Mit der "Filou" nach Norwegen 2009
3. Etappe: von Bergen nach Oslo

Als im Herbst 2008 die erste Mail zur neuen Reise der Filou erschien, habe ich nicht lange überlegt. Ein Revier mit einzigartiger Landschaft und Natur, eine Region, die man auf Charterbasis kaum erreichen kann…also Absprache mit der Familie, Urlaubsantrag im Büro gestellt und Anmeldung abgeschickt, aus beruflichen Gründen leider nur für eine Woche. Dabei war klar - es sollte eine Etappe in Norwegen sein.

Abfahrt Bergen war schnell geklärt und auch mit dem Flugzeug einfach zu erreichen, aber wo ist man nach einer Woche, wenn der Rest der Crew 2 Wochen fährt. Also wurden Karten und Internet befragt und siehe da, es gibt eine Eisenbahn von Stavanger nach Oslo, die einige größere Küstenstädte anfährt. Somit konnte die Rückreise ab Oslo geplant werden, der Rest würde sich schon finden.

Nach dem ersten Vorbereitungstreffen wurde allen bewusst, dass wir in einem außergewöhnlichen Revier unterwegs sein werden. Fjorde mit unberechenbaren Windverhältnissen, offene Nordsee auf der Höhe der Nordspitze Schottlands, fast keine Gezeiten und Seekarten, bei denen man eine Lupe braucht, um die Vielzahl der Inseln und Fahrwasser im Küstenbereich identifizieren zu können. Und die Frage kam auf: da sind ja fast keine Tonnen eingezeichnet…ach so, Bergschuhe hätte man auf dem Törn auch einpacken können!

Per Mail wurde dann noch zwischen der Crew (Volker, Petra, Arturo, Karin, Armin, Carsten) die Verteilung des zu importierenden Alkohols ausgemacht und untereinander die individuellen Anreisedaten ausgetauscht. Auch wurde eine grobe Route für 2 Wochen festgelegt. Zusätzlich kam die beruhigender Nachricht: Die Filou ist mit der Vor-Crew gut in Höhe Bergen angekommen. Also Treffpunkt:

23.5.09, Bergen, Hafen Vagen, Filou bitte an Hand des Vereinsstanders identifizieren

Am frühen Abend war die Crew vollständig, die Einkäufe waren erledigt und die Stadt war erkundet mit ihrer alten deutschen Hanse-Siedlung. Und im Hafen wehte sogar die deutsche Fahne an Bord von U17, einem U-Boot der Marine auf Übungsfahrt. Die Gefahr von eintönigen Mahlzeiten konnte noch kurz vor Abfahrt durch Zulieferung von Gerichten und Einkaufszetteln gebannt werden. Das wir jedoch Walfleisch direkt vom benachbarten Fischmarkt als Auftakt essen würden, hatte keiner auf der Liste. Lecker wars...

24.5.09, Bergen nach Sundal, Maurangerfjord, ca. 65 sm

Weil wir früh starten wollten, hatten wir am Vorabend schon die Außenposition im Päckchen eingenommen und so ging wirklich um kurz nach 7 Uhr der Motor an. Bei 1-2 Windstärken aus West-Süd-West lag ein langer Tag vor uns. Durch breite Fjorde mit Gegenverkehr von Kreuzfahrtschiffen und vorbei an kleinen Inseln, die man links oder rechts passieren kann stellte sich schnell raus: Tonnen braucht man nicht, der Tiefenmesser blinkt ständig wegen kaum messbarer Tiefen (laut Karte Rekord an diesem Tag bei über 400 Meter), auf Felsen in den Fahrwassern stehen Eisenstangen oder runde Steinhaufen (Schwarz-Weiß-Schwarz) und Rote Top-Zeichen entpuppen sich als Leuchtfeuer. Nach Durchfahrt des sehr breiten Björnafjord dann der erste Höhepunkt des Tages, der Lukksund, eine flussähnliche Engstelle mit - wie kann es anders sein, ca. 2,5 kn Strom gegenan. Da muss der Motor helfen und nach kurzer Zeit sind wir im Kvinnheradsfjord, welcher den Zugang in den berühmten Hardangerfjord darstellt, der sich fast 180 km in das Landesinnere zieht. Die Berge wurden höher, die Ufer steiler abfallend und die Sonne, welche uns am ersten Tag schon verwöhnt hatte, verzog sich hinter einigen kleinen Wolkenfeldern. Am frühen Abend dann plötzlich Umtriebigkeit an Bord: Kochen und Spi setzen gleichzeitig. Hunger und Geschwindigkeit…Da hatte keiner einen Blick für diese etwas dunklere Wolke, die sich Backbord über den Bergkamm drückte, und im Moment des Spi-Setzens war die Böe da, es wurde dunkel und Regen war auch plötzlich in der Luft - also Spi wieder runter und durch die Luke alles in die Bugkabine. Und Essen in Etappen - es war noch nicht ganz kalt. Umso spektakulärerer dann die Einfahrt zu unserem Ziel, dem Maurangerfjord. Bedrohlich schwarze Wolken, keine Gipfel zu erkennen und auch kein Ende des Fjords, eher ein V mit Wolkenvorhang. Einzelne Lichter von Fischfarmen an den steilen Ufern und ein Wasserfall, der sich direkt in das Meer ergießt…das ist sie also, die Traumwelt der Fjorde. Gegen 21:30 Uhr legen wir dann an einem kleinen Holzpier in Sundal vor der Türe des Kaufmanns an. Es ist noch ein weiteres Segelschiff aus Deutschland am Pier.

25.5.09, Sundal nach Rosendal, ca. 15 sm

Am nächsten Morgen waren die Wolken weg, wir sahen eine alpine Bergwelt und schneebedeckte Gipfel. Über dem Ort war zusätzlich eine Gletscherzunge des Folgefonna-Gletschers zu sehen. Und für uns kaum vorstellbar: von Sundal nach Bergen mit dem Auto über Land würde es mehrere Stunden dauern. Ach so, Autos und Menschen waren selten zu sehen. Nach einem Frühstück auf dem Pier wurden die Rucksäcke gepackt und es ging los zur Gletschererkundung. Nach ca. 90 Minuten Aufstieg ein erster Zwischenstopp an einem Bergsee. Wir waren uns alle einig, so was gibt es doch eigentlich nur auf Postkarten. Auf einem mehrsprachigen Schild für Besucher wurde das Panorama als "nationalromantisch" übersetzt. Wir waren alle fasziniert. Die Gletscherzunge haben wir nicht ganz erreicht und nach ca. 5 Stunden waren wir zurück am Schiff.

So gegen 17 Uhr hieß es dann Leinen los und ein Stück des Weges zurück, den wir gestern gefahren waren. Rosendal am Storsundet war unser Ziel. Unser erster Anleger am Hotel war gut, aber das Duschen sollte ca. 6 Euro pro Person in einem Hotel kosten, also wurde noch mal der Motor angeworfen und der Stadthafen angelaufen. Hier wurde zwar an den Stegen noch gearbeitet, dafür gab es Strom und Duschen umsonst (bzw. keiner konnte den Hafenmeister auftreiben und keiner wollte unser Liegegeld annehmen)!

26.5.09, Rosendal nach Haugesund, ca. 41 sm

Bei hoher Bewölkung, Windstille und spektakulärem Bergpanorama gleiten wir unter Motor ab 10 Uhr durch den Storsundet, gegen 11 Uhr können dann die Segel hoch und wir nehmen Fahrt auf Richtung Nordsee. Die Fjordwelt lassen wir schon hinter uns aber es bleibt spektakulär. Husnesford, Leirvik Backbord querab, Klosterfjord, Bömlafjord eine Bohrinselbaustelle, Fähren und schließlich die offene Nordsee vor Haugesund mit 4-5 Bft Wind von West tragen uns unserem Tagesziel recht schnell entgegen. Leider kommen jetzt auch Schauer dazu - die wir jedoch meistens vor oder hinter uns sehen. Dann die Einfahrt nach Haugesund: überall Felsen, kleine Inseln und nun auch vereinzelt rote und grüne Spieren…aber wo geht es genau lang, zwischen welchen Inseln soll man durch…und hier wurde zum ersten Mal für einige der Crewmitglieder deutlich: der Rudergänger fährt genau den Kurs, der vom Navigator angegeben wird… alles andere ergibt sich von selbst. Und so war es auch. Plötzlich öffnete sich nach Backbord die Einfahrt in den Hafen…wo die Tender und Fähren hinter uns plötzlich her kamen, konnte keiner so genau sagen, jedenfalls nicht durch unser Fahrwasser...

27.5.09, Haugesund nach Tananger (bei Stavanger), ca. 37 sm

Zunächst müssen die Vorräte aufgestockt werden und so ist es gut, dass wir mitten in der Stadt liegen. Im Supermarkt ist die Kassiererin eine junge Frau aus Brandenburg und eine weitere Mitarbeiterin mit guten Deutschkenntnissen erklärt unsere Suche nach Apfelkompott für nutzlos. In Norwegen werden Äpfel zu Marmelade verarbeitet, alle anderen Früchte kann man als Kompott haben…andere Länder, andere Sitten. So wird nichts aus dem Plan, eine Abwandlung von "Himmel und Erde" zu kochen. Um 11 Uhr geht es los, Wind 3-4, später 4-5 aus SW, Schauerböen und die dazugehörigen Schauer, wir haben auch Hagel gesehen…Also Genua runter, Fock hoch und Reffleinen kontrolliert. Nach Ausfahrt aus dem Karmsund dann offene Nordsee mit langgezogenen Wellen. Querab die Einfahrt zum Boknafjord und diverse Inselgruppen, an denen man sich als Rudergänger gut orientieren kann, um Kurs zu halten. Zum ersten Mal werden die Lifebelts ausgepackt. Bei Wassertemperaturen um die 10 Grad kann man nicht wirklich von Badewetter sprechen. In Tananger legen wir dann direkt vor einem Hotel an, dessen Sanitäranlagen man benutzen kann. Mit dem Bus geht es dann um 19 Uhr in die Innenstadt von Stavanger und wir finden ein nettes Restaurant zum Abendessen. Nur an die Bierpreise muss man sich gewöhnen. Ein großes Bier für mehr als 10 Euro - da teilt man sich das Glas ein! Am Nachbarsteg macht eine Yacht aus Melbourne/Australien fest - na ja, die haben wohl auch nicht den direkten Weg genommen.

28./29.5., Tananger nach Mandal, ca. 105 sm; Mandal nach Kristiansand, ca. 26 sm

Wir hatten mehrfach in der Vorbereitung darüber gesprochen, irgendwann musste ein größerer Schlag gemacht werden, um die Filou rechtzeitig nach Oslo zu bringen. In der ersten Woche wollten wir es auf jeden Fall bis an die Südspitze von Norwegen schaffen. Der Wetterbericht sagte Wind aus Nord voraus, die Stärke klang im Mittel von 5 bis 6 Bft. beherrschbar und wir wollten ja nach Süden. Achterlicher Wind bei Wellenhöhen von ca. 2 Metern…über Funk die Wetterberichte von Rogerland Radio auf norwegisch waren schwer zu entschlüsseln, aber Handy-Netze sind in Norwegen perfekt und so konnte uns die tägliche Wetter SMS Vertrauen geben. Also ging es gegen 10 Uhr los. Anfangs noch mit Groß und Fock, später nur noch mit Groß im 2. Reff und Bullenstander fuhren wir bei gleichbleibenden Bedingungen bis gegen 23 Uhr gen Süden, immer die Küste auf Backbord im Blick. Da es erst gegen 23:30 wirklich dunkel und ab 3 Uhr wieder hell wird war die Nacht kurz. Der anfängliche Widerwille bei dem Seegang unter Deck zu gehen wurde nach und nach gebrochen und Reih um wurde sich im Schlafsack gewärmt, obwohl die ganze Zeit die Sonne schien. Seekrank wurde keiner! Und sogar eine Hühnersuppe haben wir hinbekommen…mit viel Reis und wenig Flüssigkeit. Das Segeln war an diesem Tag ein Erlebnis. Welle über die Schulter beobachten, den Wellenkamm richtig erwischen und hinunter surfen - die Logge soll einige Male mehr als 9 kn gezeigt haben! Und so ein Bullenstander ist ne feine Sache, davon musste sich jeder Rudergänger an diesem Tage überzeugen. Gegen Mitternacht schlief dann, wie von Volker erwartet, der Wind ein und die See wurde glatt. Leuchtfeuer zeigten uns den Weg, einige bewegten sich auch plötzlich und wurden zu Schiffen ;-) und pünktlich zum Sonnenaufgang standen wir einige Seemeilen vor Mandal. Welch ein Naturspektakel - Sonnenaufgang und eine Schärenwelt, die aus dem Grau über Rot zu Grün und Braun erwacht. Um 6:30 Uhr machen wir fest, trinken einen verdienten Anleger (Campari-Orange) und verabreden uns für 11 Uhr zum Frühstück. Wir wahren ca. 21 Stunden auf See und haben 105 sm zurückgelegt.

Mandal ist eine kleine Stadt mit Badestrand in geschützter Bucht und der Eingang in den Schärengarten von Südnorwegen. Das Wetter macht auf "Hochsommer". Nach Stadtbummel und Ersteigung des Aussichtsberges steht der Entschluss: wir fahren noch weiter bis Kristiansand. Abfahrt gegen 17 Uhr und vorher noch ein Fischgericht bei der örtlichen Fischereigenossenschaft…doch kurz vor Abfahrt müssen wir feststellen, dass unser Grossegel zwei kleine Risse in Höhe der oberen Stagen aufweist. Eine Reparatur erscheint in Mandal kaum möglich. Also geht es sofort los nach Kristiansand. Sonne und Wind bei 1-2 Bft. aus West sind perfekt und wir fahren einen Teil des "inneren Weges" durch die Schären unter Motor…da halten sich auch kleine Motorboote wie auf einer Linie gezogen genau an die auf den Karten eingezeichneten Fahrwassern. Und manchmal sind die wirklich eng und man sieht die Steine im klaren Wasser unter dem Schiff. Hunderte Inseln, auf jeder je nach Größe eine Anzahl von Holzhäusern mit hübsch angelegten Terrassen oder Gärten und das Motorboot vor der Tür. Hier fährt man zum Einkaufen und zum Restaurantbesuch per Boot. Später ziehen wir dann raus ins freie Wasser und versuchen etwas Strecke zu machen. Schließlich sind es insgesamt doch 26 sm. Bei achterlichem Wind sehen wir die Sonne versinken, die wir morgens begrüßt haben. Dabei wird mit Blick auf den Kompass nochmals deutlich: hier geht die Sonne in Nordost auf und in Nordwest unter, und ein roter Schimmer steht lange im Norden…nun kommt auch noch mal der Spi zum Einsatz. Gegen 24 Uhr legen wir im Gästehafen von Kristiansand an. Hier herrscht städtisches Flair und die Sanitäranlagen im Hafen sind total verdreckt. Der Segelmacher ist weit weg und nur mit dem Schiff wirklich zu erreichen. Nach kurzer Nacht gibt es ein Frühstück auf die Hand und ich packe meine Sachen. Der Bahnhof ist vom Gästehafen nicht weit entfernt und die letzte Möglichkeit pünktlich nach Oslo zu kommen ist der Zug um 14 Uhr. So heißt es dann Abschied nehmen von Filou und Crew. Bei sommerlichem Wetter endet ein für mich unvergesslicher Törn. Ich beneide den Rest der Crew, die noch eine Woche vor sich haben.

Norwegen ist eine Schiffsreise wert, und selbstgesteuert wird sie unvergesslich!

, 7.6.2009

30.5., Kristiansand nach Lillesand, ca. 42 sm

Nachdem wir Carsten verabschiedet haben heißt es für uns erst einmal den Segelmacher suchen. Der Aushang im Hafen von Kristiansand hat uns die Koordinaten gegeben. Also auf zum Dock nach Andøya. Hier müssen wir feststellen, dass der Segelmacher geschlossen hat - Samstags wird hier halt nicht gearbeitet. Die Herrn bei den Motorschiffen nebenan sind zwar sehr hilfsbreit, aber als sie hören, dass wir Probleme mit einem "Segelboot" haben, können sie uns auch nicht weiterhelfen und man sieht ihnen an, was sie denken: selber Schuld, wenn die unbedingt Segeln wollen. OK - dann muss das getapte Segel eben bis Oslo halten.

Doch was tun mit dem Tag? Das Wetter ist gut und in den schmutzigen Hafen von Kristiansand wollen wir nicht wieder zurück. Nach einigen Überlegungen entschließen wir uns doch heute auch wieder einen etwas längeren Schlag zu machen und wählen Lillesand als Ziel. Bei wenig Wind ziehen wir erst einmal die Genua auf und segeln bei strahlendem Wetter die Küste entlang.

Bei der Anfahrt auf Lillesand sehen wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben: ein netter kleiner Ort, in dem an einem Samstag Abend auch die gesamte Bevölkerung der umliegenden Inseln zum Flanieren oder zur Party kommt. Der Hafenmeister spricht perfekt deutsch und erzählt uns beim Anleger, dass er lange in Österreich gelebt hat. Nebenbei werden wir auch informiert, was so ein kleines Ferienhäuschen auf den Schären kostet: so ab 1. Mio Euro - schluck, der Traum rückt doch in weite Ferne.

Das Abendessen gibt es in Gedenken an Carsten: auch ohne ihn und den lang gesuchten Apfelkompott schmecken die Alpenmakronen klasse.

31.5., Lillesand nach Ankerbucht Nordmannsviga, ca. 6 sm

In Lillesand wollen wir erst einmal ausschlafen und die Gelegenheit nutzen unsere Wäsche zu waschen: wir können den zweiten Hafenmeister überzeugen, dass die funkelnagelneuen Waschmaschinen und Trockner doch schon funktionieren und demonstrieren ihm, dass Miele gute deutsche Qualität ist.

Dann gibt es eine kurze Besichtigungstour durch den Ort und danach machen wir uns in kleinen Gruppen mit dem Dingi (wenn wir es schon so weit mitgebracht haben, wollen wir es auch nutzen) auf den Weg in die Schären. Hier geht es an engen Felsen vorbei an Orte, wo wir mit der Filou nicht hingekommen wären. Aber immer wieder stellt man fest: fast überall sind hier die kleinen Motorboote unterwegs und selbst die kleinsten Buchten sind gut besucht.

Wieder zurück beschließen wir noch auszulaufen und uns eine schöne ruhige Bucht zum Ankern zu suchen. Das ist hier vollkommen anders: bei jeden normalen Törn läuft man immer morgens aus und schaut, dass man am Nachmittag oder wenigstens am frühen Abend im Hafen ist. Hier in Norwegen segeln wir hingegen oft bis in die späten Abendstunden.

Durch die engen Schären geht es jetzt zur der Bucht Normannsvika und beim zweiten Versuch hält dann auch der Anker. Man kann die Leute mit ihren Ferienhäusern hier nur beneiden: hier lässt es sich aushalten. Besonders nachdem die kleinen Motorboote endlich verschwunden sind, die hier anscheinend gerne mal testen, was der Motor so hergibt.

Nachdem Volker immer noch kein Erfolg beim Fischen hatte, müssen wir uns beim Abendessen doch auf unsere Vorräte beschränken und genießen den ruhigen Abend und einen schönen Sonnenuntergang.

1.6., Nordmannsvika nach Risør, ca. 41 sm

Nach einem entspannten Morgen und einer kleinen Toiletten-Dingifahrt machen wir uns erneut auf den Weg. Durch die Schären geht es mit dem Motor, aber als wir die offene See erreichen stellen wir fest, dass auch hier absolute Flaute herrscht. Also müssen der Motor und unser Freund Hugo Dienst tun.

Aber warm ist es, besser schon heiß. Es ist schon der vierte Tag hintereinander, an dem wir mit kurzer Hose rumlaufen und heute schafft es einer der Herren sogar zu "oben ohne". Wie war das vorher mit den Kollegen, die alle fragten, ob es nicht noch ein wenig zu kühl in Norwegen ist im Mai...

Am späten Nachmittag haben wir dann doch noch Glück und es kommt Wind auf - na ja immerhin etwas und wir können dann doch noch bis fast in den Hafen von Risør segeln. Nach dem Anlegen und dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang durch die schöne Stadt, die fast nur aus weißen Häusern besteht. Hier gibt es auch einen Supermarkt und einen Laden, in dem wir morgen früh noch die letzte fehlende Karte für den Oslofjord kaufen können.

2.6., Risør nach Nevlungshavn, ca. 45 sm

Heute müssen wir ein Stück weiter in Richtung Oslo kommen, aber zuerst müssen wir die Vorräte auffüllen. Das Wetter ist umgeschlagen und unser Wetterbericht und die Auskunft des freundlichen Skippers des Traditionsseglers verheißen nichts Gutes: Nord 4-5 bzw. 6-7 Bft. D.h. immer schön gegenan und am nächsten Tag soll es auch nicht besser werden.

Also direkt noch im Hafen die Genua gegen die Fock austauschen und dann geht es los. Der Wetterbericht wird bestätigt: reichlich Wind und dazu immer mal wieder ein paar Tropfen. Als wir elf Stunden später in Nevlungshavn einlaufen sind wir froh hier festzumachen, auch wenn jeder Ausstieg aus dem Boot eine sportliche Übung wird: der Pier ist hier min. 1 - 1,5 Meter über der Reling: nichts für kleine Leute. Oder anders gesagt: Toilettengang am Besten nur bei Hochwasser.

3.6., Nevlungshavn nach Verdens End, ca. 24 sm

Am nächsten Morgen pfeift es so stark, dass wir beschließen erst Mittags auszulaufen, dann soll der Wind ein wenig besser werden nachdem er die ganze Nacht getobt hat. Jetzt können wir vielleicht mal die neue Sturmfock ausprobieren.

Aber zuerst noch ein paar fehlende Kleinigkeiten beim Kaufmann besorgen. Hier entschuldigt sich die Dame doch sofort, dass heute - Dienstag - nach den Pfingsttagen so wenig Ware vorhanden ist, aber Freitag würde neue kommen - so lange wollen wir dann allerdings doch nicht warten.

Nach dem Auslaufen aus dem geschützten Hafen erleben wir unser blaues Wunder: spiegelglatte See, wenig Wind - was wollen wir mit der Sturmfock? Also erst mal wieder ein Segelwechsel. Aber unter den Wolken pfeift es dann doch ganz plötzlich wieder richtig heftig: Windstärke 6-7. 5 Minuten später dann wieder absolute Flaute. Und wir haben uns über den Wetterbericht lustig gemacht: 0-1 Bft. mit Böen bis 7. Wer glaubt schon so was? Aber wir haben es jetzt erlebt.

Nach diesen Wetterkapriolen entscheiden wir uns heute für Verdens End und beginnen mit einer spannenden Anfahrt zwischen engen Felsen hindurch. Die Hafeneinfahrt hat wohl angeblich 35 Meter, aber da sind die Felsen unter Wasser wohl nicht berücksichtigt. Dafür werden wir mit einem wunderschönen Hafen belohnt, der zwischen glattgeschliffenen Felsen liegt und fast vollkommen leer ist. Am Toilettenhäuschen sind Bilder von der Saison - puuh, dann kann man froh sein, dass jetzt noch Vorsaison ist. Auf jeden Fall ist es traumhaft schön hier.

4.6., Verdens End nach Sætre, ca. 55 sm

Am Morgen geht es früh los, ansonsten schaffen wir es nicht rechtzeitig in Richtung Oslo. Und mal wieder haben wir kein richtiges Glück mit dem Wetter: der Wind kommt immer aus Norden. Lt. Vorhersage mind. bis Freitag Mittag, aber da wollen wir ja eigentlich schon in Oslo sein. Also fahren wir erst einmal wieder unter Motor durch die enge Ausfahrt und ein ganzes Stück in Richtung Oslo. Doch am Nachmittag können wir noch mal ein gutes Stück segeln. Mittlerweile sind wir schon im Oslofjord. Hier müssen wir uns das Fahrwasser schon mal mit einem der großen Kreuzfahrtschiffe teilen. Aber ansonsten ist es eigentlich erstaunlich ruhig hier. Bis dann ein Hagelschauer kommt, bei dem man nicht mal mehr 20 Meter weit sehen kann. Deshalb beschließen wir, uns hier noch mal einen Hafen zu suchen, wo wir vielleicht auch einen Segelmacher finden: Sætre soll unser Ziel sein. Aber die Anfahrt: auf der einen Karte steht eine Tiefe von 1 Meter, da können wir wohl nicht durch. Auf der anderen Ecke soll es 2 Meter tief sein. Lt. Kartenplotter müsste es eigentlich funktionieren. Also versuchen wir es mal hier und siehe da: es passt.

Im strömenden Regen laufen wir in den Hafen ein. Einen Segelmacher gibt es nicht, aber zumindest eine Tankstelle, so dass wir diesen Punkt schon mal abhaken können. Also den "Anleger" noch ein wenig verlegen, die Kuchenbude, die im strömenden Regen fast schon aufgebaut war wieder runter und schnell einen kleinen Ausflug an die Tanke: hier ist es mit Sicherheit wesentlich billiger als in Oslo. Doch dann haben wir es auch wieder geschafft und machen uns über die letzten festen und flüssigen Vorräte her.

5.6., Sætre nach Oslo, ca. 40 sm

Heute ist unser letzter Segeltag und da wir auch immer noch zum Segelmacher müssen legen wir in aller Frühe ab und Frühstücken ein letztes Mal auf See. Und heute haben wir noch mal Glück und das Wetter spielt mit: kein Regen und ideale Segelbedingungen. So erreichen wir gegen Mittag Oslo und "fahren erst einmal die Promenade ab" um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Jetzt aber mal schauen, wo wir anlegen können. Im ersten Hafen, der unser Übergabehafen sein sollte, werden die Stege neu gemacht und es heißt: geschlossen. Also doch dann vorbei an der königlichen Jacht zum Königlichen Segelclub und nach dem nächsten Segelmacher fragen. Nach einige Mühen haben wir dann eine Adresse und finden den Ort auch auf unserer Karte. Also wieder ablegen und los geht's: kurz vor dem vermeintlichen Hafen haben wir dann auch den Segelmacher am Telefon: na ja, so ganz richtig wären wir da nicht... Letztendlich müssen wir dann noch mal ein ganzes Stück raus und durch einen engen Fjord und vorbei an den Schären geht es zum Segelmacher: 1 Stunde später ist das Segel wieder wie neu und der kaputte Reißverschluss des Lazy-Jacks auch wieder repariert.

Nun können wir in alle Ruhe zurücksegeln - wir müssen ja schließlich noch ausprobieren, ob das Segel so wieder richtig funktioniert. Am spätern Nachmittag laufen wir dann zum zweiten Mal an diesem Tag in Oslo ein. Eigentlich wollen wir in den Stadthafen aber schöne Liegeplätze gibt es hier nicht: alles reserviert wegen der Regatta morgen. Wir könnten uns aber von außen an die Mole legen. Na ja, da hoffen wir mal, dass wir noch was Besseres finden. Also wieder los und zum nächsten Hafen. Der einzige freie Platz ist so halb an der Tankstelle und da dürfen wir nicht liegen bleiben.

Plötzlich begrüßt uns jemand von hinten in deutsch: Michael von der 4. Crew hatte uns zufällig im ersten Hafen beobachtet und wollte hier schon mal schauen "wo wir das Boot abstellen".

Trotzdem heißt es wieder ablegen und zum nächsten Hafen. Hier waren wir heute morgen schon mal. Und der Hafenmeister sagt uns wieder: geschlossen, auch wenn wir inzwischen gut in einer freien Box liegen. Die Saison beginnt hier erst am 21. Juni. Naja, solange wollen wir dann auch diesmal nicht warten.

Also: ablegen und weitersuchen. Im Ruderclub dürfen wir auch nicht festmachen... Mittlerweile sind wir auch bereit außen an der Mole im Stadthafen zu liegen. Also: wieder zurück. Während der Verhandlungen mit dem Hafenmeister haben wir Glück: ein Boot läuft aus und wir können den Platz haben, wenn "wir da anlegen können". Klar können wir und zwei treibende Bootshaken im Hafenbecken und einige neue Erfahrungen bzgl. Muringbojen (Volker: das Seil muss man da durch ziehen) später liegen wir fest vertäut im Hafen.

Den letzten Abend feiern wir noch einmal mit Walfleisch und unseren restlichen Alkoholvorräten und im Laufe des Abends kommt auch der Rest der nächsten Crew schon mal vorbei, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist.

6.6./7.6., Oslo

Heute heißt es zusammenpacken, aufräumen, sauber machen und für Karin auch schon wieder zurück nach Hause. Der Rest der Crew bleibt noch einen Tag und möchte sich Oslo anschauen.

Es war ein klasse Törn: Wir haben in den zwei Wochen 500 sm zurück gelegt und hatten trotz oder wegen des wechselnden Windes viel Spaß beim Segeln. Dazu kommt eine ganze Reihe von unvergesslichen Eindrücken: die Landschaft der Fjorde und der Schären wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

, 20.6.2009

 
Impressionen
Und hier noch einige Bilder von Norwegen. Zum Vergrößern einfach auf das Foto klicken.
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