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ein Törn mit Arndt Funke, Frank Engelke und Karl Mogl
Unsere Nachbarn in Glowe zeigen gleich reges Interesse an unserer nagelneuen Hanse 350. Anne ist 9 Jahre alt und prüft zuallererst, ob auch der Salon eine brauchbare Größe hat. Die Katamarane mit dem Trampolin in der Mitte sind allerdings viel besser, meint sie, aber ihr Vater ist davon noch nicht so recht zu überzeugen. Jedenfalls ist er ein echter Hanse-Fan.
In Rönne auf Bornholm findet unsere Rosi W. fast genauso viel Aufmerksamkeit. Hier erzählen uns die Nachbarn, dass sie gestern ebenfalls von Rügen aus rübergeschippert sind. Bei wenig Wind und endloser Fahrt. Die Rosi W. hingegen machte bei 4 Windstärken immerhin 5 bis 6 Knoten und Poseidon hat uns Wellen geschickt, die stets für gemächliches Rollen und Stampfen sorgten. Das Wasser war fast leer, gerade mal ein Segel in weiter Ferne: es ist noch Vorsaison, Ende April - anno domini 2008.
Rönne zeigt sich sehr lebhaft und gut gelaunt: nach pausenlos frischer Brise auf dem weiten Wasser können wir die erste warme Luft des Frühlings doppelt gut geniessen.
Bei der Überfahrt von Bornholm nach Südschweden kommt dann eine echte Premiere: das erste echte VTG. Zuerst denkt man, das kann doch gar nicht sein, das Wasser ist doch einsam und verlassen. Aber dann tauchen sie auf und wachsen wie die Pilze: ein endloser Treck von großen Frachtern durchzieht die Ostsee wie Perlen auf einer langen Kette. Einer ist doch tatsächlich auf Kollisionskurs: die Peilung scheint zu stehen, Arndt wirft die Leinen los und er zieht noch vor uns geräuschvoll vorbei. Poseidon meint es auch diesmal gut mit uns: halber Wind und gute 6 Knoten sorgen dafür, dass wir die "Autobahn" schnell hinter uns lassen. Eine gute und beständige Welle genau von achtern gibt uns das Gefühl, als wären wir auf der großen Schiffschaukel mitten auf dem Kirmesplatz - der einzige Unterschied: dieses Vergnügen scheint fast endlos zu sein.
Der Hafen von Ystadt ist stärker versandet als uns lieb sein kann, größere Probleme gibts aber dennoch nicht. Nur schade, dass wir diese Stadt erst zu einer Zeit erreichen, als die Sonne schon unter den horizont sinkt: die farbigen Fachwerkhäuser sehen jetzt nicht mehr ganz so gemütlich aus. Dafür entschädigt aber der schöne Klang des Turmbläsers, der seit vielen Jahrhunderten (und deshalb auch heute) bei Dunkelheit acht gibt, dass die Stadt von Feuer verschont bleibt.
Westlich von Ystadt liegen wir auf 55 Grad 21,3 Minuten Nord und 13 Grad 14,0 Minuten West in Gislövsläge. In diesem Ort gibt es nur eine einzige Pizzeria, die aber schwer zu finden ist. Wir beeilen uns deshalb, weiterzukommen, haben aber - wie der Wettermann schon beim Frühstück berichtet - "strichweise" Nebel. Das ist zunächst einfach nur etwas unangenehm, als aber plötzlich ein dumpf dröhnendes Motorengeräusch von irgendwoher von achtern hörbar wird, rutscht uns dann doch schlagartig das Herz in die Hose. Ohne das laute Dröhnen hätte man wohl eine Nadel fallen hören können. Plötzlich jedoch wird das Geräusch leiser und verschwindet nach achtern so wie es gekommen ist - vielleicht ein Fischer mit altem Diesel oder was Größeres. Der Rest ist entspanntes Schönwettersegeln bis sich der Himmel über der Öresund-Brücke ganz plötzlich bedrohlich verdunkelt. Karl entdeckt am Himmel einen tief-schwarzen Bandwurm - das muss wohl eine ausgewachsene Böenwalze sein. Bei auffrischendem Wind entschliessen wir uns, außerplanmäßig den nahegelegenen Hafen von Klagshamn anzulaufen. Diese schnelle Entscheidung hat uns hinterher nicht Leid getan: der ganze Hafen ist umsäumt von gemütlichen roten Holzhäuschen und es herrscht eine heilige Ruhe. Die dänische Familie auf dem Nachbarboot gibt uns freundlicherweise ein paar Tipps für die Fahrt nach Kopenhagen, ihr Boot ist eine ganze Ecke länger als unsere Rosi W. und auch schon mal auf einer Regatta um die Welt gelaufen.
Versehen mit den nötigen Insider-Infos begeben wir uns mitten auf die Hauptfahrrinne und kreuzen mit guten 6 Knoten hoch am Wind der dänischen Metropole entgegen. Da will natürlich jeder mal ans Ruder und Frank ist ganz begeistert von den Qualitäten der Hanse: sie geht wirklich hoch an den Wind.
Kopenhagen empfängt uns mit viel Herzlichkeit und guter Stimmung. Nur schade, dass Christianshavn demnächst für Gäste geschlossen werden soll - wir genießen das unvergleichliche Bohemian-Feeling dieses Hafens also zum ersten und (wahrscheinlich) letzten Mal. Das Nationalmuseum erinnert daran, dass unsere Route in früherer Zeit die Seewege der Wikinger waren. Aber auch heute gibt es sie noch: Wikingerschiffe nach altem Vorbild. Von Roskilde aus ist auch in diesem Jahr ein solches Schiff bis zu den Britischen Inseln gesegelt - und das alles ohne Kajüte, aber mit Sonnenkompass.
Der Rest der Fahrt verläuft bei abnehmendem Wind und zunehmender Sonne. Viel Natur und wenig Hektik umgibt uns zwischen Rödvig und Hesnaes: das Highlight (und gleichzeitig wichtigster Fototermin) ist natürlich die Steilküste von Klintholm.
Auf der Überfahrt nach Hiddensee könnten wir wohl jemanden zum Anschieben gut gebrauchen. Kurzweilig ist dann aber doch die Kontrolle der deutschen Küstenwache auf hoher See (wem ist schon bewusst, hier eine EU-Außengrenze überschritten zu haben).
In den Boddengewässern sind dann schon die ersten Badegäste der Saison zu sehen. Unser Heimathafen Breege auf Rügen empfängt uns mit Sonne und 20 Grad Celsius.
Thomas Gilges
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