Mastbruch
Wie war das noch mit dem Mastbruch der Filou im Jahr 2005???

Wir kommen Samstag Nacht nach 4 Wochen Segeln in Spanien zurück. Sitzen am Sonntag bei Sonnenschein auf der Terrasse und trinken ein Glas Sekt auf unseren wunderschönen Urlaub - da geht das Telefon: "Die Filou liegt entmastet in Ballebro (Ostsee)!! Die Crew fährt unter Motor zurück zum Ausgangshafen Gelting-Mole, schleppt den Mast angezurrt nebenher. Was tun???". Die Realität hat uns wieder!

Rainer vertelefoniert den Sonntag mit den umliegenden Häfen, wo es einen Mastenkran zum Bergen des Mastes und eine Werft geben könnte. Kommt zu dem Schluss: Das Boot muß zurück und zwar so bald wie möglich. Nach Überlegungen bezüglich Fähigkeit, der möglichen Verfügbarkeit und dem Alphabeth der Telefonliste ruft er als erstes bei Erwin Beilstein an. Und landet sofort den Volltreffer.

"Ich rufe zurück!" war der Bescheid. Der Rückruf kam nur eine halbe Stunde später. Da Christel wegen privater Verpflichtungen nicht mit fahren konnte, hatte Erwin in kürzester Zeit eine Crew organisiert, bestehend aus Helga Prenger, Annegret Wittler und Walter Plum. Außerdem eine Aushilfe für Christel, da diese die Crew nach Gelting-Mole bringen würde. Abfahrt am Mittwoch Morgen. Flexibilität und Organisationsvermögen sind eben alles!!

Und nun der Bericht der Überführung von Anne Wittler:

31. August, Mittwoch
Spontan finden sich 4 Unerschrockene: Erwin Beilstein, Helga Prenger, Anne Wittler und Walter Plum, um das havarierte, entmastete Clubschiff "Filou" von Gelting Mole (Flensburger Förde) in heimatliche Gefilde zu überführen. Leider kann Christel Beilstein wegen häuslicher Verpflichtungen nicht dabei sein, sie wird lediglich für die strapaziösen Hol- und Bringedienste eingesetzt.

Um 10.00 Uhr steigen Walter und ich zu Erwin und Christel ins Auto und als letztes holen wir Helga Prenger ab. Jetzt noch kurz bei Pempelforts vorbei, wo wir Unterlagen für die Kanäle bekommen und den Zweitschlüssel fürs Schiff. Das mit dem Zweitschlüssel hat dann doch nicht geklappt, den hat Rainer am Schlüsselbund mit zur Arbeit genommen… egal. Rudi soll bis zur unserer Ankunft noch auf dem Schiff sein, wenn nicht, haben wir da ein Problem.
Hinter Münster, fast hätten wir noch eine Stadtbesichtigung erlebt, fahren wir einen Rastplatz an. Erwin belegt einen LKW Parkplatz, der uns den meisten Schatten bietet, aber ein Streckenposten vom BAG, der hier kontrolliert, weist Erwin energisch zurecht: "Weil Sie diesen Parkplatz blockieren, konnte der LKW nicht anhalten!" Erwin, nicht auf den Mund gefallen, antwortet: "Der ist IHRETWEGEN und nicht meinetwegen weitergefahren." Kein Kommentar seitens des Beamten und wir können in aller Ruhe picknicken - aber nicht lange: plötzlich kommt ein Auto mit niederländischem Kennzeichen rückwärts fahrend auf uns zu, ein Mann steigt aus und stellt sich als Vertreter für Kochtöpfe und Messer vor. Gerade heute! ist eine Messe zu Ende gegangen und er hätte noch einige super Schnäppchen für uns - trotz intensiven Bemühens, kann er keine Geschäfte mit uns machen und fährt wieder von dannen.

Kurz danach erscheint ein Pfandsammler (Diese Spezies durchforstet Mülltonnen nach Plastikflaschen und Aludosen), der uns zu unserer Standhaftigkeit gegenüber des alltäglich wiederkehrenden Sonderangebotes beglückwünscht. Nach dieser unterhaltsamen Pause setzten wir um 13.15 Uhr unsere Reise Richtung Norden fort.

Um 17.15 erreichen wir Gelting, wo Helga und ich aussteigen um im EDEKA für die nächsten 8-10 Tage einzukaufen, denn wahrscheinlich können wir unterwegs keine Lebensmittel bekommen. In der Zwischenzeit fahren die anderen zum Hafen und laden das Gepäck aufs Schiff. Rudi war schon fort, aber das Schiff ist offen. Christel holt uns und 3 Einkaufswagen mit Lebensmittel und Bier nach 1 Stunde ab.

Die Filou sieht ohne Mast sehr traurig aus, auch die Reling an backbord und steuerbord ist ramponiert - unser Clubschiff hat einiges erlebt!
Christel fährt heim, Erwin und Walter befestigen den Großbaum so an Deck, dass wir uns bewegen können, was unsicher genug ist, da die Wanten zum festhalten fehlen. Auch der ungünstig an der Reling befestigte Außenborder wird auf das Deck geschnallt, damit wir ihn nicht in einer Schleuse verlieren. Helga und ich verstauen die Lebensmittel und schieben eine Lasagne in den Ofen, die wir um 21.00 Uhr mit Appetit verspeisen. Früh gehen wir ins Bett, nur Erwin wacht noch bis 2.00 Uhr, da Christel erst um diese Zeit zu Hause ist und sich melden kann.

01.09.05 Donnerstag
Ein wunderschöner Morgen mit herrlichem Sonnenschein und dazu ein leckeres Frühstück - wir sind mehr als zufrieden. Da das Logbuch an Bord fehlt (wurde von der vorherigen Crew mitgenommen), wollen wir vor dem Ablegen am Hafenkiosk einen Schreibblock als Logbuchersatz kaufen, aber hier gibt es nicht eine Seite unbedrucktes Papier.
10.15 Uhr legen wir ab. Ohne Mast stimmt der Trimm des Schiffes nicht und die Filou nimmt eine wackelige Fahrt durch die bewegte See auf - das kann ja heiter werden - und das wird es auch. Zuerst verlieren wir zur unserer Unterhaltung einen Fender, können ihn aber erfolgreich wieder bergen.

Um 11.00 Uhr haben wir den Leuchtturm Falshöft querab. Ab jetzt sorgen die Naturgewalten für unsere Zerstreuung. 2-3 m hohe Welle, 5-6 BF gegen an. Die Welle hebt unser Schiff in den blauen Himmel, lässt es jedoch wieder fallen und die Filou knallt wie ein Stein auf das Wasser. Als Ausgleich rauscht jede 5. oder 6. Welle ins Cockpit und verpasst uns eine zweite morgendliche Dusche. Erst als wir unseren Kurs korrigieren können, nun die Welle anschneiden, wird es etwas erträglicher. Für mich ist aber alles zu spät, die Seekrankheit hat mich in ihren Fängen.

Je näher wir der Kieler Förde kommen, um so ruhiger wird die See. Um 17.00 erreichen wir die Kieler Förde, und nach einem
kleinen Nickerchen bin auch ich wieder topfit. Jeder von uns ist sicherlich sehr froh, diese ruppige Reise hinter sich gebracht zu haben, der Gedanke, in welche Situation wir geraten wären, wenn der Motor ausgefallen wäre, hat jeden von uns beunruhigt.

Erwin zeigt uns den Kieler Hafen. Nacheinander fahren wir an mehreren Yachtclubs vorbei, an backbord lag ein U-boot auf der Werft, und die Stenaline Fähre füllte ihren unersättlichen Bauch, Segler und Ruderer kreuzten unseren Kurs und am Kai rundeten leicht bekleidete Sonnenanbeter das sommerliche Bild ab. Am Bahnhofsvorplatz wenden wir und machen um 18.00 Uhr im Yachtclub Düsterhoff fest. Den heutigen Anleger haben wir mehr als verdient. Das Abendprogramm fällt aus, wir sind sehr müde und gehen früh ins Bett.
Übrigens: ein Logbuch können wir doch führen, ich habe ein paar Seiten unbedrucktes Papier gefunden.

02.09.05 Freitag
Bereits um 7.00 Uhr gehen Helga und ich zum Duschen, meilenweit, denn wir dürfen nur ein außerhalb des Clubgelände liegendes Waschhäuschen aufsuchen.
Eine saubere Crew sitzt um 8.00 Uhr bei Eier und Speck am Frühstückstisch. Um den weiteren Verlauf des Überführungstörns nicht zu gefährden, widmet sich Erwin der Bordtoilette. Diese spült nur mit sehr wenig Wasser. Er tauscht eine falsch eingesetzte Membran des Rückschlagventils für die Wasserzuleitung und setzt den Steuerkopf der Pumpe richtig zusammen - jetzt klappt´s auch mit dem Bordklo.

Um 10.00 Uhr legen wir ab und nehmen Kurs auf die Schleuse Kiel Holtenau, im Vorhafen geht Erwin von Bord, um Öl zu kaufen, er will einen Ölwechsel vornehmen, um den Motor auf die Strapazen der nächsten Tage einzustimmen. Leider kommt er unverrichteter Dinge wieder an Bord, nur "Pött un Pann" waren im Angebot der Schiffsausrüster. Weißes Licht an der Schleuse erlaubt uns die Einfahrt in die Schleusenkammer, wo wir an seitlich angebrachten glitschigen Schwimmstegen das Schiff festmachen können. Erwin klettert die Schleusenwand hoch um oben beim Schleusenwärter unsere Passage durch den NOK zu bezahlen. Mit 18 € sind wir dabei.

Nord-Ostsee-Kanal, früher Kaiser-Wilhelm-Kanal, Seekanal zwischen der Kieler Förde bei Kiel Holtenau und der Elbebucht Nordsee bei Brunsbüttel, 98,7 km lang Breite 102m-162m. Erbaut 1887-1895 Eröffnet am 21.06.1895.
Um 11.00 Uhr beginnt unsere Reise auf dem NOK bei Kilometerstein 98. Laut SeeSchStrO darf dieser Kanal nur zu Durchfahrtszwecken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und nicht bei verminderter Sicht benutzt werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 15 km/h über Grund. Im Fahrwasser müssen wir so weit wie möglich rechts fahren. Während unserer Fahrt durch den NOK sehen wir an den Weichensignalmasten nie 3 rote unterbrochene Lichter übereinander, denn dieses Stopp-Zeichen hätte unsere Fahrt sofort unterbrochen.

Die Ufer dieser Wasserstraße sind hauptsächlich mit hohen Sträuchern oder Bäumen bewachsen, an jeder Uferseite sind Radwege. Ortschaften sahen wir auf diesen knapp 100 km, außer Rendsburg, nicht. Meistens schauen wir auf eine grüne "Mauer" und sehen nichts von der dahinter liegenden Landschaft. Alle 6-8 km ist eine Wendestelle für die Berufsschifffahrt angelegt. Rendsburg passieren wir um 13.30 Uhr und die Schwebefähre erreichen wir um 14.00 Uhr. Dieses Bauwerk erinnert mich sogleich an die Schwebebahn von Wuppertal. Interessant sind vor allem die aufwändigen Verstrebungen, denn der Transportbehälter darf sich natürlich nicht verdrehen. Sobald wir die Fähre hinter uns haben, nimmt diese ihren Pendelverkehr wieder auf und gleichzeitig rattert ein Zug über uns hinweg.

Transportbehälter darf sich natürlich nicht verdrehen. Sobald wir die Fähre hinter uns haben, nimmt diese ihren Pendelverkehr wieder auf und gleichzeitig rattert ein Zug über uns hinweg.
Mittlerweile scheint die Sonne, der Sommer ist noch einmal zurückgekommen. Kurz hinter der Fähre erreichen wir einen Kai mit Tankstelle!! Endlich kann Erwin sein lang ersehntes Motoröl kaufen. Hier an der Anlegestelle lagert wildes buntes, dem Alkohol reichlich zugesprochenes Volk, das uns von hier wieder vertreiben will, da ein Raddampfer für eine Ausflugsfahrt erwartet wird.

Erwin redet beruhigend auf den Anführer ein und handelt ein paar Minuten Liegezeit aus, die für den erfolgreichen Einkauf ausreicht. Als wir ablegen, kommt uns das Ausflugsschiff auch schon entgegen.
Im warmen Sonnenschein legen wir Kilometer um Kilometer zurück. Bei gemütlichem Kaffeetrinken beobachten wir das Kanal-Leben. Radfahrer die uns entgegen kommen oder eine Zeit lang mit uns fahren, Sparziergänger, alte und junge Leute auf Bänken sitzend, Jogger und immer wieder Nordic-Walker.

Erwin repariert derweil die Befestigung der Spritzkappe und verschiedene defekte Scharniere. Auf der Suche nach Werkzeug fällt ihm ein Beutel gewaschener Socken und Unterwäsche in die Hände. Die Hauptlast des Steuerns liegt bei unserem blinden Passagier, dem Autopiloten. Der Rudergänger hat nur den Biegungen des Kanals Rechnung zu tragen, und Plus oder Minus Grade einzutippen. Aber trotzdem muss genau aufgepasst werden, denn urplötzlich dreht die Filou nach steuerbord oder backbord, wenn zum Beispiel Kabel unter dem Kanal liegen, oder eine Stahlbrücke für entsprechende Kompassablenkung sorgt. Auch Begegnungen mit der Berufsschifffahrt erfordern erhöhte Konzentration.

Ein Segler zeigt bei seinem Überholvorhaben ein höchst flegelhaftes Verhalten, gerade als uns ein Berufsschiff entgegenkommt, muss er an uns vorbei ziehen, um dann direkt vor uns wieder auf die rechte Fahrbahn zu wechseln. Walter muss abstoppen um eine Kollision abzuwenden.
Um 19.00 Uhr machen wir im Sporthafen von Brunsbüttel direkt neben der Schleuse fest. Der Hafenmeister besucht uns und erzählt von der Schleuse, in der vier 150 m lange Schiffe gleichzeitig zur Nordsee hinabgeschleust werden können. Außerdem sagt er für morgen sonniges Wetter mit Wind aus Ost 3-4 Bf und Niedrigwasser für 9.18 Uhr und auflaufendes Wasser für 10.18 Uhr voraus. Gute Zeiten!

Wir essen Piccata Milanese , Spaghetti und Tomatensoße. "Inge" steht gerade und serviert. Nach dem Abendessen schlendern wir durch Rendsburgs City, wo Erwin statt der erwarteten Schiffsausrüster nur noch Kebab Buden vorfindet.

03.09.05 Sonnabend
Die Sonne lockte uns bereits um 7.00 Uhr aus unseren Kojen. Während Erwin den Ölwechsel
zelebriert, ergänzen Walter und ich unseren Bier und Obst Vorrat. Um 9.20 Uhr legen wir ab und bereits eine ¾ Std. später liegt die Seeschleuse Brunsbüttel hinter uns. Neben dem gewaltigen Container Schiff kamen wir uns in der Schleuse schon sehr klein vor.

Anfangs haben wir auf der Elbe noch den Strom gegenan. Sollte uns der Hafenmeister von Brunsbüttel Märchen erzählt haben? Walter bemüht das Universum um Hilfe und bestellt mitlaufenden Strom! Mit Erfolg: 1 Std. später messen wir 7,2 KN am Log aber 7,9 KN ÜBER GRUND.

Um 12.00 Uhr passieren wir Tonne 83. Rainer Pempelfort ruft an und dirigiert uns zum "Willkomm Höft", wo eine WEB-CAM Bilder von ankommenden Schiffen ins Internet stellt.
Um 14.15 Uhr fahren wir, geführt von Regieanweisungen übers Handy, vor der Aussichtsterrasse in Hamburg Wedel auf und ab. Ins heimatliche Wohnzimmer kommen wir aber nur im Miniformat.

Die Fahrt geht nach diesem Abenteuer schnell voran. Wir nähern uns der Stadt und durchqueren Felder mit Freizeitseglern, die das schöne Wetter ausnützen. Der Container Hafen kommt in Sicht und der Barkassenverkehr nimmt zu, im gleichen Maße auch unsere Schiffsbewegungen. In Höhe Blankenese bestaunen wir die hochherrschaftlichen Villen mit ihren attraktiven Grundstücken. Uns
fiel der geringe Berufsschiffsverkehr auf, wahrscheinlich wird am Wochenende nur in bestimmten Fällen die Ladung gelöscht.

Nachdem wir die Landungsbrücken passiert haben, suchen wir den City Hafen. Mangels Kartenmaterial müssen wir uns sorgfältig vortasten. Aber da sind auch schon die gesuchten Masten. Um 15.40 Uhr erreichen wir den überfüllten City Hafen von Hamburg, wo uns direkt in der Einfahrt ein startendes Wasserflugzeug entgegen kommt. Unter den neugierigen Blicken der Kaffee trinkenden Touristen auf einem als Restaurant umgebauten Feuerschiff legen wir lautlos und perfekt an einem Motorschiff an.
Hier sind wir wirklich mitten in der Stadt. Zu Helgas Freude, sie muss leider morgen abmustern, haben wir eine U-Bahn Station in unmittelbarer Nähe.

Unterwegs erfuhren wir unseren endgültigen Bestimmungshafen: Workum. Die fehlenden Seekarten hat Detlef Hänel an seinen Kollegen in Hamburg geschickt. Wir nehmen Kontakt zu dem Boten auf, und während wir auf die Sendung warten, ruhen wir uns aus.

Um 18.00 Uhr erscheint der Überbringer und Erwin packt sofort erwartungsvoll das Paket aus. Dann die Enttäuschung - wir können die Nordseeküste rauf und runter fahren von Den Helder bis zur Osterschelde, nur die Karten, die wir brauchen, sind nicht dabei - schade eigentlich. Später klärt sich dieses Missgeschick auf. Detlef hatte 2 Pakete geschickt, das kleinere mit den Karten für die Binnenschifffahrtsstraßen ist leider erst 2 Tage später angekommen, obwohl er beide gleichzeitig abschickt hat. Pech!!
Nach dem Abendessen folgt das Abendprogramm. Besuch der Schiffsausrüster, Landungsbrücken und Fahrt hinunter zum alten Elb-tunnel. Immer noch kann man sein Auto in den Aufzug fahren und wird mit seinem Fahrzeug 23,5 m nach unten befördert. Heute aber werden nur Radfahrer und Fußgänger transportiert.

Ein Besuch der Reeperbahn, vorbei an der Davidswache, der Herbertstraße und der großen Freiheit Nr. 7 gibt uns einen Eindruck vom Hamburger Nachtleben.

04.09.05 Sonntag
Mein Wecker hat mich enttäuscht. Erst um 6.00 Uhr stehen wir auf, schnell in die Kleidung und ohne Frühstück gehen wir in der Morgendämmerung zum legendären Hamburger Fischmarkt. Die ersten 100 m sind noch enttäuschend, sie sehen aus wie jeder Flohmarkt in jeder beliebigen Stadt.

Endlich beginnen die Fischstände, aber die Händler müssen sich noch warm reden. Noch springt der Funke nicht über und die Geschäfte verlaufen sehr schleppend. Nach den Fischen kommen das Gemüse, dann das Obst und zuletzt die Blumen. Zwischendurch wird viel Überflüssiges für die Kauflustigen angeboten.

Leckere Brötchen und heißer Kaffee stärken uns für die nächsten Stunden. Mittlerweile sind die Gänge voller Menschen, die sich bepackt mit Tüten und Körben voran schieben. Wir besuchen kurz die alten Fischhallen, wo für 18,50 € bzw. 20.00 € ein Gala-Frühstück bei Life Musik angeboten wird.

Die angeblichen Schnäppchen in Form von Taschen oder Körben voller Nudeln, Wurst, Käse, Süßigkeiten oder Gemüse erreichen uns nicht, wir kaufen Obst und Gemüse in kleinen Mengen, eine Kappe für Walter und geräucherten Fisch.

Am Schluss zieht uns ein Zauberer mit seinen unterhaltsamen Kartentricks in den Bann. Auf dem Rückweg zum Schiff schlendern wir an den nun belebten Landungsbrücken vorbei und genießen den Duft der großen weiten Welt.

2 Std. später, nachdem wir die Filou an einen schöneren Platz direkt am Steg verlegt und dem geräucherten Aal gut zugesprochen haben, liegen Helga und ich in der Sonne an Deck während Erwin und Walter in ihren Kojen den versäumten Schlaf nachholen.

Nachmittags müssen wir Helga verabschieden, die bequem mit der U-Bahn zum Bahnhof fahren kann und später erkunden Walter und ich die Hamburger Innenstadt. Elegante Geschäftsstraßen, die imposante Michaeliskirche, die wie ein Theater wirkt, das Ohnesorg-Theater, Rathausplatz und viel Rummel an der Binnenalster. An der Alster entlang gehen wir zurück zum Schiff.

05.09.05 Montag
Den herrlichen Morgen mit Sonnenschein im Hamburger Hafen nutzen Walter und Erwin um Schiffszubehör zu kaufen und ich schlendere durch die Innenstadt.

Um 11:30 Uhr legen wir ab, tanken Wasser und Benzin, bevor wir unsere Fahrt elbaufwärts fortsetzen.

Niedrigwasser! - noch haben wir leichten Strom gegen an. Ein idyllisches Bild zeigt sich am rechten und linken Elbeufer. Familien picknicken am Strand, Sportfischer dümpeln in der Mittagssonne und Sportboote liegen mangels Wasser auf dem Trockenen. Dieser Elbeabschnitt ist eingedeicht und hinter diesem Wall sehen wir viele Ferienhäuser mit eigenem Bootssteg.

Um 16.30 Uhr passieren wir die Schleuse Geesthacht und fahren um 17.50 Uhr in den Elbeseitenkanal ein.

Es eröffnet sich uns ein total anderes Bild. Die Elbe war breit, behäbig, das Ufer unregelmäßig, mal bebaut, mal mehr oder weniger bepflanzt - eben natürlich. Nun beginnt erst das richtige Kanalgefühl. Diese Wasserstraße hat eine regelmäßige grüne Uferböschung, viele Brücken und ist eingebettet in einer flachen Landschaft. Noch sind wir allein unterwegs.

Wir wollen heute auf jeden Fall bis zum Hebewerk in Lüneburg. Das enorme Bauwerk, das wir schon von weitem erkennen, erreichen wir um 18.30 Uhr.

An einer für Sportboote bezeichneten Fläche legen wir an und Walter meldet sich an dem dort angebrachten Fernsprecher. Freudig kommt er zurück: Wir sollen zum Hebewerk vorfahren, allein für uns wird die Maschinerie in Gang gesetzt.

Das Tor öffnet sich, wir fahren in den Trog hinein, wo wir in aller Ruhe die Filou seitlich festmachen können, denn wir werden ja samt dem Wasser, in dem wir schwimmen, hinaufbefördert.
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Innerhalb von 10 Minuten werden wir wie in einer riesigen Badewanne 35 Meter hoch gehoben. Unvorstellbar, ein unbeschreibliches Gefühl.

Direkt hinter der Schleuse im Vorhafen finden wir einen guten Übernachtungsplatz.

06.09.05 Dienstag
Um 8.30 Uhr nehmen wir heute unsere Fahrt wieder auf. Fast schnurgerade liegt der Kanal vor uns. Jogger, Sparziergänger mit und ohne Hund, Radfahrer, Angler, Walker, sind ebenfalls schon aktiv. Wir passieren kleine Sporthäfen, Campingplätze und immer wieder Brücken. Ortschaften sehen wir nur in weiter Ferne.

Um 12.45 Uhr werden wir in Uelzen nochmals 28 m hoch geschleust. Mittagessen, dann ein Kaffee, später Joghurt und Äpfel. So vergeht der Nachmittag.

Kaum Gegenverkehr, nur von einem Motorboot werden wir überholt. Ich habe auf den Kanälen mehr Berufsschiffsverkehr erwartet.

Endlich, um 17.40 Uhr fahren wir in den stärker belebten Mittellandkanal ein. Die Ufer sind hier anders als im NOK, höher bewachsen, aber an die Radfahrer, Jogger und Spaziergänger ist auch hier gedacht.

Ab Kilometerstein 202 verlässt uns kurzzeitig das Glück, wir haben einen Schubverband mit max. 5,0 KN Geschwindigkeit vor uns und können ihn wegen des Gegenverkehrs nicht überholen.


07.09.05 Mittwoch
Schreck in der Morgenstunde: Das Gas ist aus! Kein Problem eine Ersatzflasche ist an Bord. 7.30 Uhr, ich bereite das Frühstück und Erwin und Walter legen ab. Abends wollen wir in Lübbecke übernachten. Die große Frage: Wann erreichen wir den Hafen? Dort will uns mein Bruder mit seiner Familie besuchen. Er lebt in der Nähe, in Rödinghausen, und kann bei einem Besuch unseren Biervorrat auffüllen. Somit ist diese Verabredung in mehrfacher Hinsicht interessant.

Der Zeitplan steht und fällt mit der Passage durch die Schleuse "Anderten".
Als wir vom Seitenkanal wieder auf den MLK wechseln, sehen wir, dass auch "Hank" mit seinem 160 m langen Schubverband bereits unterwegs ist. Wahrscheinlich wird uns die nächste Schleuse wieder vereinen.

Bei Kilometerstein 213 beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Der Lübbecker Hafen liegt bei 80,2.

Wie erwartet stehen wir um 11.15 Uhr zusammen mit "Hank" und 2 weiteren Berufsschiffen vor der Schleuse. Die Schleuse Anderten verfügt über 2 Kammern. Die rechte zeigt 2x Rot übereinander während die linke mit 2x rot nebeneinander eine grundsätzliche Bereitschaft zum Schleusen signalisiert. Die Schleusenkammer ist mit einer Größe von 12x217 m groß genug für Hank und uns, aber zu klein um noch ein weiteres Berufsschiff aufzunehmen. Die große Chance für uns, die Schleuse schnell hinter uns zu lassen. Wir drehen einen Kringel nach dem anderen, aber es passiert nichts. Wie sollen wir uns verhalten? Hank fragt für uns über Funk bei dem Schleusenwärter nach mit dem Ergebnis, dass wir am ersten Lautsprecher des Sportbootstegs vor der Schleuse festmachen sollen um dort auf seine weitere Anweisungen zu warten. Endlich, kurz nach 12.00 Uhr, das Schleusentor öffnet sich, 2 Berufsschiffe fahren heraus und über Lautsprecher bekommen wir die Erlaubnis, hinter Hank in die Schleusenkammer einzufahren. 14,7 m werden wir hinuntergeschleust, um 12.30 liegt die Schleuse hinter uns und unser Zeitplan auch.

Erwin gibt Gas, überholt zunächst Hank und kurz darauf die Shanty, ein Motorsportboot aus Köln. In Hannover, KM-159,2 tanken wir um 13.30 Uhr Diesel und Wasser. Keine Schleuse mehr bis Lübbecke. Neueste Zeitberechnung durch Walter: 20.30 Uhr Einfahrt in den Hafen Lübbecke.

Ich melde uns bei meiner Schwägerin per Telefon an. Wer uns in Lübbecke erwarten wird ist noch unklar, auf jeden Fall wird Bier geliefert.

17.10 Uhr KM 120, noch 40 Kilometer bis zum Ziel, wir liegen gut in der Zeit. Kinder und Jugendliche nutzen das sommerliche Wetter, schwimmen und springen von den Brücken in den Kanal oder hängen sich, wahrscheinlich als Mutprobe, an die Bordwand der vorbeifahrenden Schiffe.

Erwin liest mangels aktueller Lektüre in der eine Woche alten Tageszeitung und Walter bewacht den Autopiloten. Nach dem Kaffee hat Erwin die Zeitung endlich durch und repariert die Befestigung der Bullaugen.

Wir fahren über die Weser, leider ist das Kanalgeländer so hoch, dass wir von der Weser wenig sehen, aber trotzdem ist es eine besondere Situation. In weiter Ferne sehe ich die Silhouette des Kaiser Wilhelms - meine Heimat einmal auf ganz andere Weise erlebt.

Ein Ruderer nimmt die Verfolgung auf und bleibt einige Zeit in unserem Kielwasser. 7,5 KN, keine schlechte Leistung.

Noch 10 Kilometer, es ist 19:30 Uhr und es wird dämmrig. Wer wird am Ufer sein um uns zu begrüßen? Ich bin sehr gespannt.

Die letzte Biegung, wir können die Hafeneinfahrt sehen und fünf winkende Personen am Ufer. Mein Bruder mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und unserer Mutter bilden das Begrüßungskomitee. Um 20.15 legen wir in dem mit bunten Lämpchen fürs kommende Hafenfest geschmückten Jachthafen an und werden vom Hafenmeister persönlich zum mind. 2,0m tiefen Liegeplatz dirigiert. Kurz darauf liegen wir stabil im Schlick und ich kann meine Verwandtschaft begrüßen, bzw. vorstellen. Nach einer Schiffsbesichtigung, der schwingende Herd findet besonderes Interesse bei meinen fünf und sieben Jahre alten Nichten, und dem Verstauen der 2 Kästen Bier sitzen wir auf der Terrasse des Segelclubs, denn meine 80 Jahre alte Mutter braucht festen Boden unter den Füßen und traut den Schiffsplanken nicht.

08.09.05 Donnerstag
Nach dem Frühstück repariert Erwin die Instrumentenabdeckung der Steuersäule, das Isolierband war ihm seit Tagen ein Dorn im Auge.

Um 10.00 Uhr legen wir ab. Walter wagt eine Voraussage: 16.20 Uhr Einfahrt in den Dortmund-Ems-Kanal. Jetzt, um 10.35 Uhr, sind wir bei Km 77.

Das Bild hat sich wieder einmal gewandelt. Das Ufer ist nicht mehr bewaldet, wir können wie von einem Podest in die Landschaft schauen.

Des Weiteren passieren Wohngebiete, landwirtschaftlich genutzte Bereiche und Be- und Entladestellen für die Berufsschifffahrt. Die spannendsten Momente sind Überholmanöver der min. 80 m langen Berufsschiffe oder der 160 m langen Schubverbände.

Auch heute wieder Sonne pur, nachmittags wird der Kanal wieder zur Badewanne für Groß und Klein.

Um 16.30 Uhr fahren wir in den Dortmund-Ems-Kanal ein, Walter lag mit seiner Berechnung im Toleranzbereich und wird gebührend beglückwünscht.

Vor der ersten der nun folgenden Schleusen haben wir Glück. "Eiltank 5" nimmt uns mit.

Wie Pat und Patachon bilden wir ein Gespann und lassen uns durch die Schleusen Bevergen (17:00 Uhr), Rodde (18:00 Uhr), Altenrheine (18:45 Uhr), Venhaus (20:00 Uhr) immer tiefer sinken und zwischendurch wird gekocht und gegessen.

Plötzlich, Eiltank 5 macht Feierabend und legt hinter der letzten Schleuse an! Was nun - die Dunkelheit kommt und kein Liegeplatz! Im MLK hätten wir im Schleusenvorhafen liegen können, aber hier im DEK werden die Sportbootfahrer stiefmütterlich behandelt. An den weit auseinander liegenden Dalben können wir unsere Filou nicht fest machen und der nächste Sportboothafen ist erst in 15 Kilometer Entfernung und wahrscheinlich nicht tief genug.

Wir drehen 2 Kringel, bis unser Schleusenpartner seine Motoren abgestellt hat und fragen für ein Nachtlager an seiner Seite. Es wird uns freundlich gewährt - bis 7.00 Uhr morgen früh, dann geht die Reise weiter. Beim Bier sitzen wir gemütlich an Deck und genießen die noch warmen Abendstunden.

09.09.05 Freitag
6.30 Uhr Aufstehen! Stark bewölk und leichter Regen - mal ´ne Abwechslung im sonnigen Einerlei. Kurz vor 7.00 Uhr laufen sich die Motoren von "Eiltank 5" warm. Wir lösen uns von unserem nächtlichen Schutzhafen und nehmen erneut die Verfolgung auf, gefrühstückt wird unterwegs. Walter gibt für heute keine Zeitvoraussage ab, zu viele Schleusen.

Um 9.00 Uhr sind bereits 2 Schleusen geschafft. Hesselte (8:20 Uhr), Gleesen (9:00 Uhr). "Eiltank 5" ist sehr stur. Die Schleusenkammern sind 162,5 m lang, der Tanker ist 80 m lang, aber in jede Schleuse fährt er nur soweit hinein, dass wir gerade hineinpassen, und nicht auf dem Drempel hängen bleiben. Nach halbem Schleusengang fährt er ein Stück nach vorn, jetzt ist der Abstand zu seinem Schraubenwasser etwas sicherer.

Lingen, hier trennen sich unsere Wege, "Eiltank 5" hat sein Ziel erreicht, wir fahren ohne unseren Schleusenbruder weiter.

Varloh (11:30 Uhr), wir haben großes Glück oder einen Schleusenwärter mit Herz für die Sportschifffahrt, denn wir werden allein 2,5 m tiefergelegt.

Wodurch kommt der Ausdruck wechselhaftes Wetter? Immer wenn Erwin sein Schlechtwetterzeug gegen normale Kleidung wechselt, fängt es an zu regnen, sobald er in Regenhose am Ruder steht, scheint die Sonne. Aber nach den vielen heißen Sonnentagen ist der heutige vorwiegend bewölkte Tag sehr angenehm.

Ab Schleuse Meppen (13:00 Uhr) bekommen wir Verstärkung. Ein Segler und ein Motorbootfahrer haben den gleichen Kurs. Zu Walters Unzufriedenheit zockeln die beiden langsam hinter uns her, und wir müssen vor jeder Schleuse auf die Nachzügler warten, das ärgert ihn enorm. Am liebsten hätte er, dass sich die Schleusentore vor den gemächlichen Skippern, die bei zu schneller Fahrt ihre aufgespannten Regenschirme verlören, schließen würden.

Auf diese Weise passieren wir die Schleusen Hüntel (14:15 Uhr), Hilter (15:30 Uhr) Düthe (16:40 Uhr), und Bollingerfähr (18:00 Uhr).

Um 18.30 Uhr stehen wir vor der Schleuse Herbrunn, wir können sofort einfahren. "Macht die Tür zu" fordert Walter laut, von unserer Nachhut ist noch nichts zu sehen. Und tatsächlich. Ich kann es kaum glauben. Wir haben gerade unsere Leinen um die Poller gelegt, da beginnt das Abschleusen. Als wir herausfahren, sehen wir warum: zwei Berufsschiffe sind angekommen und wollen heraufgeschleust werden. Glück gehabt.

Um 19:50 machen wir im Schleusenvorhafen von Papenburg fest. Freundlicherweise werden wir vom Hafenmeister zum Behördensteg, der bei der einsetzenden Ebbe noch genug Wassertiefe hat, dirigiert. Walter bedankt sich beim Hafenmeister und fragt nach den Gezeiten für morgen, während Erwin und ich uns ums Schiff kümmern.

Neun Schleusen und 54 Kilometer, eine gute Leistung für den heutigen Tag, wir sind sehr zufrieden und das Bier schmeckt gut.

10.09.05 Sonnabend
Mit ablaufendem Wasser verlassen wir um 8:15 Uhr Papenburg. Hier, wo Walter und ich vor einiger Zeit ein Kreuzfahrtschiff der Meyerwerft beobachten konnten, wie es vorsichtig mit RÜCKWÄRTSFAHRT den Weg zum offenen Meer suchte, fahren wir nun selber entlang. Auf den grünen Deichen grasen die fleißigen Schafe und verdichten während ihrer Nahrungsaufnahme die Wälle, friesischer geht es nicht mehr. Die kleinen, idyllischen Jachthäfen sind nur bei Hochwasser befahrbar, jetzt, bei Ebbe, wirken sie wie ausgestorben.

Mit Rauschefahrt kommen wir voran. Wir messen 7,5 KN am Log und 9,2 KN über Grund. Der Strom hilft enorm. Um 10.15 Uhr liegt das Emssperrwerk bereits hinter uns. Vormittags ist es noch sehr diesig aber trocken, so dass Erwin seine Regenhose heute nicht bemühen muss.

Bei wolkenlosem Himmel passieren wir die Seeschleuse und fahren um 14:30 bei leicht bewölktem Himmel in den Eemskanal. Die Kanalansicht ändert sich in typisch holländisch, friesisch platt. Die Freizeit findet im oder mindestens am Kanal statt. Hübsche Ferienhäuser mit oder ohne Bootssteg.

In Groningen passieren wir die Oostersluis und wir befahren den Princess Margriet Kanal. Vor den Brücken haben wir kaum Wartezeit, entweder wird just in time gedreht, wir können mangels Mast mit abgesenktem Bootshaken durch fahren oder wir müssen auf ein paar Mitsegler warten.

Bei Gaarkeuken erwischt uns noch eine Schleuse unvorbereitet, danach geht die Reise weiter, bis wir um 18.00 Uhr vor einer Brücke in Skulenboach hängen bleiben. Sollte das für heute alles gewesen sein? An der Brücke bewegt sich nichts. Ich fange mit den Vorbereitungen zum Abendbrot an, Walter und Erwin schrubben das Deck. Plötzlich, das Kommando: Leinen los - die Brücke dreht, es kommt ein Berufsschiff. Um 18.30 Uhr sind wir wieder in Fahrt, immer dem "Brückenöffner" hinter her. Die Sonne sinkt ins Wasser und auch wir wollen Feierabend machen. Aber weit und breit kein Hafen. Wir folgen den Lichtern unseres Führers, bis wir in der Ferne eine Ansammlung von Masten sehen. Beim letzten Licht tasten wir uns zum freien Steg direkt an der Tankstelle vor. Wassertiefe 1,70-2,00 m, es reicht und wir liegen fest. Aber wo? Ein belebter Jachthafen, ein Restaurant am Ende des Steges, an dem einige Jugendliche campieren. Walter verlässt die Filou, um diese offene Frage zu lösen. Kurze Zeit später können wir seine Stimme unter den fremden holländischen Lauten heraushören. Zurück an Bord verkündet er: "Wir sind in Grouw." "Hier hat der Club schon einmal Jugendfreizeit veranstaltet" weiß Erwin zu berichten, und bei dem täglichen Anruf von Christel und Rainer können wir unser Etappenziel bekannt geben. In dem Restaurant kann ich einen Prospekt über friesische Ferienziele mit "Tourist Map" bekommen, jetzt haben wir Anhaltspunkte, wie sich unsere weitere Fahrt fortsetzen wird.

11.09.05 Sonntag
Ich stehe um 7.30 Uhr auf, noch ist an Bord alles ruhig - und draußen alles weiß. Nebel!! Daraufhin gehe ich zum Duschen. Zurück an Bord haben Walter und Erwin auch gerade das unsichtige Wetter entdeckt.

Jetzt wird erst einmal gemütlich gefrühstückt, danach betreiben die beiden Männer intensive Körperpflege. Um 11.00 Uhr sieht die Welt schon anders aus. Der Nebel lichtet sich, wir tanken und legen ab.

Rainer zeigt uns über Handy neue Wege auf. Wir können bei KM 77 rechts in den Johan Friso Kanal abbiegen und bei Stavoren ins Ijsselmeer, der Umweg über Lemmer bleibt uns erspart.

Nach einigen Kilometern öffnet sich vor uns das Sneeker Meer, ein Seglerparadies. Wir bleiben in der Fahrrinne, denn Yachten über 1,2m Tiefgang bleiben in diesem Gewässer oft stecken. Idealerweise segelt man hier mit Jollen und mit kleinen Kielbooten, die über einen Schwenk- oder Hubkiel verfügen. Alternativ entschließt man sich gleich für die klassische Variante und steigt ins traditionelle Plattbodenschiff.

Ungeachtet des immer noch stark diesigen Wetters ist die Wasserfläche vor uns voller Segel. Wochenendbetrieb auf friesischen Seen. Konzentration ist gefragt, denn ungeniert kreuzen große und kleine Segler die Wasserstraße und obwohl wir Wegerecht haben, berücksichtigen wir den Kurs der Segler und fahren hinter ihrem Heck durch. Im Kanal wird es wieder ruhiger.

Um 12.15 Uhr biegen wir in den Johan Friso Kanal ab. Mit gelegtem Flaggenstock und eingezogenem Kopf passen wir durch eine Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 2,5 m. Glotzende Kühe schauen sich vom Ufer das Treiben auf dem Kanal an.

Eine große Ansammlung von Masten am Horizont, das kann nur das berühmte Seglerstädtchen Heeg mit über 1000 Liegeplätzen sein. Segeln ist hier Volkssport.

Nach dem wir das überfüllte Heegermeer hinter uns haben, genießen wir die letzten Kilometer Kanalfahrt. In Stavoren werden wir mit einigen Seglern und Motoryachten um 14.50 Uhr in das Ijsselmeer geschleust.

Wind 3-4 aus NO, Kurs 20°. Noch eine Stunde und wir sind schon in der Einfahrt von Workum. Die letzten Stunden vergehen wie im Fluge. Schade, dass die Zeit schon vorbei ist. Diese langsame Reise durch Norddeutschland hat mich begeistert. Um 16.10 Uhr legen wir unterhalb des Kranes im Yachthafen "It´s Soal" an.

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