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Von Freitag 29.09. bis Dienstag, 03.10.2006
Mein Bericht aus persönlicher Sicht
Um es direkt vorweg zu sagen: Es gab Stress!
Auf welche Weise auch immer, jedenfalls ist die Organisation des Absegelns dieses Jahr an mir hängen geblieben. Nicht dass ich Probleme damit habe, Aufgaben zu übernehmen, aber ich kann mich an ein klares "das mache ich" meinerseits nicht wirklich erinnern.
Also begann ich bereits auf der Busfahrt zur Taufe der Lady J im Mai damit, eine Interessentenliste fürs Absegeln einzurichten. Als größeres Hindernis stellte sich für mich die Beschaffung der Schiffe dar. Zum einen, weil ich außer Peter Donnison von den "alten Hasen" mit eigenem Schiff, keinen wirklich kannte, zum anderen weil ich mich mit Charter bisher nicht befasst hatte. Nach kurzem klärendem Gespräch mit Ulli Westermann beschlossen wir dann - oder beschloss eigentlich Ulli - dieses Jahr das Absegeln von Port Zelande aus zu starten, da dort die besseren Chartermöglichkeiten waren. Rasch waren die Schiffe reserviert. Über den Sommer hinweg bis knapp 24 Stunden vor Törnbeginn ergab sich dann folgende Zusammenstellung der Flottille:
- Charterschiff Challenge aus Sint Annaland mit Thilo Funke und eigener Crew
- Charterschiff Windhapper aus Port Zelande mit Volker Stappen und Sammelcrew
- Windpower dito mit Nicole Danners und Sammelcrew
- Windvaan dito mit Detlef Hänel und Familiencrew
- Andante aus Nordschans mit Klaus Senglaub und Sammelcrew
- Bellatrix aus mit Hermann Breuer mit Frau und Sammelcrew
- Angeyja mit Tim
- Seewind mit Bernd Daniel und Frau
- Novesia mit Karl-Heinz Uthke und Sammelcrew
- Nemo mit Rolf Klapwijk und Familiencrew
Vereinbart war ein Treffen aller Schiffe am Samstag um 13 Uhr Außenseite Schleuse Bruinisse, welches wir - die Windpower - nur mit anderthalb Stunden Verspätung erreichten. Zum einen, weil wir noch unsere Wassertanks komplett über die Wasserhähne entleeren und dann wieder vollständig füllen mussten. Zum anderen, weil - tja, verstehen wir bis heute auch nicht. Es war nämlich schönes Segelwetter und prima Wind.
Aber alle hatten gewartet. Klaus Senglaub konnte mit seiner Andante wegen eines Motorschadens allerdings nicht kommen und fuhr nach Nordschans zurück. Karl-Heinz zauberte wieder Käppis und Stander mit einem neuen Absegel-Logo für alle aus der Backskiste.
Nun sollte entschieden werden, ob die folgenden Tage im Grevelingen oder in der Osterschelde gefahren würden. Da gingen die Meinungen über die Wetter- und Windentwicklung stark auseinander. Schließlich stand trotzdem die Osterschelde mit Zierikzee am Abend an. Als dann alle zusammen mit der 19 Uhr-Öffnung die Zeelandbrug passierten, bot sich der Abendhimmel in traumhaften Farben. Weniger schön war die Nachricht, dass Zierikzee voll war. Also direkt nach Colijnsplaat. Noch im Hafenkanal von Zierikzee hatte Karl-Heinz' Motor Überhitzungsprobleme. Da war ein Anruf beim Hafenmeister im voraus dringend angesagt, der uns nur wegen dieser Motorprobleme in seinem ebenfalls vollen Hafen am Ende doch Plätze telefonisch zuwies. Wie das dann doch für 10 Schiffe möglich war, wissen die Götter. Egal.
Endlich im sicheren Hafen lösten sich auch die Kühlungsprobleme der Novesia, und die trockenen Kehlen der Segler labten sich an Detlefs Geburtstagsbier. Einmal mehr durften Holländische Gewässer an diesem Abend eine muntere Nacht mit den KSClern erleben!
Am nächsten Tag , dem Sonntag, stand die Wettfahrt an. Start vor Colijnsplaat, im Uhrzeigersinn um das Flach herum mit Ziel vor Zierikzee, wo für den Abend Plätze reserviert wurden.
Wir mit unserer Windpower hatten da unsere Probleme: Zweites Reff im Groß, die Fock zwei Meter gesetzt, tüchtig Druck auf der Pinne, aber nur 3 Beaufort Wind????? Und nur 2,5 Knoten Fahrt????? Wann setzt man mit diesem Schiff dann alles Tuch???? Sind wir zu blöd zum segeln???? Die Regattastrecke von 11 Seemeilen machten wir in 2 Stunden und 15 Minuten. Seltsam!!!! Niemand aus der Crew kam zwischendurch auf die Idee, die Fahrt über Grund nach GPS zu kontrollieren. Da war sicher der Klabautermann an Bord!
In Zierikzee stieß dann auch die Andante zu uns. Leider fing es an zu regnen, so dass die von Karl-Heinz kurzfristig vorbereitet Tombola immer wieder verschoben wurde. Schließlich sogar bis zum nächsten Abend. Der Morgen des Montag begann mit der unerwarteten Nachricht, dass Inge - bei Volker an Bord - Geburtstag habe. Tatsächlich hatte ich bei meiner morgendlichen Runde zu den Crews schon vorher bemerkt, dass dort Kerzen auf dem Frühstückstisch standen. Sehr romantisch, hatte ich mir gedacht! Da passte es umso besser, dass - entgegen der Windvorhersage von 7 Beaufort - die Tombola auf den Abend in Sint Annaland geschoben wurde. Die Zeeland-Brücke würde öffnen, sagte der Brückenwart zu.
Die Crew der Windpower - mal wieder - zauderte. Aber die Aufbruchstimmung der anderen Crews riss uns mit. Bis zu den Molenköpfen. Da konnte man schon sehen, wie die Masten der Schiffe draußen heftigst geigten. Die 4 bis 9 Beaufort der Nacht - über die tatsächliche Windstärke herrscht immer noch ein Geheimnis - hatten sich noch nicht beruhigt und einen tüchtigen Schwell vor der Mole hinterlassen. Also machten wir kehrt. Und fanden auch andere Crews sicher im Hafen, ohne diesen überhaupt verlassen zu haben. Bis auf die Andante und die Windhapper mit Volker, der sich in unseren Augen als "menschgewordenes Boot" erwies, kamen alle anderen auch zurück. Leider waren wir so am Abend weder zur Tombola noch zu Inges Geburtstag mit allen Crews vereint. Tagsüber zogen mehrere Gewitter mit sintflutartigen Regenschauern durch. Selbst kurze Wege wie zu den Toiletten mussten mit Ölzeug absolviert werden. Der Hafentag bot uns Gelegenheit, eine Glückwunschkarte zu erstehen. Als abzusehen war, dass die Windhapper wohl in Sint Annaland angekommen sein mochte, lieferten wir unser Geburtstagsständchen per Handy ab, womit wir schallendes Gelächter ernteten. Lediglich auf Volkers morgendliche Frage an Inge, wie es ihr ginge, hatte ihre Antwort "ich fühle mich wie neugeboren" zu der Schlussfolgerung geführt, sie habe Geburtstag. Den Genever tranken wir dann selber auf Inges Nicht-Geburtstag.
Da die Verkostung von drei Geneversorten nicht ausreichte uns zu wärmen, machten wir die Bordheizung an. Zwar wurde es
schön warm, aber die lange nicht in Betrieb genommene Heizung stank schrecklich nach Staub. Also wieder ausgeschaltet. Da bemerkte Nicole: "Träume ich oder steht da in der Pantry Rauch?" Sofort Feuerlöscher gegriffen. "Die Backskiste!" Und da kam auch schon der Qualm aus der Backkiste! Ein Sitzpolster lehnte am kaum isolierten Heizungsrohr und hatte Feuer qualmend gefangen. "Schmeiß über Bord!" rief Nicole, aber Peter und ich ersäuften das Kissen in der Pütz. Ich hatte nämlich die lähmende Vorstellung eines im Hafen schwimmenden Kissens mit Bändseln, die sich in der Motorschraube vertörnen! Ausgiebiges Lüften machte den Salon wieder benutzbar. Aber der Schreck saß uns in den Gliedern! Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir uns mit laufender Heizung für ein Stündchen auf's Ohr gelegt hätten.....
Nun galt es noch, einen geeigneten Austragungsort für die Tombola zu finden, wofür sich der Wirt einer nahe gelegenen
Kneipe an diesem trüben Montag sofort begeisterte. Besondere Beachtung verdienen in meinen Augen bei der Tombola die Lose, die alle wie auch die Preise selbst mit dem diesjährigen Logo versehen, handgerollt und mit handgeschnipselten Banderolen aus Trinkhalmen versehen waren. Da gab es Maglites, Schirme, Flachmänner, Spirituosen, Taschenrechner und vieles mehr für den lächerlichen Lospreis von 1 € zu gewinnen! Der Abend fand einen harmonischen und schönen Ausklang, wie man ihn sich für einen Flottillentörn wünscht.
Für die meisten Crews war der Dienstag der Rückgabetag der Schiffe. Bei größtenteils sonnigem Wetter und freundlichen 4 Bft. ging es dann für uns raumschots zurück ins Grevelingen. Schön wäre das Kreuzen bis Port Zelande gewesen, das wir uns aber leider aus Zeitgründen dann nicht mehr erlaubten. Pünktlich, unversehrt und sauber lieferten wir unsere Windpower mit zu wenig anzeigender Logge und Windmesser ab und machten uns auf den Heimweg nach Kaarst.
Mein persönliches Fazit:
- Kein Schiff mit Pinnensteuerung.
- Lies alle Daten, die das GPS dir bietet.
- Vertraue deinen eigenen Entscheidungen.
- Organisiere beherzt das Absegeln 2007.
Bericht von
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| Wir haben an dieser Stelle ein paar Bilder vom Absegeln veröffentlicht. Zum Vergrößern einfach auf das Foto klicken. |
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