Wind geschaukelten Kojen, wir wollen ja fit sein für unseren ersten Segeltag.

Von Breege nach Lohme

Klick mich

07:45, Funkkanal 66: das Wetter für den ersten Seetag scheppert frühmorgens aus unserem Funkgerät (die Lautstärke lässt sich leider nur digital regeln: es geht nur stumm oder volle Lautstärke) . "Delta Papa 07" redet von 5 bis 6 Windstärken, in Böen mehr, bis zu 2 Meter hohen Wellen und Regenschauern. Also ideales Wetter zum Üben.

Nach dem Frühstück machen wir das Schiff klar zum Auslaufen. Der Skipper lässt keinen Zweifel daran, dass er während der ganzen Woche weder die Motorsteuerung noch das Ruder anfassen wird. Schließlich sollen WIR was lernen.

Wir motoren zunächst 1,5 Stunden durch ein enges Fahrwasser, bis wir dann endlich die Segel setzen können. Zwischen Hiddensee und Rügen ist das Wetter noch ziemlich ruhig. Als wir die nördliche Landspitze von Hiddensee backbord querab haben, nehmen Wind und Wellen deutlich zu. Um Kap Arcona bekommen wir bei Vorwindkurs und achterlich anrollenden Wellen vorgeführt, dass "Milonga" die Bezeichnung für einen südamerikanischen Tanz ist.

In Glowe machen wir einen Zwischenstopp und Rolf besorgt Kuchen (was für ein Skipper ;-)). Kaffee ist schnell gekocht, und wir haben unser perfektes Kaffee-Kränzchen an Bord.

Der letzte Schlag geht nach Lohme, wo wir uns mit den anderen Crews treffen wollen. Die Einfahrt in den Hafen gestaltet sich wegen der hohen Wellen und des seitlichen Windes schwierig. Um in die enge, von Steinwällen flankierte Hafeneinfahrt zu kommen, muss Rolf mal kurz den Gashebel "auf den Tisch legen". Im Hafen ist es dann ganz ruhig, und wir können das spätere Abendessen so richtig genießen.

Von Lohme über Sasnitz nach Port Gager

Nach einer ruhigen Nacht setzen wir Segel Richtung Sasnitz. Das Wetter und die See sind gegenüber dem Vortag eher ruhig.

Klick mich

Mit gemütlichem Halbwindkurs geht es an die imposanten Rügener Kreidefelsen vorbei. Als wir um die "Huk" herum waren und Kurs Süd (Sasnitz) anliegen hatten, strahlte die Sonne die Kreidefelsen an und ließ sie in ein perlmutfarbenes Weiß erleuchten.

Was wollten wir in Sasnitz? Natürlich: Kaffee, Kuchen, Hafen gucken, an und ablegen üben. Rolf weiß wie er seine Crew bei Laune hält.

Um ca. 18 Uhr ging es dann wieder raus, quer durch die Prorer Wiek, wo wir beiliegend kochten und unser Mahl genossen. Mittlerweile war es dunkel und ein leichter Wind drückte uns sanft durch die mit Mondlicht illuminierte Ostsee Richtung Anfahrtonnen Greifswalder Bodden (traumhaft).

Wer die Bodden kennt, weiß: bleibe im Tonnenstrich sonst fehlt dir irgendwann die Handbreit............. besonders in der Nacht.

Diese Nachtfahrt war die erste große Herausforderung für unseren Navigator Rainer und Steuerfrau Helga. Konzentration für die ganze Crew, von Müdigkeit keine Spur, hatten wir gar keine Zeit zu. Als Zückerchen erwartete uns noch die unbeleuchtete Betonnung der Zufahrt nach Port Gager.

Wie müssen sich in früheren Zeiten die Entdecker, die ohne moderne Navigationsinstrumente, Seekarten und Handscheinwerfer auskommen mussten gefühlt haben? Na klar, ungefähr so wie wir!!

Um 03:00 (drei Uhr morgens) hatten wir Milonga in Port Gager mit Heck am Steg und Bug an einer Tonne sicher vertäut, der Absacker hatte narkotisierende Wirkung, so das wir müde und zufrieden in die Kojen fielen.

Von Port Gager nach Greifswald

Nachdem wir am nächsten Morgen von den Crews der anderen Boote mit den Worten "Wie auch schon da" begrüßt wurden, gab es erst mal ein ausgedehntes Frühstück. Die Müdigkeit steckte uns noch in den Knochen, aber der Skipper kannte keine Gnade. Es ging unter Motor raus auf den Greifswalder Bodden zum Manövertraining. Das Wetter war einfach zu gut, Sonne, Wind 1-2, ob Wende oder Halse alles kein Problem, sogar der Fender beim MOB kam schon fast alleine wieder an Bord. Die Gedanken unseres Skippers konnte man ihm förmlich vom Gesicht ablesen: "Das läuft zu gut, hoffentlich gibt es bald etwas anspruchsvolleres Wetter und das wenn möglich noch vor der Prüfung!"

Klick mich

Wir nahmen dann Kurs auf Greifswald und vertrieben uns die Wartezeit vor der Brücke - nein nicht mit Kuchen- mit einem dicken Eis. Abwechslung muss schließlich sein!

Wir hatten uns vorgenommen heute mal nicht, wie sonst immer, die letzten im Hafen zu sein, machten noch eine kurze Hafenrundfahrt bis zum Museumshafen und begaben uns dann auf die Suche nach einer freien Box. Nicht nur, dass wir dabei feststellen mussten, das wir wieder nicht die Ersten im Hafen waren ( das Fun-Boot von Dirk Bilstein und Crew war mal wieder schneller) auch die enge ganz vorne am Steg gelegene freie Box war eine Herausforderung die uns die Schweißperlen auf die Stirn trieb und wir hatten uns das Bierchen dann doch noch verdient! Leider musste Helga uns in Greifswald verlassen und wir gönnten uns zum Abschied ein gutes Abendessen beim "Alten Fritz".

Von Greifswald nach Stralsund ( 20 Stunden-Törn mit "Zückerchen")

Heute sollte es von Greifswald über Lauterbach nach Stralsund gehen. Ebenfalls auf dem Programm stand die Besichtigung der Vilm Werft in Lauterbach, die für den Nachmittag geplant war.

Auf dem Weg nach Lauterbach gab es wieder Manöver, Manöver, Manöver...! Der Wind war immer noch recht freundlich, mit 2-3 Bft. ging es vorbei an der Insel Vilm zum Stadthafen von Lauterbach. Da Peter noch nicht eingetroffen war, hatten wir Zeit -ihr ahnt es schon- für Kaffee und Kuchen, diesmal auf der Hafenpromenade. Anschließend machten wir uns gemeinsam mit Peter und seiner Crew auf zur Werft-Besichtigung. Leider konnten wir nur das Außengelände und die Schiffe am Steg besichtigen. Wieder zurück an Bord sorgten wir für ein bisschen Hafenkino! Unter den neugierigen Blicken einiger "erfahrener Segler" hieß es dann bis ca. 20.00h anlegen, ablegen, vorwärts, rückwärts, rein in die Box, raus aus der Box....! Bevor wir auch nur ans Abendessen denken konnten, gab es noch eine kleine Zugabe, vor dem Hafen Boje über Bord, bis es dunkel war!

Paul kochte uns ein super Mahl und gegen 22.30h waren wir gestärkt und bereit für die Nachtfahrt Richtung Stralsund. Zu Rolfs großer Freude hatte der Wind auf satte 4-5 Bft. aus Süd aufgefrischt. Wir passierten die Ansteuerungstonne Lauterbach und es wurden die Segel gesetzt. Auch dies eine echte Herausforderung und bei Welle, Wind 4-5 Bft. und Dunkelheit lernte man das Schiff erst richtig kennen. An eine gemütliche Nachtfahrt war allerdings nicht zu denken. Auch die Dunkelheit konnte unseren Skipper nicht davon abbringen noch ein wenig zu trainieren. Fahren aller Kurse zum Wind, Wende Halse, mal ging es Richtung Greifswalder Oie, dann wieder Richtung Vilm....! Klasse so eine Nacht mit Wind auf den Greifswalder Bodden, wenn man nicht gerade Navi machen muss. Michael hatte alle Hände voll zu tun, den Zick-Zack-Kurs nachzuplotten. Die Kursänderung Richtung Stralsund gab es dann um 1.30 h , schließlich hatten wir eine Verabredung mit den anderen Crews. Wir wollten alle um 6.00h die Ziegelgrabenbrücke passieren. Die Windrichtung passte und wir kamen im Sund gut voran, zu gut. 5 kn sind erlaubt, wir segelten 7-8 kn, Reffen kam für uns nicht in Frage, dann schon lieber eine "Knöllchen" wegen Geschwindigkeitsüberschreitung! Es gab jede Menge Richtfeuer, Leitfeuer und Tonnen mit und ohne Feuer, einfach toll!

Gegen 5.30 h waren wir kurz vor der Brücke und von den Anderen fehlte jede Spur. Endlich waren wir mal die Ersten!!! Aber wir hatten uns mal wieder zu früh gefreut. Plötzlich sahen wir ein Blinklicht von einem Ankerlieger. Bei einer Wassertiefe von 2m bis nur noch 0,5m näherten wir uns vorsichtig. Es war Peters Boot, die Crew schlief, der Skipper hielt Wache, eben "KSC Skipper" immer auf Sendung! Um 6.00 h passierte die Milonga die Brücke und um 6.30h legten wir in Stralsund an. Nach einer langen aber schönen Nacht, einer heißen Suppe von Maggi und einem Bierchen gingen die meisten von uns in die Koje, selbstverständlich erst, nachdem wir beim Skipper noch die Brötchen fürs Frühstück bestellt hatten, der hatte nämlich so gar keine Lust, sich in seine Koje zu verkriechen.

Von Stralsund nach Hiddensee, Langer Ort

Heute stand erst mal ein wenig Erholung auf dem Programm. Nach einem guten Frühstück (so gegen 10.00h) machten wir erst mal einen Stadtbummel, bevor es dann gegen 14.00h mit dem Hafentraining weiter ging. Anschließend im Fahrwasser vor Stralsund Wende, Halse und MOB. Irgendwie steckte uns aber die letzte Nacht noch in den Knochen, da wurde die MOB Taste über Bord geworfen und die Rettungsmittel gedrückt und zum Entsetzen unseres Skippers liefen die Manöver nicht wirklich wie sie sollten! Aber wie sagt man doch immer: "Geht die Generalprobe schief, klappt es bei der Premiere!"

Von Hiddensee nach Breege zur Prüfung

Klick mich

Den letzten Tag wollten wir ruhig angehen lassen. Nach dem Frühstück ging Doro einkaufen und da es noch zu früh für Kaffee und Kuchen war, beschlossen wir uns die Zeit noch mit ein paar An- und Ableger zu vertreiben. Aber da hatten wir die Rechnung ohne den Hafenmeister von Langer Ort gemacht. Wütend und mit wüsten Beschimpfungen wurden wir aus dem Hafen geworfen. Nach zähen Verhandlungen war er immerhin so großzügig und erlaubte uns noch auf Doro zu warten, sie an Bord zu nehmen und dann sollten wir aber schnellstens verschwinden. Nach diesem unschönen Erlebnis machten wir uns auf nach Breege.

Um 15.00 h liefen wir zur Prüfung aus. Nervös warteten wir darauf, das der Prüfer zu uns an Bord kam. Nachdem wir dann 1 ½ Stunden auf ihn gewartet hatten, konnte es endlich losgehen. Es klappte alles im ersten Anlauf ( so ein Nachttörn macht schon fit) und nach bestandener Prüfung liefen wir wieder in den Hafen ein. Dort wurde dann der letzte Anleger getrunken und bei bester Stimmung ging es dann zum gemeinsamen Abendessen mit den anderen Crews. Das wir noch bis in den Morgen gefeiert haben, versteht sich ja von selbst.

Abreisetag

Tanken, schnelles Frühstück, Boot ausräumen und dann ab nach Hause.

Schade ein super Törn ist schon wieder vorbei!!!!!

An dieser Stelle möchten wir uns noch mal ganz herzlich bei Allen bedanken, die diesen SKS-Törn Rund Rügen ermöglicht haben.

Crew und Skipper der "Milonga" SKS Törn 2009

Bericht von .

 

Impressionen
Wir haben an dieser Stelle ein paar Bilder von Rügen und Hiddensee veröffentlicht. Zum Vergrößern einfach auf das Foto klicken.
 
 Klick mich
Update: