2. Etappe: von Ebeltoft nach Bergen
Es ist zwei Jahre seit Roland Klaiß und ich die erste Etappe des Rund-England-Törns mit der Filou zusammen gesegelt sind. Wir sind ein gutes Team und können uns in jeder Situation aufeinander verlassen. Dieses mal ist Felix Wenzel als drittes Crewmitglied dabei. Leider ist unser viertes Crewmitglied Egon Scheffler kurz vorher ins Krankenhaus gekommen und kann nicht an der Reise teilnehmen. Wir wünschen Egon gute Besserung und viersichern ihm, daß er sich keine Sorgen machen sollte, ob wir das zu dritt schaffen.
Am Freitag 8. Mai ist es soweit und wir fahren mit dem Ford Galaxy von Roland die Nacht durch nach Dänemark. Dabei haben wir 252 Dosen Bier das Volker Stappen in Holland besorgt hat. Alkohol ist in Norwegen sehr teuer ca. 3 Euro pro Dose Bier und wir wollen die Bordkassen nicht zu sehr belasten. Das Bier sollte für die nächsten 2-3 Etappen reichen. Mal sehen ob was nach unserer Etappe übrig bleibt! In den Kneipen stellen wir später fest, daß wir 8-10 Euro für ein großes Bier bezahlen müssen.
Ziel in Dänemark für die Übergabe der Filou sollte Aalborg sein aber die Crew von Charly Nicasias hatte die geplante Distanz nicht geschafft und wir übernehmen am Samstagmorgen die Filou in Ebeltoft ca. 90 sm vor Aalborg. Wir hatten für die erste Woche bis Stavanger 260 sm von Aalborg aus geplant - jetzt müssen wir 350 machen. Aber die Übergabe und Proviantierung geht schnell, auch eine neue Bordbatterie wird eingebaut und wir laufen schon Mittags aus (was ursprünglich nicht geplant war) um wenigstens die 25 sm nach Grenaa gut zu machen. Der Wind ist gut mit 5 Windstärken aus SW aber übermorgen sollte es auf Nord drehen. Da müssen wir das Kap von Skagen noch bevor der Wind gegen uns steht umrunden!
Am nächsten Tag ist der Wind immer noch gut mit 4-5 aus West und wir entscheiden uns direkt die 90 sm nach Skagen zu laufen. Es wird eine tolle Fahrt. Die Filou läuft Rumpfgeschwindigkeit und wir erreichen unser Ziel noch eine Stunde vor Sonnenuntergang. Wir sind wieder in unserem ursprünglichen Zeitplan - super!
Die Wettervorhersage für die nächste Woche sagt ein Hochdruckgebiet über Süd Norwegen voraus - mit so viel Glück haben wir nicht gerechnet. Montagmorgen haben wir Zeit die Stadt Skagen anzuschauen - es sind erstaunlich viele Touristen da obwohl es noch sehr früh im Jahr ist. Die Stadt ist sehr nett aber zwei Stunden reichen schon - wir wollen mittags raus. Der Wind hat schon wie angekündigt mehr auf Nord gedreht und es herrscht im Skagerak eine raue See. Wir kämpfen uns um das Kap Skagen und können dann endlich Kurs auf Kristiansand setzen, unser erstes Ziel in Norwegen. Zuerst sieht es aus, als ob wir nach Kristiansand kreuzen müssen. Die Distanz beträgt ca. 100 sm von Skagen aus und eine Nachfahrt ist ohnehin geplant, aber es wäre schön, wenn wir am nächsten Tag etwas Zeit in Kristiansand zur Besichtigung haben. Aber zum Glück hat Roland die "Geheimwaffe" mit - Gribdaten. Die Daten werden jeden Tag über Handy oder per WLAN auf den Bord-PC geladen und geben im engen Raste allen 6-Stunden die Windvorhersage für das Seegebiet an. Hier sehen wir, daß der Wind im weiterem Gebiet westlich von uns später nach NE dreht - aber nur relativ lokal. Wir können unsere Route hiernach planen und laufen ohne zu Kreuzen im wunderbaren Bogen direkt unser Ziel an. Wir sind um 09.00 Uhr Morgens da und haben den ganzen Tag für uns in Kristiansand!
Jetzt sind wir glücklich in Norwegen angekommen aber was ist mit dem Zoll und unserer 240 Dosen Bier ? (ein Paar haben wir schon vernichtet).
Die Einfuhrbestimmungen für Alkohol sind ziemlich streng und die Freimengen minimal. Ja, Risiko eingehen, daß wir nicht kontrolliert werden oder brav verzollen?
Wir suchen den mittleren Weg und melden uns beim Zoll schon freiwillig an - die sagen uns einen Besuch für den Nachmittag an. Wir sind scheinbar nicht so gut im zählen und geben unsere Vorräte mit ca, 100 Dosen an! Als die Zollbeamten an Bord kommen nehmen die schon Platz gemütlich im Cockpit und plaudern mit uns über die Überfahrt. Die wollen eigentlich wissen ob wir direkt nach Kristiansand gekommen sind und nicht schon kistenweise unsere Alkoholvorräte woanders angelandet haben, um die Reise damit zu finanzieren! Aber wir erzählen fröhlich von unserem Verein und welche Etappen im Norwegen und Dänemark noch mit anderen Crews geplant sind. Felix führt das Gespräch - das kann er gut. Am Ende glauben die Beamten uns ohne nachzuschauen und wir zahlen für Bier und Schnaps ca. 80 Euro Zoll und haben einen halbwegs gutes Gewissen und den "Wisch" vom Zoll für die nächsten Crews.
Kristiansand ist eine sehr schön Stadt, besonders beim strahlenden Sonnenschein. Die Luft ist dabei kristalklar und alles erscheint in wunderbaren Farben. So geht es auch die nächsten Tage weiter über Mandal, Korshavn (ein Tip von den Zollbeamten), Egersund nach Stavanger. Nach guten Segeltagen, teilweise unter Spinacker, erreich wir am Freitagnachmittag Stavanger und machen fest im neuen Haven am Ölmuseum (ja, so was gibt's im Ölreichtum Norwegen).
In der Stadt ist viel los, besonderes im alten Hafenteil wo die Restaurants und Kneipen sind. Viele junge Leute feiern das Wochenende des Nationalfiertags, dem 17. Mai also am folgenden Sonntag. Wir finden kaum einen Platz zum essen und müssen an der Theke fast eine Stunde warten, bevor ein Tisch für uns frei wird. Auch beim Durchschnittspreise pro Essensgericht von € 25 und € 8 für ein Bier ist alles voll!
Am nächsten Tag verlässt uns leider der Felix es war sehr nett mit ihm an Bord. Wir waren zusammen eine gute Crew. Für Felix ist gegen Mitternacht Michael Tegtmeier aus Düsseldorf mit dem Flieger ankommen. Die neu zusammen gesetzte Crew muss sich wieder finden
Jetzt fängt es richtig an mit der typisch Norwegischen Fjordlandschaft. Direkt am Samstag wolle wir einen der spektakulären Fjorde erkunden - den Lysefjord mit dem weltberühmten "Prekestolen" - der Prediger Kanzel. Von diesem Felsenplateau geht es Sicherungsgelände senkrecht ca. 600 m nach unter zum Fjord.
Der Wind ist böig und das gute Wetter geht langsam zu ende. Wir kreuzen lange um in den Lysefjord reinzukommen. Zuerst können wir den berühmten Felsen nicht finden, aber dann sehen wir oben winzige Figuren die uns anschauen - da muss man bestimmt gut schwindelfrei sein um an der Kante so zu stehen! Wir machen viele Photos aber es ist einfach zu weit nach oben um viel Detail zu sehen. Es ist so wie so langsam Zeit, daß wir zurückfahren zum Eingang des Fjords um in Forsand zu übernachten.
Am nächsten Tag ist es entgültig vorbei mit dem guten Wetter - böige Wind aus SW und etwas Regen bringt uns aber schnell nach Haugesund. Es ist Sonntag, Nationalfeiertag und wir wollen das in Haugesund (eine Kleinstadt nördlich von Stavanger erleben). Die Norweger sind sehr nationalstolz und fast alle Häuser auf dem Weg zeigen die Nationalflagge am weissen Flaggenmast im Garten. Riesige Exemplare gibt es und alle sehen wie neu aus, die Farben kein bisschen verblasst! In Haugesund ist die Party schon im vollen Gange aber wir schaffen es zur Hauptstrasse zu kommen gerade als die Parade anfängt.
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Alle Musikgruppen, Vereine, und andere Organisationen nehmen an der Parade teil, toll angezogen in den Nationalfarben. Aber auch die meisten Zuschauer sind im schicken Anzug oder Nationalkostüm - wirklich vom Kind bis zum Greis. Die Jugendlichen die in den Kneipen feiern sind ebenso angezogen und sehr freundlich zu uns. Wir sind schwer beeindruckt.
Wir wollen noch einen Fjord erkunden und nach kurzem Zwischenstop in Mosterhamm am Dienstag in den Hardangerfjord segeln. Und es klappt wirklich mit dem Segeln zum Ziel Sundal ca. 30 sm weit Inland trotz hohen Berge links und rechts. Wir machen fest vor dem Kaufmannsladen bei Regen und sind ganz allein. Aber es dauert nicht lange, da kommt ein zweites Schiff auch unter deutscher Flagge an. Es ist eine große Yacht vom DHH in Glücksburg auch etappenweise auf Norwegen-Törn. Da können wir ein bisschen plaudern von Crew zu Crew und erfahren, daß es nur zwei zahlende Gäste von vier Crew plus Skipper an Bord gibt - na, wie die DHH das finanzieren kann?
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Am nächsten Tag gibt es ein Highlight des Törns - keinen Segeltag aber dafür eine Wanderung zum Bondhus-Gletscher. Sehr beeindruckend auf dem weg dorthin - der spiegelglatte Gletschersee mit perfekter Bergspieglung. Aber wir waren natürlich viel zu warm angezogen für den Anstieg und müssen die überflüssigen Klamotten unterwegs deponieren. Kurz danach begegnen wir drei Ziegen und hoffen, daß sie beim Anblick auf unsere Gardrobe nicht Appetit bekommen!
Ganz an die Gletscherzunge kommen wir nicht. Der Gletscher hat sich über die letzten Jahre weit zurückgezogen und das Geröllfeld darunter liegt komplett frei. Das letzte Stück zum Eis ist eine steile Kletterpartie. Michael versucht es, aber es ist zu schwierig und auch nicht ungefährlich! Also dann den Abstieg antreten und zum Schiff zurück. Heute gibt es halt kein Eis für die Cocktails an Bord!
Jetzt müssen wir aber langsam in Richtung Bergen weiter. Volker Stappen kommt mir seiner Crew übermorgen an. Vorher gibt es noch ein schönes Ziel das wir anlaufen wollen - der kleine Hafen Kolbeinshamm. Als wir einlaufen, sehen wir hinter dem Steg daß die Fischer dabei sind, ihren Fang auszunehmen und freuen uns auf einer schönen Fischmahlzeit am Abend. Nach dem Anlegen geht Michael los, um mit den Fischern zu verhandeln - vielleicht einen Six-Pack gegen sechs schöne Filets? Ich schau zu vom Boot - er scheint sich gut zu verstehen mit den "Einheimischen" - scheinbar rege Unterhaltung. Ob die hier auf der kleinen Insel so gut englisch sprechen? Die Erklärung für uns an Bord gibt sich bald - es sind Urlauber aus Duisburg die hier die ganze Woche nur auf Fischfang sind. Die haben genug mitgebrachtes deutsches Bier so daß wir den Fisch bekommen ohne zu handeln.
Freitag 18. Mai - leider unser letzter Tag mit Endziel Bergen. Der starke Regen, der uns am letzten Abend an Bord gehalten hat ist verzogen und wir motoren in Richtung Bergen durch einen "Meeresgarten" von kleinen Inseln. Jede Insel mit einem oder zwei Häusern drauf und einen kleinen Steg davor. Es sind die Wochenendhäuschen der reichen Einwohner von Bergen und Umgebung - sehr idyllisch aber bestimmt nicht billig so eine eigene Insel. Wir fahren unter der großen Askoy Hängebrücke hindurch und vor uns breitet sich etwas regenbehangen die schöne Stadt Bergen aus.
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Es geht vorbei an mehreren U-Booten - hier gibt es ein Marinetreffen der U-Boote aus mehren Länder - bis zum ziemlich überfüllten Stadthafen. Hier müssen wir leider im Päckchen liegen - nicht so toll für einen Crewwechsel mit Gepäck und Proviant aber die Nachbarn sind freundlich, so dass wir keine Probleme bekommen.
Am letzten Abend wollen wir es uns gute gehen lassen und nach einem Besuch am sehr imponierenden Fischmarkt, entscheiden wir uns für ein mehrgängiges Fischmenu an Bord. Michael kauft ein für fast 100 Euro (wer soll das alles essen?). Es gibt Walfisch geräuchert, Walfischsteak, Garnelen, Seeteufel, Lachs und was weiß ich noch. Michael ist Chefkoch aber es muss sich auch um seine Familie per Handy kümmern. Der Abstand zwischen den verschiedenen Gänge wird immer größer. Arturo und Karin von der nächsten Crew schauen vorbei und würden bestimmt gerne für einen Drink an Bord kommen aber das Essen nimmt unsere ganze Aufmerksamkeit in Kraft und wir trösten sie auf einen späteren Zeitpunkt. Gegen 23.00 Uhr wird der letzte Gang serviert - wir sind poop satt! Von Karin und Arturo ist nichts mehr zu sehen - hoffentlich sind die nicht sauer auf uns.
Aufräumen, Saubermachen und Taschenpacken - wir sind ziemlich fertig, aber kurz vor Mitternacht landen Volker und Petra mit dem Flugzeug in Bergen und sind eine Stunde später bei uns an Bord. Es gibt natürlich viel zu erzählen und die Nacht wird sehr kurz aber so ist es beim Segeln - immer zu wenig Schlaf, und mein Flieger geht am nächsten Morgen um 08.30 Uhr nach Oslo - ausruhen kann man Zuhause!
Danke an der Crew für die tolle seglerische Leistung und an Volker Stappen für die hervorragende Organisation der Etappentörns!
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