5. Etappe: von Kiel nach Workum
Nachdem Arndt klar war, dass er pünktlich zum Start der Kieler Woche den Versuch unternehmen wollte, im Olympiahafen unterzukommen, hat er dann doch noch einen komfortablen Platz im ausgangs der Kieler Förde liegenden Yachthafen von Wendtorf bekommen. Ein ziemlich veralteter und nicht zum Verweilen geeigneter Hafen lässt uns zügig unsere 7 Sachen aufs Schiff verfrachten und uns auf den Weg nach Rendsburg machen. Die letzte Etappe der großen Filou-Rundfahrt hat begonnen.
Mit dabei sind Johannes Bodewig, Norbert Zehner, Barbara Witczak, Sabine Rosato und ich.
Zunächst empfängt uns bei kühlen Temperaturen und einer frischen Brise aus NW ein kräftiger Regenschauer. Dafür können wir bis zur Schleuse Holtenau segeln und das entschädigt. Der Plan ist, heute noch nach Rendsburg zu kommen und dann morgen in die Eider einzufahren, damit wir - bei angekündigtem NE-Wind - am Montag nach Helgoland übersetzen können. Das Wochenende soll kühl und regnerisch werden, dafür erwarten uns laut Vorhersage in der nächsten Woche Sonne und Wind aus der richtigen Richtung…
Gegen 22 Uhr treffen wir in Rendsburg auf dem Obereidersee ein und bleiben erstmal in der Box stecken, die uns zugewiesen wurde. Mit vereinten Kräften und Motorschub volle Kraft rückwärts kommen wir wieder frei und können doch noch den ersten Anleger zu uns nehmen.
Von Detlef und Rolf habe ich wertvolle Informationen zur Eider bekommen, die zu befahren auf den ersten Blick ein Stück Überwindung kostet. Man schaue sich bei Google Earth an, wie sehr sich dieser Fluss durch die Schleswig-Holsteinische Landschaft schlängelt. Da ist wohl an Segeln gar nicht zu denken. Von der Gieselauschleuse bis zum Eider-Sperrwerk sind es mehr als 80 Flusskilometer. Hinzu kommen die schon bewältigten knapp 40 km seit Kiel. Trotzdem machen wir uns - fast zu spät - auf den Weg und wollen die Bezwingung des Flusses wagen - zumal wir für die Überfahrt nach Helgoland in einer günstigeren Ausgangslage sein werden.
Um 2 Minuten vor 12 stehen wir vor der Schleuse und nehmen telefonisch Kontakt zum Schleusenwärter auf, den wir auf diese Weise um einen Teil seiner Mittagspause berauben. Der Mann ist gnädig und lässt uns zusammen mit zwei weiteren Seglern ins Binnenland. Und es ist auch noch preisgünstiger, weil wir nur 4 € zahlen müssen (statt 8 €, wenn wir alleine in der Schleuse wären).
Bei Regen und kühlen Temperaturen geht es durch eine ruhige Flusslandschaft mit unendlich vielen Windungen. Ich hatte den Tipp bekommen, rechtzeitig vor der Ankunft an Schleusen oder Brücken die entsprechenden Wärter anzurufen und dieser Tipp ist Gold wert. Die Leute sind überaus freundlich und immer wenn wir an einem Hindernis ankommen, stehen die Ampeln schon auf Grün und wir können zügig passieren. Das nenne ich mal Dienstleistung - und das mitten in Deutschland.
Leider schaffen wir unser geplantes Ziel - Friedrichstadt - heute nicht, weil es schlicht zu spät ist. Dafür legen wir in Hennstedt an, einem kleinen Yachthafen mit einer Kapazität von ca. 20 Booten. Der ist mit 6 € ausgesprochen preiswert und Dusche und WC gibt es hier auch noch gratis. Idylle pur, die Sonne lugt hervor und taucht die Landschaft in ein geniales Licht. Absolute Ruhe, nur durch Vogelgezwitscher unterbrochen - ein Ort zum Entspannen.
Am nächsten Morgen geht es schon um halb 7 weiter. Hinter der Schleuse Nordfeld sind wir jetzt tidenabhängig. Das Wasser läuft noch in Richtung Mündung. Die Landschaft hat sich schlagartig verändert und wir fahren durch ein enges Rinnsal, das nicht danach aussieht, als wäre es tief genug für unsere sichere Durchfahrt. Flora und Fauna sehen eher so aus, als wären wir mitten im Wattenmeer.
Wir biegen ab nach Friedrichstadt, einem kleinen wunderschönen Ort, der von Grachten durchzogen ist und eher an holländische Dörfer erinnert. Kleine bunte Häuser mit Butzenscheiben und am großen Marktplatz gut erhaltene Kaufmannshäuser.
Nach knapp 2 Stunden machen wir uns wieder auf den Weg und nur die Eisenbahnbrücke hält uns noch für 10 Minuten auf. Der Brückenwärter entschuldigt sich beinahe dafür, dass wir warten müssen, aber es seien eben noch 2 Züge unterwegs, die er durchlassen müsse.
Es geht vorbei an dem kleinen Städtchen Tönning - für das wir leider keine Zeit haben - und dann weitet sich die Eider zu einem breiten See, bis wir schließlich das Sperrwerk zur Nordsee erreichen.
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Der Wind hat etwas aufgefrischt und weht aus NW - wie gut, dass wir nicht durch den Nord-Ostsee-Kanal gefahren sind. Wir binden ein Reff ein und kommen im Fahrwasser hoch am Wind bei strahlendem Sonnenschein gut voran. Bald ist die Ansteuerungstonne passiert und wir können Helgoland mit einem Schrick in den Schoten anliegen. Mit bis zu 9 Knoten über Grund - unterstützt durch die nun mitlaufende Strömung - fahren wir unserem Tagesziel entgegen. Schon 2 Stunden nach Verlassen der Eiderschleuse können wir Helgoland am Horizont ausmachen. Und das Beste ist, das wir nach 2 Tagen unter Motor nun endlich segeln können. Um halb 8 laufen wir bei steifer Brise nach 62 sm in das große Becken des Südhafens ein und finden einen Platz als No. 3 im Päckchen. Nach dem Essen geht es dann auf einen Eiergrog in die ´Bunte Kuh´. Eine Helgoländer Spezialität, die es in sich hat: Warm, hochprozentig und mit Strohhalm getrunken hat schon ein Grog einen hohen Wirkungsgrad…
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Unser Hafentag auf der einzigen deutschen Hochseeinsel - die früher einmal den Engländern gehörte und von Kaiser Wilhelm gegen Sansibar getauscht wurde - wird von strahlendem Sonnenschein begleitet.
Und obwohl der Cliff -Trail um die Insel nur knapp 3,5 km lang ist, benötigen wir dafür geschlagene 4 Stunden. Zunächst begibt man sich vom knapp über NN liegenden Unterland ins Oberland, das etwa 60m über den Meeresspiegel aufragt. Sofort hat man einen guten Blick über die sehr übersichtliche Insel. Sattes Grün im Inneren wird vom Rot der steilen Sandsteinküste kontrastiert. Schon ist die ´Lange Anna´ in Sicht, deren Kuppe von Vogelkot überdeckt ist.
Erosion hat der Insel schon manchen Kubikmeter Erde geraubt und wird früher oder später schaffen, was die Briten nach Ende des 2. Weltkrieges nicht vermochten - die Insel zerstören. Auch die lange Anna wird nicht mehr lange den Winterstürmen in der Nordsee standhalten.
Je näher wir dem anderen Ende der Insel kommen, desto lauter wird das Gekreische von tausenden Vögeln. Alke, Trottellummen, Basstölpel und andere Möwenarten nisten hier auf Felsvorsprüngen, an denen Freeclimber nicht versuchen würden, Halt zu finden. Mit ihren Schnäbeln an der Felswand klebend brüten sie ihre Jungen aus und warten auf den Zeitpunkt, an dem sie endlich flügge werden.
Nachdem wir für nur 82 Cent Zollfrei getankt haben, geht es am Nachmittag hinüber zur Insel Düne, die am Anfang des Jahres schon sehr viele Federn lassen musste, als ein heftiger Sturm ihr große Stücke Land entriss. Hier findet wir einen wunderbaren Badestrand und direkt daneben Kolonien von Seehunden und Robben, die sich scheinbar nicht an den Touristen stören. Herrlich, das ist wie im Urlaub.
Die Tide ermöglicht es uns am nächsten Tag auszuschlafen. Wir nutzen bei einem kleinen Rundgang noch die Vorteile des mehrwertsteuerfreien Einkaufs und machen uns um kurz vor 12 auf den Weg nach Norderney. Zwar wollten wir ursprünglich auch Langeoog anlaufen, aber das ist mir ein wenig zu flach dort. Auch der stetig blasende Nordostwind sollte nicht zu sehr vernachlässigt werden. Es ist ein Geschenk des Himmels, dass der Wind so stetig von achtern kommt. Anfangs haben wir richtig schlechte Sicht, doch je weiter wir uns den friesischen Inseln nähern, desto sonniger und wärmer wird es wieder.
An der SE-Ecke des VTG kippt der Strom in unsere Richtung und im Zusammenspiel mit dem NNE-Wind, der mit 4-5 Bft. bläst, laufen wir jetzt wieder mit Höchstgeschwindigkeit unserem Ziel entgegen. Spannend wird es bei der Ansteuerung von Norderney. Die Fahrrinne läuft knapp an einem Flach vorbei, an dem sich kaum zwei Bootslängen neben uns die Wellen mit großem Getöse brechen. Auch das Anlegen im überfüllten neuen Hafen gestaltet sich schwierig, weil der Skipper sich in den Kopf gesetzt hat, bei ungebremsten 5 Bft. - schräg von vorne - rückwärts in einen engen Liegeplatz einzufahren. Wieder haben wir einen genialen Segeltag erlebt - das glaubt uns zu Hause keiner…
Wir genehmigen uns nochmals einen Hafentag, da die Wetteraussichten auch für die nächsten Tage unverändert NE-Winde ankündigen. Und das Glück bleibt uns treu, die Sonne strahlt, als hätte sie darauf gewartet, dass wir die Insel endlich mit dem Rad umrunden. Allerdings geht die Länge der Radwege nicht einher mit der tatsächlichen Ausdehnung der Insel. Nur etwa bis zur Hälfte darf man mit dem Velo befahren. Das veranlasst uns, zum nächsten Strand zu radeln und der ist - wie bei vielen friesischen Inseln - den Nudisten unter uns vorbehalten. Nichtsdestotrotz lassen wir die Hosen an und mieten uns zwei obligatorische Strandkörbe. Allerdings kann der Skipper es doch nicht lassen, ein Bad in der kühlen Nordsee zu nehmen.
Nach einem Kaffee in der wunderschönen alten Mühle geben wir die Räder wieder ab und gehen noch einkaufen. Heute bin ich dran mit Kochen und so besorge ich im Ort ein paar sündhaft teure Shrimps (400 g für 20 €). Der Aufwand lohnt sich, alle sind satt und zufrieden.
Der Wind legt am Abend wieder kräftig zu und ich bin im Moment skeptisch, ob wir morgen nach Borkum segeln können. Mein ursprünglicher Plan, gegen 5 Uhr aufzustehen, wird vom Pfeifen des Windes zunichte gemacht. Selbst hier im Hafen bläst es locker mit 6 Bft. Und so können wir uns alle noch mal umdrehen und weiterschlafen. Eine Stunde später hat der Wind ein Einsehen und nimmt wie gewünscht auf 4-5 Bft ab. Wir laufen ohne Frühstück aus und fahren durch das nur einseitig betonnte Fahrwasser ´Schluchter´ - der Hafenmeister hatte mir gesagt, dass wir uns eng an der roten Tonnenreihe entlang hangeln sollten. Alles geht gut und wir können mit ausgebaumter Genua und gerefftem Groß mit Bullenstander 7 Kn Fahrt machen. Jetzt gibt es endlich die heiß ersehnte Tasse Kaffee und Aufbackbrötchen.
Es ist diesig und schwül und im Wetterbericht wird immer etwas von ´Thunderstorms´ gefaselt. Das betrifft zum Glück nicht unser Seegebiet. Meine Idee, vielleicht einen Abstecher nach Greetsiel zu machen verwerfe ich ganz schnell wieder. Wir sollten nicht zu sehr mit dem Wettergeschick spielen… So lautet das nächste Ziel also Borkum. Und da es ein berühmtes Riff davor gibt, müssen wir fast noch an der kleinen Insel Rottum vorbei, um endlich in das betonnte Fahrwasser zu gelangen - kein Wunder, dass einige Schiffe in der Vergangenheit meinten, das Ganze auch abkürzen zu können. Nur sind die Berichte der Überlebenden nicht dazu angetan, es ihnen nach zu machen.
Richtig hell ist es bisher noch nicht geworden heute, aber als wir uns dem Hafen nähern, reißen die Wolken auf und wir kommen bei strahlendem Sonnenschein in den hässlichsten Hafen der Welt. Selbst im Hafenhandbuch wird es so dargestellt, dass das Interessanteste die Kugelbake am Anfang einer langen Mole ist und der Hafen kurz vor dem Verfall steht. Außerdem haben wir Glück, dass der Wasserstand es überhaupt zulässt, dass wir hier einlaufen können. Bei Niedrigwasser und dem stetigen Nordostwind liegen hier alle Boote tief im Schlick und bewegen sich keinen Millimeter mehr.
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Norbert und Barbara wollen mit der Bahn in den Ort; Johannes, Sabine und ich leihen uns Räder, um die Insel zu erkunden. Wenngleich die Hauptorte auf Norderney und Borkum von See her gesehen nicht wirklich schön aussehen, haben beide Inseln auch ihren Flair. Hier an der Strandpromenade gibt es einen kleinen Pavillon, in dem zwei Musiker die komplette Stadt mit Saxophon und Klavier beschallen. Es ist am heutigen Freitag ziemlich viel los hier und wir genießen bei einer Tasse Kaffee den Trubel um uns herum.
Dann geht es weiter in Richtung Dünen und hier ist die Insel dann wirklich richtig schön. Kaum ein Mensch verirrt sich hierher und es liegt eine bizarre Landschaft vor uns. Der Strand ist so breit, dass wir das Wasser kaum sehen können und auf dem Strand sind Hunderte von kleinen Minidünen verstreut. Der Sand ist so feinkörnig wie Staub und fühlt sich unter den Füßen besser an als der auf Mallorca.
Im Ort gibt es als Attraktion einen Walfischzaun. Hier haben vor fast 300 Jahren die Walfänger ihr Unwesen getrieben und für jeden von ihnen, der bei der Jagd auf See geblieben ist, wurde zum Gedenken ein Zahn aus den Kiefern der großen Meeressäuger als Zaunpfahl aufgestellt. Das ist ein wenig makaber und die Zähne sehen eher aus wie verrottete und versteinerte Baumstämme.
Das war wieder ein herrlicher Tag, allerdings mit einem betrüblichen Ende. Barbara will uns verlassen und mit der ersten Fähre nach Emden übersetzen. Ihr geht es gesundheitlich nicht gut und wie sich später herausstellt hat sie eine schwere Wurzelentzündung im Kiefer gehabt. Wir sind alle sehr traurig darüber. Da waren´s nur noch vier.
An Auslaufen ist gar nicht zu denken. Noch um halb 12 stecken wir fest im Schlick und später, als das Wasser endlich hoch genug ist, befreit sich unsere Filou mit einem Schmatzen und Gurgeln aus dem schwarzen übelriechenden Modder.
Mit etwas zuviel Segelfläche schießen wir ein paar Mal in den Wind und haben eine Eingebung, als wir uns - bei noch kräftigem Gegenstrom - immer noch nicht von der Kugelbake entfernt haben. Mit einem Reff im Groß und eingerollter Genua geht es deutlich besser.
Weiterhin bläst der Wind aus NE mit etwa 5 Bft und wir kommen gut voran. Da wir heute den langen Schlag nach Vlieland vor uns haben, müssen wir in Kauf nehmen, dass es nicht ganz ohne Gegenstrom geht. Es wird ein langer Tag und wieder sind Gewitter und Hagelschauer angekündigt. Ich schaue hin und wieder mit sorgenvoller Mine in den Himmel, aber ich entdecke zum Glück keine der verräterischen Cumulunimbuswolken. Später hören wir, dass an diesem Tag bei einer Veranstaltung der Blitz in einen Baum einschlug, unter dem viele Menschen Schutz gesucht hatten. Also irgendetwas musste an den Meldungen ja dran sein. Auf dem Satellitenfilm ist später zu sehen, dass sich ein wenig südlich unserer Position die Gewitterzellen erst gebildet hatten und wir dadurch verschont blieben.
Wir nutzen den Tag, um wieder Übungen mit dem Sextanten zu machen. Vor allem Johannes scheint infiziert zu sein und hat vor lauter Aufregung rote Wangen. Obwohl wir wirklich gut vorwärts kommen, kentert der Strom bald gegen uns und noch haben wir fast 15 sm vor uns. Der Wind nimmt etwas ab und unsere Fahrt verlangsamt sich.
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Der Spi muss herhalten. Schnell sind die Leinen gelegt und das große 130 qm Tuch bläht sich vor uns auf. Immer wieder ein erhebendes Gefühl, wenn dieser große Ballon gesetzt ist und das Schiff hinter sich her zieht. Schon sind es wieder 7 Knoten durchs Wasser. Eine Stunde später müssen wir ihn wieder bergen. Der Wind lässt weiter nach und wir schmeißen den Motor an, damit wir noch gegen den Strom vorwärts kommen. Es wird stockfinster und trotz großer Müdigkeit müssen wir uns noch einmal richtig konzentrieren. Die Sicht ist gut und so können wir nahezu alle Tonnen im Wattenmeer hervorragend sehen. Das hat allerdings den Nachteil, dass es eine ganze Menge davon gibt und wir lauter rote und grüne Blinklichter, nur unterbrochen von ein paar weißen, über den Horizont verteilt sehen.
Ok, da hilft uns jetzt der Plotter (GPS sei Dank), erst mal den Einstieg ins richtige Fahrwasser zu finden. Wir sind alle hoch konzentriert und es macht zudem noch großen Spaß, hier durch zu fahren. Um kurz vor eins stehen wir vor der Hafeneinfahrt von Vlieland. Jetzt lass bloß nicht die Kette vor der Einfahrt sein - es ist schließlich Samstag und wir haben Hochsaison. Doch sind meine Befürchtungen unbegründet. Wir finden einen freien Platz an einem Längssteiger im völlig umgebauten neuen Hafen. Nach mehr als 80 sm fallen wir uns stolz und glücklich in die Arme.
Um halb zehn sitzen wir im Cockpit und genießen frische Croissants und duftenden Kaffee bei herrlichem Sonnenschein. Das ist doch besser als Urlaub! Den Tag verbringen wir auf unterschiedliche Art und Weise. Johannes und Norbert wollen heute ganz entspannt durch die Gegend laufen, Sabine und ich leihen uns Räder und erkunden die Insel.
Bei schönem Wetter ist es ein absolutes Muss, in die strandnahen Dünen zu fahren. Kaum ein Mensch verirrt sich hierher und wir haben den ganzen Strand für uns. Das Wasser kommt mir deutlich wärmer vor als auf Norderney, es hat bestimmt schon angenehme 18 Grad. Auch der kleine Leuchtturm ist immer wieder schön anzuschauen. Überhaupt bin ich wirklich gerne auf Vlieland. Der kleine Ort, die Ruhe - wenn einer sagt, er sei reif für die Insel, dann soll er doch hierher kommen… Als i-Tüpfelchen gibt es eine geniale Lauchsuppe von Norbert. Das ist Uuurlaaaauuub!!!
Am nächsten Morgen ist es so warm, dass wir uns einen Sonnenschutz basteln müssen, um draußen frühstücken zu können. Heute ist nur der kurze Schlag rüber nach Terschelling angesagt. Eine leichte Brise weht und wir kommen unter Segeln fast nicht voran. Am frühen Nachmittag sind wir im Hafen. In einer Lücke zwischen 2 Yachten, die mir von Weitem breit genug erschien, wagen wir den Anleger. Sabine, die das Steuer in der Hand hat, schaut etwas verwundert aber Ihr Vertrauen ist gerechtfertigt. Wir haben vorne und hinten jeweils 40cm Platz, das reicht doch... Mit diesem Wissen hätten wir dort wohl nie angelegt.
Gemeinsam erkunden wir die Insel. Es ist richtig sommerlich warm und wir freuen uns, ein wenig durch den recht üppigen Kiefernwald zu streifen und ein wenig Schatten zu haben.
Norbert hat die freudige Nachricht per SMS übermittelt bekommen, dass e nur noch bis zum Jahresende arbeiten muss. Er freut sich wie ein Schneekönig darüber und zur Feier des Tages spendiert er uns ein dickes Eis unter dem Leuchtturm Brandaris
Wie angekündigt zieht es sich zu und dicker Nebel verhüllt die Sicht auf den Leuchtturm. Es wird empfindlich kühl und wir verziehen uns unter Deck auf eine Runde Mäxchen.
Der letzte Segeltag bricht an und weil die Tide gnädig mit uns ist, lässt sie uns zunächst ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Noch im Schutze der Hafenmole setzen wir das Groß, können aber wegen der Gegenströmung nur mit Motorunterstützung fahren. Ausgangs des engen Fahrwassers setzen wir dann sofort wieder den Spi und schon ist auch Routine dabei - und immer noch Glanz in Johannes' Augen. Mit leichter Verspätung kommen wir eine halbe Stunde nach HW in Harlingen an und machen in der Stadt für eine Stunde Halt. Sabine und Johannes wollen das verlorene oder zerbrochene Inventar wieder ergänzen und Norbert und ich braten Pfannkuchen. Schnell zieht der Duft durch das Ursprungsland der Pannekoeken und den flanierenden Touristen in die Nasen.
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Johannes legt ab und wir fahren gemütlich mit raumem Wind nach Kornwerderzand. Unter Segeln geht es ins Vorbecken und als wolle der Schleusenwärter beweisen, dass die Holländer den Deutschen in nichts nachstehen, geht sofort die Brücke auf, so dass wir uns sputen müssen, die Segel schnell zu bergen. Hinter der Schleuse verlangen alle noch nach einem Ankermanöver und so gehen wir auf etwa 2,5 m Wassertiefe vor Anker, um die restlichen Pfannkuchen zu essen. Dabei reift der Entschluss, bei dem schönen achterlichen Wind doch schon heute nach Workum zurückzufahren.
Also den Spi noch mal hoch und mit 7 Knoten bei ruhigem Wasser gen Heimathafen. Um 22 Uhr ist die Filou wieder in ihrer Box und die Norwegentour findet ein glückliches Ende, ohne dass etwas Gravierendes zu Bruch gegangen wäre. Das hat die gute alte Dame wieder mal toll hinbekommen.
Eine schöne Überraschung gibt es für uns am nächsten Morgen, als Peter Witzcak uns mit dem VW-Bus von Bodewigs abholt. Barbara - unser in Borkum verlorengegangenes Crewmitglied - ist mit dabei und die Wiedersehensfreude groß.
Ein spannender und ereignisreicher Törn hat damit ein glückliches Ende gefunden.
Bericht von
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