|
|
|
|
Impressionen eines "Segel-Frischlings"
Bei einer Flasche Rotwein (es mögen auch zwei gewesen sein…) kam die Entscheidung zustande: Rainer, Viola und ich machen diesen Sportbootführerschein Binnen. Rainer und Viola, um dann irgendwann zwischen griechischen Inseln herumzusegeln. Ich, um bei Segelausflügen mit meinem Lebensgefährten Tibor auf dem Lago Maggiore nicht immer wie ein Depp dazustehen. Soweit, so gut.
Theorie: 597 Fragen. Ogottogott! Praxis in einem echten, tiefen See. Menno! Sportbootführerschein Binnen. Wirklich eine gute Idee?
Anmeldung bei der VHS Kaarst. Erstes Treffen. Ja, das klingt alles gut und machbar. Aber 597 Fragen beantworten können? Satte 34 Jahre nach der Schulzeit, untrainiert im Büffeln? Langsam kam mir der Gedanke, dass diese Rotwein-Idee vielleicht doch ein bisschen idiotisch war...
Dirk Exner hat uns durch die (Un-)Tiefen der Fragebögen gelotst. Zweimal pro Woche ging's abends los zur "Schule". Namensschild einpacken, dicken Block, das Buch. Und dann: Hirntraining. Hat er prima gemacht. Es kam mir dann doch nicht so schwierig vor. Okay, diese gottverdammten Lichtsignale muss man erst mal auf den Schirm kriegen. Und diese Radeffekt-Aspekte. Mensch, rechts- oder linksdrehend? Wie war das noch mit dem Segelboot - lee- oder luvgierig? Stopperstek - verdammt, gestern abend in der Küche hat's doch noch prima geklappt! Benzin in der Bilge - ach ja, lüften nicht vergessen und umweltgerechtes Entsorgen vom Lappen! Ein Boot mit weißem Topplicht kommt mir steuerbord entgegen, ich pötter unter Motor - wer hat Vorfahrt? Warum geht der Motor kurz nach dem Start wieder aus? Fragen über Fragen. Einfacher wurde es unter'm Strich dann doch nicht. Was Dirk uns da in den Wochen des Theoriekurses an Wissen in den Kopf geklopft hat: Ich war baff, dass mein Kleinhirn das alles aufnehmen konnte. Okay, fragt mich heute bitte nicht mehr nach Details. Aber immer, wenn ich über die Rheinbrücke nach Düsseldorf fahre, gucke ich nach den grünen und den roten Schwimmstangen… Das wichtigste ist hängen geblieben, Dirk! Merci!
Dann - nachdem wir die theoretische Prüfung alle bestanden hatten (ja, ich auch!): ab auf die Jollen. O Mann, jetzt geht es los mit dem Ernstfall - auf dem Wasser. Und ich hab' einen Wahnsinnschiss vor Wasser… auch mit diesen quietscheorangenen KSC-Schwimmwesten fühl ich mich nicht unbedingt sicherer, wenn die Jolle so vor sich hinkrängt, weil wieder einmal Kaarster Böen meinen, sie müssten kleine Segelfrischlinge ein bisschen aufmischen. Ingmar Schuchmann ist unser Mann am See - und würde sicherlich lieber mit einem Kat durch die Wellen düsen, statt mit einer Engelsgeduld das Geradeaus-Segeln zu üben. Und noch eine Wende. Wo ist das Kommando? Mist, wieder vergessen, Ree zu sagen...
Wenn dann so richtig Flaute war, ging es ganz gut mit dem Wasser, der Jolle und meiner Wasserpanik. Sogar Aufschießer klappten. Okay, eine Halse und die Q-Wende müssen wir jetzt noch üben. Aber ich bin sicher, Ingmar kriegt das mit uns hin. Hauptsache, bei der Prüfung ist echt wenig Wind. Sonst bin ich noch ein bisschen länger mit dabei, wenn am Kaarster See die Frischlinge ihre Boote klar machen...
Motorboot fahren mit Günther - das war echt klasse und ging auch ganz einfach - bis auf dieses Lenkrad von dem Boot. Da hat man Trizeps-Training inklusive. Lieber ein Gurkenglas aufmachen als das Boot lenken - geht einfacher. Aber gut, wenn der Prüfer auch weiß, dass diese Lenkung mit echter Schwerstarbeit verbunden ist, dann wird auch dieser Part der Prüfung klappen. Eine Acht fahren, rückwärts geradeaus - pah, Peanuts. Boje über steuerbord oder backbord - beim ersten Versuch geklappt, quasi pillepalle. Anlegen - wenn man die Tricks von Günther verinnerlicht: kein Problem.
Segelkurs beim KSC: Wenn ich nicht so einen Riesenschiss vor Wasser hätte, wäre der Spaßfaktor noch größer. Die Atmosphäre am See ist wunderbar. Die Hilfsbereitschaft groß. Ach ja: Danke, Doro, Deine Tipps waren hilfreich, Deine Geduld mit mir beim Fender-Festmachen hat gut getan.
Noch ein paar Wochenenden üben - dann kommt der Showdown. Bin gespannt, ob es klappt mit der Praxis. Aber, liebe KSCler, seid gewiss: Wenn ich durch die Prüfung rausche, dann liegt's an mir. Wie gesagt: eine Rotwein-Idee und Angst vor Wasser sind eigentlich blöde Voraussetzungen, um einen Segelschein zu machen… Trotzdem hab ich es nicht bereut!
Mast- und Schotbruch und all diese Sachen!
Euer Frischling
Regina Schauwecker
|
|