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0400 Uhr Aufstehen - alles ist tief verschneit und die Autobahn ist noch nicht geräumt. Nach dem Neersener Kreuz lässt zum Glück der Schneefall nach und Düsseldorf ist sogar schneefrei. Aber das Flugzeug muss enteist werden. Umsteigen in Madrid gleicht einer Schnitzeljagd, komme in Zeitnot. Flug Madrid - Buenos Aires 17000 km Distanz - Abflug 1200 Uhr mittags - Ankunft Buenos Aires 0130 Uhr am nächsten Tag - an Bord 0400 Uhr morgens (alles MEZ).
Mitteilung des Kapitäns: Aufstehen um 700 Uhr! Schreck!! Dann Entspannung - es ist erst Mitternacht Ortszeit.
Die Berliner sind im Schnee stecken geblieben - also Hafentag. Die Maschinisten lesen im Logbuch, dass der Außenborder des Stb-Beiboots nicht läuft (sie sind alle Diesel-Fachleute); ich helfe ihnen, nach 3 Stunden läuft der Motor - erst spuckend und fauchend, dann rund. Lasttest kann nicht gemacht werden, da wir im Militärhafen liegen und kein Beiboot aussetzen dürfen.
Auslaufen ist für 0900 Uhr festgelegt. Habe die 0 bis 4 Uhr Wache - und das 3 Wochen! - na dann. Erste Rigg-Einweisung; klettere bis zur ersten Saling - keine Kraft mehr, höher zu gehen. Zur Körperertüchtigung werden an Fock- und Großmast alle Rahen zweimal umgebrasst. Bin 1 Stunde Ruder gegangen - kann den Kurs schwer halten, frage die Maschinisten, welches Hydraulik-System eingebaut ist. Sie wissen es nicht, aber der Obermaschinist sagt, in der Werft wurden neue Rohre eingebaut und es müssen täglich 3 Liter Öl nachgefüllt werden, na dann.
Mittags gibt's paniertes Schnitzel. Kannte die Hierarchie nicht und nahm vom ersten Tag an neben dem Kapitän Platz. Keiner hat mich verjagt, aber alle kennen mich nun.
Beim Wachwechsel um 1200 Uhr will der Hafenlotse von Bord, bleibt aber dann doch noch, um die Zeremonie des Wachwechsels mit zu erleben. Ich glaube, er geht mit dem Eindruck, dass auf deutschen Seglern nur Rentner und Frauen fahren.
Wir sind der erste deutsche Rahsegler, der seit 1939 das Kap Hoorn von Ost nach West rundet. 1939 rundete die "Priwall" das Hoorn und wurde bei Kriegsausbruch in Chile interniert.
Nach ruhiger Nachtwache Flaute - wir laufen unter Motor. Für mittags ist wieder Riggklettern angesetzt. Ich komme im Großmast bis zur zweiten Saling und habe Finger wie ein Gorilla. Später nehmen wir uns den Steuerbord-Niedergang vor. Ich bestehe darauf, dass aller alter Lack entfernt wird. Es wird gemunkelt, dass vier Ingenieure und Friederike am Werk sind - aber es wird ein gutes Werk.
Silvester ist kurz und schnell. Der Käpten spricht ein paar Worte; dann gibt er einen Sherry aus und weiter geht die Reise. Der Wind ist 2 - 3 Bft, 3,5 kn Fahrt. Wir brassen um und nehmen Schrat- und Stagsegel weg. Trinke bei Wachwechsel um 0400 Uhr 2 Bier und gehe in die Koje. Das war Silvester.
Stehe um 1000 Uhr auf. Flaute, laufen unter Motor. Setzen Segel als Schattenspender. 1200 Uhr Motor aus - alle Segel gesetzt. 1400 Uhr Schratsegel geborgen. Gehe mit Friederike in den Großmast um die Gordinge zu lösen. Beim Tritt auf das Fußpferd der Rah denke ich, jetzt geht's abwärts, aber auf Brusthöhe zur Rah ist Schluss. Nun ja, das Fußpferd ist so eingestellt, dass 4 Mann darauf stehen; dann hängt nichts mehr durch. Ich steige bis zur zweiten Saling, Friederike nimmt den Rest bis zur Spitze. Tja, wenn man jung ist und Idealgewicht hat, kann man schnell klettern.
Heute gibt es Lammbraten, sehr zart, zum Kaffee eine riesige Cremetorte für das Geburtstagskind und uns.
Es sind 20 Ingenieure aller Fachrichtungen an Bord, sogar eine Ma-bau-Ingenieurin, jung und hübsch (hat Friederike herausgefunden. Ihr graust es etwas. Sie arbeitet für eine Firma, die Weltraumausrüstungen plant. Belegschaft: 60 Ingenieure und 2 Kaufleute).
Ich werde um 0200 Uhr wach; o je, die Wache beginnt um 0000 Uhr, springe in die Hose und haste an Deck. Friederike als Wachführerin strahlt. Ich will mich entschuldigen, aber sie wiegelt ab. Am Vorabend hat die Wach- und Schiffsführung beschlossen, nur die Stammcrew Wache gehen zu lassen und die Trainees wegen Flaute und Motorfahrt nicht zu wecken. Aber uns hat keiner was gesagt. Gamba, unser "Ober-Vorturner" und Friederike haben gewettet, wer ohne zu wecken trotzdem zur Wache erscheint: Klaus-Jürgen und Erwin war der Tipp. Klaus- Jürgen war pünktlich um 0000 Uhr zur Stelle.
Um 0245 Uhr geht der Maschinenalarm los. Jürgen, unser Maschinist (Jürgen haben wir mehrfach), saust in den Maschinenraum. Mir juckt das Fell, aber ich halte mich an die Anordnung, nur mit Erlaubnis der Schiffsführung darf der Maschinenraum betreten werden. Nach 10 Minuten ist Jürgen zurück, der Filter der Hauptmaschine war zu und er hat die Filteranlage umgeschaltet auf den Zweitfilter. Ich wette auf Algen. Jürgen will mir nach Öffnen des Filters sagen, ob ich richtig liege.
Zum Wachende um 0400 Uhr fängt es an zu regnen. Die 0400 bis 0800 Uhr-Wache setzt Segel und nimmt sie wieder weg. 1200 Uhr - über Land zieht eine Regenfront - gut auf dem Radar auszumachen. Der Wind geht auf 6 Bft., kommt aber genau von vorn. Nach Durchzug der Front dreht der Wind etwas und wir können hoch am Wind segeln. Wir setzen alle Segel, ganz schöne Arbeit.
Werden von Delfinen und Albatrossen begleitet. Um 1700 Uhr queren wir den 40. Breitengrad.
Mein Sicherheitsgurt - bei Reisebeginn locker eingestellt - spannt etwas. Der Koch ist zu gut. Werde ab morgen weniger essen.
Gegen 2300 Uhr setzen beide GPS-Geräte aus. Das Pentagon dreht wohl an der Schraube.
Jürgen berichtet mir, dass normaler Schmutz und Rost den Filter zugesetzt haben. Prophet zu sein ist nicht immer einfach.
Der Wind dreht auf SW und wir können nur noch 270° laufen. Alle Segel werden geborgen und unter Maschine geht es weiter.
Es wird immer kälter, Luft und Wasser 14° Celsius. Ostseefeeling stellt sich ein. Der Himmel ist bedeckt und die Albatrosse umkreisen das Schiff. Unsere Kabine grenzt an den Maschinenraum und wenn die Druckwasserpumpe anspringt, steht jeder in der Koje. Aber Christel, die Gute, hat mir Ohrstöpsel eingepackt. So kann ich einigermaßen gut schlafen.
Der Niedergang bekommt von Godi und mir die letzte Lackschicht. Wie immer wechseln Flaute mit Wind von vorn. Um 0000 Uhr melde ich mich ab zur Backschaft am nächsten Tag. Gamba kann's nicht glauben. Hat vorher noch nie einer gemacht, die sind einfach weg geblieben.
Schrotte noch schnell meine Brille an der Rettungsinsel, als das Schiff in einer Welle über holt.
0700 Uhr Backschaft beginnt. Darf den Geschirrspüler und die Abwaschbecken bedienen. Kämpfe gegen Mannschaft und Kombüse. Gewinne Kampf um 1430 Uhr.
Wind am Morgen 5 - 6 Bft aus Nord, alle Segel oben. Laufen 9 - 10 Knoten. 1500 Uhr, Wind nimmt ab, laufen nur noch 5 - 6 Knoten. 43 S-Breitengrad passiert.
Himmel bedeckt und trübe. Trinke 1 Bier, um 1645 Uhr ist die zweite Halbzeit in der Pantry; diese endet um 1945 Uhr. Ein seltsames Licht an Backbord; wir rätseln, ob Musikdampfer oder Ölplattform - auf dem Radar ist nichts zu sehen. Dann kommt die Eisbergwarnung über Navtex - 6 Eisberge an BB. Diese könnten das Sternenlicht reflektieren. Aber sicher ist das nicht. Ruhige Wache bis 0400 Uhr. Danach trinken alle 1 Bier. Ich stelle fest, dass außer mir und den Mädels alle beim Bund, Marine oder Heer waren. Bis 0630 Uhr werden Anekdoten erzählt, dann geht's in die Kojen.
Stehe spät um 0930 Uhr auf, bin gerädert. Am frühen Morgen hat vermutlich jemand versucht, das Schiff durch zu sägen. Trotz Ohrstöpseln bin ich beinahe aus der Koje gefallen. Die Maschinisten haben geübt, die Not-Feuerpumpe in Gang zu setzen, was auch irgendwann endlich gelang; das ganze Schiff war wach.
Ruhige Wache von 1200 Uhr an, erst bedeckt und Regen, dann aufklarend und mehr und mehr Sonne. Das Barometer fällt seit gestern und steht um 1500 Uhr auf 995 mbar, eigentlich Starkwind oder Sturm. Aber wir segeln mit 5 Bft. und glatter See nach Süden.
Über Land bildet sich der erste Amboß. Ich wette, auf meiner Wache um 0000 Uhr geht es los!
1800 Uhr - die Sonne ist weg, es wird dunkel. Wir sind durchs Auge des Tiefs durch. Streckertaue werden in der Messe und an Deck gespannt, erwarten Hack. Bis 2200 Uhr leichte Windzunahme. Dann aber 7 - 8 Bft., in Böen 9 - alle Toppsegel bis zum Bramsegel werden geborgen.
Um 0000 Uhr konstant 8 Bft, Böen bis 10 Bft. Setzen alle Fallen, Strecker und Brassen durch und schrotten zwei Taljen (Dörte auf Rahseglern). Danach Rauschefahrt, machen 10 - 11 Kn.
Loggen auf unserer Wache 40 sm (0000 bis 0400 Uhr).
Der Morgen bringt Sonne und abnehmenden Wind, 7 Bft, machen 8 Knoten, können aber 180° anliegen, ab Mitternacht laufen wir nur 165°. Der Nachmittag ist ruhig, der Wind dreht, wir laufen SW.
Zum Wachwechsel um 0000 Uhr singen beide Wachen Helge ein Geburtstagsständchen. 6 Bft, 8 Kn Fahrt, ruhige Wache - ein sonniger Tag mit konstantem Wind beginnt. Um 1200 Uhr wird der Wind schwächer, 1600 Uhr Totenflaute. Das Stb-Beiboot geht zu Wasser. Fototermin für alle, die mögen. Der Beiboot-Motor läuft wie geschmiert, große Erleichterung bei mir.
Wir dümpeln auf 49° S. Der Käpten wartet auf Wind. Jürgen zeigt mir den Maschinenraum und die Generatoren. Technik ohne Ende. Hier kann man sich so richtig austoben. 2000 Uhr - dümpeln - kein Wind - werde bald in die Koje gehen.
Abendessen: Spaghetti Bolognese; habe natürlich zu viel gegessen.
Ab Mitternacht weht wieder ein guter Segelwind, laufen 8,5 Kn. Nach dem Wachwechsel um 0400 Uhr sitzen wir noch zusammen; es wird der bisher lustigste Morgen auf dieser Reise.
Mittags versucht Maschinist Jochen, den Außenborder des Backbord-Beibootes zu starten - n i c h t s, dann den Reservemotor - n i c h t s. Steuermann Rüdiger stellt mich zur Hilfe ab. Den Beiboot-Motor bekomme ich in Gang, das Rückschlagventil im Pumpball war defekt. Beim Reservemotor ist Wasser in Filter und Vergaser; muss alles zerlegt werden, Arbeit für morgen, Montag. Der Chief gibt mir ein Bier aus.
Beim Wachwechsel um 1600 Uhr bekommt Michael den Orden "zweite Saling" verliehen. Er hatte großen Bammel, ins Rigg zu gehen und erreichte heute die zweite Saling.
Haben den 50. Breitengrad Süd überquert; Sonne, kaum Welle und schwacher Wind.
Ruhige Wache von 0000 bis 0400 Uhr, Wasser 10 ° C, Luft 12° C; setzen Stagsegel und Brassen nach.
1200 - 1600 Uhr Wache, bin mit dem Außenborder unter Deck in der Werkstatt. Das Schiff halst und wir fahren zurück. Alles hofft auf einen Winddreher, der aber nicht kommt. Also wird gewendet; können nur 135° halten.
Zerlege Vergaser, Benzinpumpe und blase die Schläuche durch: alles voll Wasser. Der Bootsmann Jürgen und der Maschinist Jochen prüfen Benzinkanister und Tanks: überall ist Wasser drin. Kondensation ist eine üble Sache.
Konrad's Doppelstock-Geburtstagstorte ist super. Anscheinend sind nur Steinböcke an Bord. Übermorgen hat Susan Geburtstag.
Ab 0000 Uhr frischt der Wind auf 5 Bft. - machen gute Fahrt. Zum Mittagessen ist Flaute - wie in den letzten drei Tagen, sind auf 53° S.
Der Außenborder ist um 1500 Uhr fertig und springt auf Anhieb an. Mir fällt ein Stein vom Herzen; was hätten wohl meine Fans gesagt, wenn nichts geklappt hätte.
Ab 1700 Uhr begleitet uns ein kleiner Wal - alles steht an der Reling. Die Angaben variieren von Beluga bis Kleiner Finnwal - keine Biologen an Bord, nur Angler.
2000 Uhr, 8° C, es wird immer kälter, der Südpol nähert sich.
0200 Uhr, die Spülmaschine gibt den Geist auf. Der Heizstab ist durch, kein Ersatz an Bord, also Handspülen für 60 Leute.
Fahren 37°, also zurück. Der Käpten will keine Motorfahrt und das Schiff muss steuerfähig bleiben. Gegen 0800 Uhr Winddreher, halsen und gehen auf 160°.
1400 Uhr, halsen noch einmal und steuern auf die le Maire Straße zu. Wind 2 Bft, keine Welle aber 2 Kn. Strom gegenan, segeln auf der Stelle.
Beim Wachwechsel um 0000 Uhr haben wir Susan ein Ständchen gesungen.
Jürgen aus der Maschine hat mit einem Trick die Heizspirale zur Hälfte wieder belebt. Ursache des Ausfalls war eine Küchenschabe, die den Thermostaten kurzgeschlossen hat.
2000 Uhr - nachdem wir wieder 4 Stunden hin und her getrieben sind, wird der Motor angestellt. Vielleicht kommen wir jetzt nach 2 Tagen durch die Le Maire Straße. Machen 11 Kn über Grund durch mitlaufenden Strom.
Die Bierdosenverkleinerung wird schon von 70 % der Besatzung praktiziert, der Rest scheint nicht zu wollen.
Nach einer Stunde Motorfahrt kommt Wind - Segeln.
Um 0100 Uhr kreuzt ein Musikdampfer unseren Kurs - sind durch die Le Maire Straße durch.
0700 Uhr Winddreher - laufen 160° bis 0900 Uhr - wieder drehender Wind - neuer Kurs 340°.
Ab und zu taucht ein Wal auf. 1200 Uhr Wind aus Ost - gehen auf Kurs 240° - 3,5 Kn.
Habe die Flaschenpost fertig mit Crewliste, Prospekt des Schiffes und Schreiben in deutsch, englisch und spanisch mit der Bitte um Antwort an die DSST (Deutsche Stiftung Sailtraining - manche behaupten, es heißt "Die Saufen Sich Tot")
Heute ist meine zweite Backschaft - Freitag der 13. und dazu noch Vollmond - na dann Prost!
Bin um 0630 Uhr an Deck - es pfeift ganz schön. 0700 Uhr - der Innenklüver schlägt, Schot gebrochen und reißt durch. Noch mehr Wind - Groß und Fock werden geborgen, weitere Windzunahme, kreuzen den Kap Hoorn-Längengrad - die Flaschenpost geht über Bord.
10 Bft - in Böen 11 Bft - es geht rund. Wolle fliegt gegen den Festmacher-Poller und hat zwei angebrochene Rippen, Welle 5 m, zeitweise 7m. Vorschiff wird überflutet. In der Messe fliegen die Sachen waagerecht, Fingerquetschungen und Prellungen sind angesagt. Ich will in die Pantry und stehe in der Tür, da fliegt mir eine 3-kg-Packung Geschirrspülmittel entgegen; das Schiff holt über und statt im Gesicht - Volltreffer auf dem rechten Oberschenkel.
Von der Stammbesatzung fallen einige durch Seekrankheit aus, aber keine Rentner; die rücken nichts raus in dieser schweren Zeit.
Mittags unterläuft uns eine besonders große Welle; das Schiff krängt über 40° und Alarm wird ausgelöst. Ich arbeite mich an 5 im Wege stehenden Leuten und zwei querstehenden Schrubbern durch auf dem Weg zur Alarmzentrale. Ich darf jetzt, der Chief hat mich zum Maschinisten h.c. ernannt. Die Anzeige zeigt "Fehler in der Ruderhydraulik". Mit Jürgen und Jochen diskutieren wir die Fehler-Ursache und kommen zu dem Schluss, dass durch die extreme Schräglage das Hydrauliköl im Tank auf eine Seite geflossen ist und die Pumpe kurzfristig Luft gesaugt hat. Prüfen das System: alles o.k. Die Vermutung muss richtig sein. Der Kapitän steht am Ruder - wir laufen nach SW ab. Für 1300 Uhr ist Halse angesagt. Käpten fährt sie selber. Nach 1 ½ Stunde ist die Halse abgeschlossen und die Segel sind neu eingestellt. Um 1600 Uhr lässt der Wind nach und das Barometer steigt. Wir räumen das Schiff auf.
0015 Uhr, Wind 5 - 6 Bft., Welle 3 m, segeln weiter mit Sturmsegeln zurück auf Kap Hoorn zu. Sollen um 0800 Uhr Lotsen übernehmen am Kap Hoorn und dürfen nicht zu früh da sein.
0400 Uhr, nehmen Segel weg und Maschine an, Ziel Lotsenstation. Fast kein Wind, glatte See. Sind in Lee von Kap Hoorn und den anderen Inseln. Ankern in der Kap Hoorn-Landebucht, in der schon die "Nordkap" ankert, ein Schiff der Hurtigroute aus Norwegen.
Um 1000 Uhr ausbooten mit beiden Beibooten. Die Hurtigrouten-Leute haben aus 3 Paletten einen Landesteg gebaut, zwei Mann zum Annehmen an Land und alle 5 Meter eine Hilfsperson, damit keiner auf den glatten Steinen ausrutscht.
300 Stufen führen hinauf zur Hochebene, auf der das Denkmal für die Kap Horniers und die chilenische Marinestation sind. Zwei Betreuer von der "Nordkap" blockieren den Weg zur Marinestation und behaupten, alles sei verschlossen. Wir Segler ignorieren das und gehen uns den Kap Hoorn-Stempel holen. Die Marinestation ist mit mehreren Soldaten besetzt. Der Stempler lehnt strikt alle Trinkgelder ab.
Die Chilenen bauen etwas neu - rundherum sieht es aus wie bei Hempels. Das Postamt ist geschlossen.
Bei meiner Rückkehr zum Strand bauen die "Nordkapper" den Steg ab und fahren zurück zu ihrem Schiff. Unser Beiboot kommt und alle, die keine Stiefel anhaben, bekommen jetzt nasse Füße; ich nicht, habe Seestiefel und Ölzeug an.
Unser Kapitän möchte unter Segeln ablegen. Also alle Schratsegel hoch, dann die Rahsegel und ab geht es. Holen Höhe in der Bucht und wenden, was bei einem Rahsegler eine größere Aktion bedeutet. Der Lotse staunt. Nach einer halben Stunde führt der Kapitän eine Ehrung durch für alle Seeleute, die am Kap gestorben sind.
Wenden wieder und laufen zurück Richtung Beagle-Kanal mit Ziel Port Williams.
Wind 2 - 3 Bft, es ist nicht zu glauben - gestern Sturm, heute fast Flaute.
Der running Gag an Bord war "Eier". In Buenos Aires hatte der Schiffsversorger nur einen kleinen Teil der bestellten Eier geliefert. Der Koch beschloss, diese nur zum Backen und Kochen zu verwenden. Also gab es kein Rührei, kein Spiegelei - n i c h t s. Unterwegs gab es Sprüche wie: Wir setzen das Beiboot aus und überfallen eine Hühnerfarm oder eine Pinguinkolonie usw.. Wir verhandeln mit der "Nordkap" über Funk und bekommen 30 Eier geliefert frei Bordwand. Ludwig unser Koch ist wenig beeindruckt - "Was soll ich mit 30 Eiern für 59 Leute?"
Nach dem Abendessen sitzt unsere Wache noch zusammen - wir singen Seemannslieder. Der Lotse kommt vorbei und wundert sich.
Später erfahren wir, dass er dem Kapitän gesagt hat: "Die zahlen dafür, bei jedem Kommando rasen sie los und reißen widerspruchslos an den Tampen. Jetzt singen sie und scheinen glücklich zu sein. Wie machst du das?"
Der Wind schläft ein und der Motor wird gestartet.
Zum Wachende um 0400 Uhr werden vom Toppsmatrosen Gamba tellergroße Rib Eye Steaks für die Wache gebraten. Steuermann Rüdiger serviert. Es ist "Wache-Abschiedsessen"! Zum Frühstück um 0800 Uhr macht der Koch aus den Beuteeiern Rührei mit Speck. Ich bin noch satt bis oben und verzichte.
Wir ankern vor Port Williams/Chile - Passkontrolle und Zoll kommen an Bord. Dann geht es weiter den Beagle Kanal hoch nach Ushuaia.
Beim Anlegen erwartet uns eine Ehrenkompanie Marinesoldaten. Unser Kapitän muss nach unten und schnell Jeans und Pullover gegen Anzug, Krawatte und weißes Hemd tauschen. Die Herren Offiziere werden eingeladen, das Schiff zu besichtigen.
Für 1800 Uhr ist Käptens-Dinner angesetzt. Es gibt gutes Essen und viel roten Wein.
0700 Uhr wecken - ich bin noch etwas benommen. Rein Schiff ist angesagt. Unser Steuermann Rüdiger nimmt Kontakt zum Kreuzfahrtschiff "Bremen" auf, das uns gegenüber festgemacht hat. Der Kapitän und der erste Offizier waren mit Rüdiger zusammen auf der Seefahrtschule. Rüdiger hat sofort einen Job auf der Bremen: Schlauchbootfahren in der Antarktis. Werden von einem Marinebus abgeholt und dürfen ein Schnellboot der Marine besuchen. Das Boot wurde 1974 auf der Lürssen-Werft in Bremen gebaut und ist immer noch voll im Dienst. Wir dürfen das Marine-Museum kostenlos besichtigen.
Es fängt an zu pfeifen - die "Bremen" will um 1800 Uhr ablegen, kommt aber trotz Bugstrahlruder und Schlepper nicht vom Kai weg. Die Abfahrt wird verschoben bis der Wind einschläft.
Gehe essen in der Stadt. Ein tellergroßes und sehr zartes Steak mit einer Flasche Wein: 13 Dollar - nicht schlecht.
0630 Uhr aufstehen - großes Gelaufe an Bord. Jeder will duschen, packen und aufräumen.
Ein Bus bringt uns zum Flughafen.
Flug von Ushuaia nach Buenos Aires 3000 km, von Buenos Aires nach Madrid 12 Stunden - Düsseldorf Ankunft am 18.1.06 um 1830 Uhr. 36 Stunden auf den Beinen, unterbrochen vom Schlaf im Flugzeug. Komme pünktlich aber unrasiert und ungewaschen zum Clubabend an. Helga Pempelfort gibt mir ein Bier aus.
Erwin Beilstein
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