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Eigentlich sollte es ein ganz anderer Törn werden. Seit Monaten freute sich die Crew auf die Rücküberführung der Vereinsyacht `Filou` von Damp (Ostsee) nach Strijensas (Hollandse Diep). So wurden die besonderen Befahrenshinweise des Nord-Ostsee-Kanals, die Strömungsverhältnisse in der Außenelbe oder die Ansteuerung von Helgoland studiert.
Doch es kam bekannter weise anders und unserem Skipper Volker gelang es, kurzfristig über den KSC eine Bavaria 37 bei Poule - Yachting in Workum zu einem akzeptablen Preis (vorher war das Boot 2 Wochen in KSC-Hand) zu chartern. Zwischenzeitlich war die Crew auf drei Mann geschrumpft: neben unserem Skipper Volker Stappen, Rolf Klapwijk und Bernhard Hintzen.
Wir nahmen uns vor, den Kanal nach Lowestoft zu queren, was für alle das 'Erste Mal' bedeutete.
Die Bootsübernahme der 'Aquamarin' am Freitagabend verlief unkompliziert, am Samstagmorgen hieß es ' Leinen los, um zunächst unter Maschine (N 1-2) zur Schleuse Kornwerderzand zu gelangen. In der Waddenzee ging es dann unter Segeln Richtung Den Helder, wobei wir einige Schauerböen als letzte Ausläufer des durchgezogenen Tiefs mit bekamen. Hierbei konnten wir herrliche Regenbögen beobachten. Vor Den Helder wurden 'Boje über Bord' Manöver in verschiedenen Versionen geübt. Im Marineclub Den Helder angekommen, staunten wir nicht schlecht, als wir ein gutes Dutzend Rolls Royce verschiedener Jahrgänge in Reih und Glied vorfanden. Es wurde eine große Hochzeit gefeiert.
Am Sonntagmorgen ging es dann los in Richtung England. Inzwischen waren wir mit dem Boot gut vertraut. Das Wetterfenster erwies sich als sehr günstig: stabiler Hochdruckeinfluss bei SW-Winden 2-3, geringem Seegang und Vollmond. Allerdings war aus diesem Grund Springzeit und somit der Stromversatz entsprechend einzukalkulieren.
Die Fahrt führte uns zunächst zu den Bohrplattformen des OFF-Texel Feldes. Hier konnten wir einen Versorger bei seiner Arbeit beobachten.. Ein Hubschrauber, der Mann-schaften wechselte, drehte eine Ehrenrunde um unser Boot, welches weit und breit die einzige Yacht war.
Gegen 18.00 Uhr ließ der Wind nach und da wir uns unmittelbar am Rand der Großschifffahrtsroute Rotterdam - Hamburg befanden, entschieden wir uns für Maschinenfahrt. Gegen 22 Uhr meinte es der Wind dann wieder gut mit uns: auf dem Programm stand schönes Segeln unter dem Vollmond. In der Nacht erwies sich die Sicht besser als am Tag, die Kimm war deutlich auszumachen und die Großschifffahrt anhand der Lichterführung gut berechenbar. Leider hatten wir bei der Übergabe des Bootes übersehen, dass die Kompassbeleuchtung defekt war, aber es war ja - wie gesagt - Vollmond.
In den Morgenstunden briste der Wind auf SW 3-4 auf und so kam bei 7 Knoten 'Rauschefahrt' gegen 10 Uhr Land in Sicht. Um 13 Uhr machten wir am Steg des' Royal Norfolk & Suffolk Yachtclub ' in Lowestoft fest.
Nachdem wir dem Hafenmeister 20 Pfund für eine Nacht gegeben und uns frischgemacht hatten, ging es auf Landgang. Lowestoft ist eher ein mittelprächtiger Seeort, fettige Fish & Chips waren eher Pflichtübung und in der Hafenspelunke (einen schönen Pub haben wir nicht gefunden) waren wir bei ein paar Glas Guiness die einzigen Nicht-Tätowierten.
Aber: Der Weg war schließlich das Ziel. Der Tag klang dann in den Gefilden des noblen Yachtclubs aus.
Gut ausgeruht ging es am Dienstagmorgen 11:45 Uhr los in Richtung Ijmuiden. Bei eher schwachen Winden aus südlicher Richtung baumten wir zunächst die Genua aus und fuhren 'Schmetterling' - nicht ohne den Bullenstander zu vergessen.
Gegen Abend war die Genua längst geschiftet und bei ruhiger See konnten wir 'Schweinespaghetti' kochen und genießen.
Um Mitternacht schlief der Wind ein, so dass wir für zwei Stunden motorten bis uns ein SW 1-2 wieder sanft Richtung Holland schob. Die Leichtwindeigenschaften der Bavaria 37 mit Kurzkiel (1,35 m Tiefgang) können als sehr gut bezeichnet werden. Die See war glatt wie der Kaarster See! Das Einschätzen der Kurse der Großschifffahrt war mittlerweile zur Routine geworden, so war es nicht weiter beunruhigend, als 300m vor uns ein großer Containerfrachter durchging. Einige Pötte machten sogar einen Bogen um uns.Gegen 14 Uhr am Mittwoch kam dann Ijmuiden in Sicht. Wir ließen freundlicherweise der 'Emerald Isle' (Länge ca. 200m) die Vorfahrt in den Hafen.
Nachdem wir um 15 Uhr die Schleuse Ijmuiden in den Noord-zeekanaal passiert hatten, gingen wir davon aus, dass das größte 'Abenteuer' bestanden war.
200 m vor dem Sixthaven verabschiedete sich unsere Maschine endgültig, nachdem sie ca. 1 Stunde zuvor einen kleinen Aussetzer hatte. Wir befanden uns inmitten von dichtem Berufsverkehr, von kleinen Hafenschleppern über Binnenfrachter, Schnellfähren und Großschifffahrt. Gott sei Dank war Wind und die Berufsschifffahrt erkannte unsere Situation und konnte ausweichen. Nach einigen Manövern erreichten wir sicher die nördliche Fahrwasserseite und konnten unter Segeln 5 km zurück in Richtung Ijmuiden laufen, wo wir am Steg der 'Watersportverenigung Bruynzeel' unter Segeln festmachten. Natürlich haben wir auch per Funk die Amsterdam Port Control über unsere Lage informiert.
Zusammen mit einem freundlichen Nachbarlieger entlüfteten wir die Maschine und füllten destilliertes Wasser in die trockenen Batterien, aber nach erneutem Start erstarb der Motor mit einem hässlichen metallischem Geräusch. Es half nichts, ein Profi musste her!
Nachdem wir am folgenden Morgen endlich eine Firma (Werksvertretung Volvo) erreichen konnten und diese uns auch einen Mechaniker für 16 Uhr versprach, blieb Zeit für einen Besuch des Städtchens Zaandam. Hierbei waren wir von den niederländischen Infrastruktur-Dienstleistungen beeindruckt: Wir waren kaum ein paar Schritte aus dem Hafen, der landseitig im hintersten Winkel eines Industriegebietes liegt, als ein Taxi-Shuttlebus um die Ecke kam und uns für je 1€ mit in die Stadt nahm. Zaandam ist ein nettes Städtchen mit viel maritimem Bezug und stellt in Verbindung mit dem Liegeplatz für alle, die den Trubel in Amsterdam nicht haben wollen, eine echte Alternative dar.
Am Nachmittag machten wir dann eine Erfahrung in Bezug auf: 'Traue niemals einem Monteur allein!' Zwar stellte der Monteur fest, dass zu wenig Öl im Saildrive war, unternahm nach einem weiteren misslungenen Maschinenstart aber keinerlei Arbeiten vor Ort . Seiner Meinung nach lag ein erheblicher Schaden vor, der einen Werftaufenthalt notwendig mache. Nachdem er das unserem Vercharterer mitgeteilt hatte, schickte dieser noch am gleichen Abend einen Monteur seines Vertrauens. Dieser füllte Öl in den Saildrive, wechselte defekte Dichtungen sowie Filter aus und entlüftete die Maschine erneut. Ergebnis: Sie lief wieder wie ein Uhrwerk, allerdings konnte uns der Monteur keine Garantie für die Zuverlässigkeit der Maschine geben, auch wenn keine Späne im Öl gefunden wurden.
Wir aber wollten 'unser' Boot zurückbringen und waren am nächsten Tag erleichtert, als wir nach Passieren der Schellingwarderbrug in das Ijmeer liefen.
Bei guten Winden ging es dann über Enkhuizen zurück nach Workum, wo wir am Samstag um 12.30 Uhr nach 355 Seemeilen, davon rd. 70 unter Maschine, festmachten .
Bernd Hintzen
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