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Hallo Segelfreunde,
habe ein sehr schönes Wochenende auf der Papillon verbracht. Es sollte zunächst ein Törn für zwei Personen werden. Leider erhielt ich kurzfristig eine Absage und ein Ersatz für die "zweite Hand" war nicht mehr zu finden.
Daraus resultierte mein erster "Einhandtörn". Hier ein kurzer Bericht:
Freitag, 16:30 Uhr: Übernahme der Papillon und nach Prüfung mit Checkliste (Seeventile, Bilge, Sprit, Batteriespannung, Notfallaus-rüstung, etc. und erster Logbucheintragung) wie bei Ulli & Co. gelernt ;-)) folgte eine kleine Probefahrt unter Motor vor dem Hafen von Strijensas.
Samstag: Himmel bewölkt - kein Regen. Bei SW-Wind mit Stärken zwischen 0 und 2 Bft gaaanz laaangsaaam mit viel Zeit zum Träumen bis zur Volkerakschleuse gekreuzt. Zunächst das Bauwerk nur von außen besichtigt, Pegeldifferenz geschätzt und überlegt, wie man alleine durch diese Schleuse kommt. Anschließend ging es dann mit etwas flauem Gefühl im Magen nach Willemstad. Hier wurde der Königinnentag - 25 Jahre Thronjubiläum - gefeiert, mit der Folge, dass der Hafen schon um 16:30 Uhr fast voll war. Um 17:00 Uhr war kein Plätzchen mehr frei. Alle Gäste lagen im 3er oder sogar 4er Päckchen. Ich fand eine kleine Nische für die Papillon - einen halben "Parkplatz" zwischen wunderschönen großen Motor- und Segeljachten am Rande des Gastensteigers - mit dem Bug schräg zum Steg und das Heck an einem Holzpfahl.
Das Wenden und Einparken ohne fremde Hilfe auf engstem Raum erzeugte bei den Schaulustigen zunächst Kopfschütteln und Sorge um den eigenen Lack, dann Belustigung und zuletzt ein bisschen grinsende Anerkennung - "Daumen nach oben". Keine Schramme, aber schweißgebadet bei nur 19°C. Umso mehr konnte ich den anschließend fälligen Anleger und die folgende Nacht entspannt genießen - selbst das Quaken eines Seefrosches störte nicht mehr.
Mein Ziel am Sonntag: Steenbergen: Ein verschlafener kleiner Ort, den man über einen langen Kanal in einer idyllischen Land-schaft erreicht. Aber zunächst ging es durch die Volkerakschleuse und dann wurde gut gesegelt. Aber vor diese Freuden hatten Rasmus und Neptun, oder welche Wassergeister hier auch zuständig sein mögen, kein Mitleid mit mir. Sie verlangten weitere Schweißtropfen. Habe mir beim Segelsetzen und -bergen, beim Kreuzen zwischen den Bojen HG 16 und NV 2 und in der Schleuse wiederholt drei oder mehr Hände gewünscht.
Und so begann der Spaß: Der Hafenmeister kündigte mir am Sonntagmorgen viel Sonne, Wärme und Wind zwischen 3 und 4 Bft an - sehr schööön -, Wind der nachmittags etwas schwächer werden sollte - auch gut. Also kein Grund für Sorgen. Groß war jedoch die Überraschung, als ich aus dem geschützten Hafen von Willemstad kam und mit kräftigen Böen bei Windstärke 5 Bft (laut Anemometer) erfreut wurde. Das war viel Wind für volle Segel und einen Anfänger wie mich - also mit Rettungsweste und Sicherungs-leine raus auf das Vorschiff zum Segelreffen. Motor mit langsamer Fahrt in den Wind, die Ruderpinne gegen Querschlagen mit einem Seil gesichert.
Das Reffen misslang - mangels Vorbereitung. Die Reffkausch konnte nicht über den Reffhaken gezogen werden, weil erst eine Schraube, die Keepsperre, vor dem untersten Segel-rutscher am Mast entfernt werden muss. Gern hätte ich ein König-reich für einen Schraubenzieher gegeben - aber nach dem Entfernen der Schraube wären eventuell auch mehrere Rutscher aus der Keep gerauscht. Das war weniger lustig - ein Segel wie ein Bettuch auf der Wäscheleine.
Das Groß ganz hoch, das war mir zu viel; also Segel sofort wieder runter. Dank der neuen Lazyjack-Einrichtung kein Problem.- Wollte eigentlich unter Segel und nicht mit Motor zum Vorhafen der Volkerakschleuse. Dort angelegt und die Reffkausch mit einem Tampen zum Reffhaken niedergezurrt. Künftig schaue ich vor dem Verlassen eines windgeschützten Hafens erst ´mal über den Deich.
Das Barometer zeigte morgens um 08:00 Uhr noch 1012 hPa, mittags um 14:00 Uhr im Volkerak nur noch 1003 hPa.
Diese Wetterentwicklung erschien mir dann doch etwas unbestimmt. Den Versuch, Steenbergen zu erreichen, habe ich deshalb abgebrochen und mich auf ein paar lange Schläge im nördlichen Volkerak beschränkt. Hat viel Freude bereitet. Die Papillon segelt auch mit Fock und gerefftem Groß hervorragend. Kaum Bewölkung und 27 °C sorgten für den ersten leichten Sonnenbrand.
Die Schleusendurchgänge waren weitere "Abenteuer". Hier benutzte ich nur eine Festmacherleine - gleichzeitig vorne und hinten am Schiff belegt, die ich dann über zwei gleich hohe Poller in der Schleusenwand legen konnte. Die Leine musste natürlich ausreichend lang sein, damit das Schiff genügend Bewegungsspielraum behielt und sich nicht "aufhängen" konnte. Wenn man in der Mitte zieht, ist das Schiff so sehr gut alleine auf den Fendern parallel an der Wand zu halten. Etwas unangenehm wird es in der Nussschale allerdings, wenn die lieben Nachbarn an der gegenüberliegenden Wand ihr Bugstrahlruder benutzen, um selbst an der Wand zu liegen.
Die Rückfahrt erfolgte unter idealen Bedingungen mit SO-Wind. Keine Sturmfahrt, aber doch sehr rasch mit 4 und gelegentlich 5 Knoten kamen die Industrieanlagen und der vertraute kleine Leuchtturm mit dem roten Dach vor der Hafeneinfahrt von Strijensas wieder in Sicht.
17:30 Uhr angelegt. Die Papillon hat keinen Schaden genommen und ich fühlte mich plötzlich etwas größer.
Ein langweiliger Bericht? Für alte Seebären sicherlich, aber für Neulinge auf dem Wasser enthält er vielleicht ein paar Anregungen oder gibt Anlass zu weiterem Erfahrungsaustausch. Gleichzeitig möchte ich mich hiermit bei unseren Ausbildern des KSC bedanken. Ohne die "1.000 Kleinigkeiten", die ich von Ulli, Klaus, Thomas, Manfred sowie von Christel und Erwin lernte, hätte ich mich nicht getraut.
Mast und Schotbruch wünscht Euch
Gerd
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